24. November 2012 13:14 Telekommunikations-Infrastruktur Kampf um die Schaltzentralen des Internets

Die kleinen, grauen Kästen gehören fest zum deutschen Straßenbild: Kabelverzweiger. Sie sind für die Telekommunikation so wichtig, dass die Telekom am liebsten die alleinige Kontrolle darüber zurückgewinnen würde. Ihre Konkurrenten wollen das verhindern.

Von Björn Finke

Die grauen Kästen fallen im Stadtbild selten auf, allein schon wegen ihrer Farbe. Dabei können sie sehr praktisch sein: Sie haben genau die richtige Höhe, um ein Glas Bier darauf abzustellen - interessant für Kneipengäste, die das Rauchverbot vor die Tür treibt. Wichtig sind die Kästen auf den Bürgersteigen aber vor allem für die Telekomkonzerne in Deutschland. Denn in den Kästen - der Fachmann nennt sie Kabelverzweiger oder schlicht KVZ - laufen die Telefon- und Internetleitungen der Nachbarschaft zusammen. Und weil sie so wichtig sind, wird gerade erbittert um ihre Kontrolle gerungen.

Es gibt 330.000 davon hierzulande, sie gehören dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom, doch genutzt werden sie auch von Wettbewerbern: Diese haben sogenannte KVZ-Teilnehmeranschluss-Leitungen, die vom Kasten in die Wohnungen führen, bei der Telekom gemietet. So versorgen sie ihre Kunden. Aber geht es nach dem Willen des Dax-Konzerns, soll er bald wieder die Kontrolle über alle Leitungen haben, die von einem Kasten abgehen. Das will der für das Deutschlandgeschäft zuständige Vorstand Niek Jan van Damme beim Regulierer, der Bundesnetzagentur, beantragen. Die Wettbewerber befürchten daher eine Rückkehr in Monopolzeiten.

Diese Ängste versuchte der Niederländer nun vor Journalisten in Köln auszuräumen: "Wir haben kein Interesse an einer Re-Monopolisierung der Netze", sagte er. Hintergrund des Plans stellt eine Innovation dar: Ist der Kasten an das moderne Glasfasernetz angeschlossen, kann er die Haushalte, die über normale Kupferkabel mit ihm verbunden sind, bislang mit Internet in einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde versorgen. Das ist recht rasant und nennt sich VDSL-Anschluss.

Doch mit einer technischen Neuerung namens Vectoring ist sogar die doppelte Geschwindigkeit drin. Dabei unterdrückt ein Zusatzgerät in den Kästen Störsignale zwischen den Kupferdrähten. Der Vorteil: So würde VDSL mit den bisher schnelleren Internetangeboten der Fernsehkabel-Betreiber mithalten können. Der Nachteil: Das funktioniert nur, wenn alle Kupferkabel von einem Unternehmen, also meist der Telekom, kontrolliert werden.

Telekom will nicht länger die nackte Leitung vermieten

Deswegen will der Bonner Konzern den Konkurrenten nicht mehr die nackten Leitungen vermieten. Als Ersatz möchte er den Rivalen fertige Hochgeschwindigkeitsanschlüsse anbieten. Die Konkurrenten würden diese mit Großkundenrabatt einkaufen und weitervertreiben. "Wir wollen unsere Netze auslasten", sagte van Damme, daher seien Geschäfte wie diese im Eigeninteresse der Telekom.

Konkurrenten wie Vodafone würden wiederum mit der Telekom ein Interesse daran teilen, VDSL zu beschleunigen - das helfe im Wettbewerb mit den aggressiven TV-Kabelanbietern. Allerdings bereitet den Telekom-Rivalen Sorge, dass das fertige Internet-Paket teurer als die nackte Leitung wird - um wie viel ist noch offen. Außerdem erhöhen sie so ihre Abhängigkeit von den Bonnern.

Am 10. Dezember treffen sich Vertreter der Telekom-Firmen bei der Bundesnetzagentur. Bis dahin möchte sich van Damme mit den Konkurrenten einigen. Er kam ihnen jetzt entgegen. So sagte er, dass es Bestandsschutz geben könnte für jene KVZ-Leitungen, die Konkurrenten gemietet haben. Das sind ohnehin nicht viele: Nur 8200 der 330 000 Kästen haben Wettbewerber mit ihrem eigenen Glasfasernetz verbunden. Um das rasante Internet von dort in die Wohnungen zu bekommen, haben sie 140 000 KVZ-Leitungen bei der Telekom gemietet. Genießen sie Bestandsschutz, könnten die Konkurrenten da ihr eigenes Vectoring für eine schnellere Verbindung einführen.