24. Januar 2013, 09:45 Stellenabbau bei der Commerzbank Neues Geschäftsmodell dringend gesucht

Bis zu 6000 Stellen will die Commerzbank bis 2016 streichen. Das Beispiel zeigt, dass nicht nur im Investmentbanking, sondern auch im Privatkundensektor kräftig umstruktuiert wird. Harte Konkurrenz und vorsichtige Kunden machen deutschen Geldhäusern seit Jahren zu schaffen. Die Frage, die die Branche umtreibt: Wie lässt sich künftig mit klassischen Bankdienstleistungen Geld verdienen?

Für die Angestellten im Bankensektor läuft es derzeit nicht gut: Die Hypovereinsbank, das wurde dieser Tage bekannt, will bis Ende 2014 bis zu 1000 Arbeitsplätze streichen und etwa 45 Filialen schließen. Die Postbank streicht ebenfalls hunderte Stellen und die Deutsche Bank hat Tausende Banker außerhalb des Kerngeschäfts in Tochterfirmen ausgelagert.

Jetzt präzisiert die Commerzbank ihre Kürzungspläne, die schon seit November in Grundzügen bekannt sind: Zwischen 4000 und 6000 Vollzeitstellen im In- und Ausland sollen bis 2016 wegfallen.

Die genaue Höhe des Stellenabbaus werde nun mit Arbeitnehmervertretern verhandelt, sagte eine Unternehmssprecherin in Frankfurt. Die Gespräche sollen voraussichtlich im Februar beginnen. Am Mittwoch waren Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi über die Pläne informiert worden.

Vor allem im Privatkundengeschäft gebe es deutliche Überkapazitäten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Dokumente. Daraus geht auch hervor, dass sich der Stellenabbau auf nahezu alle Bereiche der Bank bezieht - ausgenommen seien lediglich die Tochtergesellschaft Bre Bank in Polen und die Onlinebank Comdirect.

"Wenn wir unsere Ertrags- und Wachstumsziele unter anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen erreichen wollen, sind Anpassungen der Personalstruktur notwendig", schreibt Personalchef Ulrich Sieber in der internen Mitteilung.

"Nicht verhandlungsfähig" sagen die Arbeitnehmervertreter

Bei Arbeitnehmervertretern stoßen die Pläne auf Widerstand. "Das ist ein Horrorkatalog, den sich der Betriebsrat anhören musste", sagt eine Person aus dem Umfeld des Gremiums. Die Einschnitte im Inlandsgeschäft seien größer als die Kürzungen nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor vier Jahren. "Das ist nicht verhandlungsfähig", sagte der Arbeitnehmervertreter.

Der tatsächliche Abbau dürfte noch höher ausfallen als die genannten 4000 bis 6000 Stellen. Zum einen beschäftigt die Bank viele Teilzeitkräfte, die sich einen Arbeitsplatz teilen. So zählte die Commerzbank Ende September 56.000 Mitarbeiter auf insgesamt 49.000 Vollzeitstellen.

Zum anderen sind punktuelle Neueinstellungen in Sparten wie der Mittelstandsbank in die Zahlen schon eingerechnet. Im Privatkundengeschäft will die Bank die Öffnungszeiten der Filialen ausweiten. Zudem soll es künftig vier verschiedene Filialtypen geben, die Mitarbeiter sollen flexibel eingesetzt werden können. Zum Teil sollen sie laut Arbeitnehmervertretern auch auf Geld verzichten. Der Chef der Privatkundensparte, Martin Zielke, hatte bereits signalisiert, je mehr die Arbeitnehmervertreter der Bank dabei entgegenkämen, desto geringer könne der Abbau ausfallen.

In den Zahlen enthalten ist auch der Schrumpfungsprozess der internen "Bad Bank", die das Schiffs- und Immobilienfinanzierungsgeschäft in den nächsten Jahren abwickeln soll und die allein mehr als 1000 Menschen beschäftigt. Zudem sollen bestimmte Aufgaben an Billigstandorte verlegt werden. Das Unternehmen spricht von Outsourcing in begrenztem Umfang, die Arbeitnehmer dagegen von massiven Verlagerungen in Gesellschaften ohne Tarifbindung.

Deutsche Banken stehen vor allem im Privatkundengeschäft seit Jahren unter Druck. Zum einen ist die Konkurrenz mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken groß, zum anderen legen die Kunden ihr Geld lieber sicher in Tagesgeld an statt für die Banken lukrative Fonds und andere Kapitalmarktprodukte zu kaufen. Außerdem sind immer weniger Kunden bereit, für alltägliche Bankleistungen wie Kontoführung und Überweisungen Gebühren zu zahlen.

Größe als Geschäftsmodell?

Allein im vergangenen Jahr verschwanden in der Finanzbranche in Deutschland über 6000 Stellen, seit 2007 mussten sich sogar über 22.000 Angestellte einen neuen Job suchen. Der einst bommenden Branche entweicht langsam die Luft.

Bei den international tätigen Banken liegt der Schwerpunkt des Stellenabbaus auf dem Investmentbanking. Doch das Beispiel der Commerzbank zeigt, dass die Banken nicht nur dort Arbeitsplätze streichen, sondern auch im Privatkundengeschäft. Einem Bereich also, den Politiker gern als das "gute Banking" bezeichnen und als Gegensatz zu riskoreichen Investmentbanking sehen, das eine Mitschuld am Ausbruch der Finanzkrise trage.

Ein Teil der Branche hat eine Antwort auf die drängende Frage nach einem tragfähigen Geschäftsmodell bereits gefunden: Es ist Größe. So hat der Branchenprimus Deutsche Bank beispielsweise längst begriffen, dass er künftig nur dann große Gewinne einfahren kann, wenn er ein großes Volumen an Transaktionen umsetzt. Denn staatliche Bestrebungen zur Bankenregulierung könnten bewirken, dass Banken künftig kleinere Margen verdienen. Diese einzusammeln lohnt sich nur dann, wenn sie sich aufsummieren lassen.

Die Commerzbank-Aktie gab nach Bekanntgabe der Pläne um knapp zwei Prozent nach. "Das ist kein sonderlich ambitioniertes Ziel. Die Aktie ist im Minus, weil man die Streichung schneller erwartet hätte", sagt Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. Bis 2016 sei es eine relativ lange Zeit und im Schnitt verließen ohnehin drei Prozent der Belegschaft die Bank im Jahr freiwillig.