21. November 2012, 10:46 Barbara Kux soll Siemens verlassen Überraschender Abschied von der Vorzeigefrau

Siemens wird den Vertrag mit Barbara Kux offenbar nicht verlängern. Die erste Frau im Vorstand eines Dax-Konzerns sucht sich jedenfalls neue Aufgaben. Über die Gründe wird nun eifrig spekuliert. Sie bezog ein vergleichsweise üppiges Gehalt - und brachte mit ihren Plänen Manager im Konzern gegen sich auf.

Von Karl-Heinz Büschemann und Björn Finke

Die erste Frau im Siemens-Vorstand scheidet angeblich aus: Barbara Kux.

(Foto: dapd)

Ihr Ressort ist eins der wichtigsten beim Sparprogramm, das Vorstandschef Peter Löscher Siemens verordnet hat. Von den sechs Milliarden Euro, um die der Österreicher die Kosten senken will, sollen drei Milliarden Euro aus dem Einkauf stammen. Dafür ist Barbara Kux im Vorstand des Münchner Dax-Mitglieds zuständig. Doch wird die Schweizerin allenfalls noch die erste Hälfte des zwei Jahre laufenden Programms begleiten können. Der Aufsichtsrat will ihren im November 2013 endenden Vertrag bei der Sitzung am kommenden Mittwoch nicht verlängern. Das ist aus dem Umfeld des Konzerns zu hören.

Die 58-Jährige gab vergangenen Mittwoch bei einem Auftritt in ihrem Heimatland schon länger kursierenden Gerüchten über eine Ablösung selbst Nahrung. Bei der "7th Women's Business Conference" in Zürich sagte die Managerin, sie wolle sich demnächst auf Aufsichtsratsmandate konzentrieren. Sie ist bereits Kontrolleurin beim französischen Energiekonzern Total. Auf die Nachfrage der Moderatorin, ob das denn heiße, dass ihr Vertrag bei Siemens nicht verlängert werde, dementierte sie diesen Gedanken nicht, sondern erklärte, dass es auch ohne sie gehe: "Wir haben ein gutes Team aufgebaut", antwortete Kux einem Bericht der Schweizer Zeitung Der Sonntag zufolge.

"Grüner Infrastrukturgigant"

Die gebürtige Zürcherin, die an der französischen Elite-Wirtschaftshochschule Insead in Fontainebleau ihren MBA gemacht hat, wurde im November 2008 von Löscher als erste Frau in den Vorstand eines Dax-Unternehmens berufen. Sie ist neben dem Einkauf auch für das Thema Nachhaltigkeit zuständig, das ihrem Chef am Herzen liegt. Löscher bezeichnet Siemens gerne als "grünen Infrastrukturgiganten". Er möchte den Umsatz mit umweltschonenden Produkten weiter kräftig steigern - seien es Windkraftanlagen, energiesparende Züge und Gebäudetechnik oder besonders effiziente Turbinen für Gaskraftwerke.

Grünes fördern und Sparen beim Einkauf: Das war der Auftrag der Managerin. Und dieser Auftrag war gut dotiert. Ein Blick in den Vergütungsbericht von Siemens zeigt, dass Kux 2010 und 2011 nach Konzernlenker Löscher das zweithöchste Gesamtgehalt im zehnköpfigen Vorstand des Technologieunternehmens kassierte. Eine Tatsache, die sie unter ihren Managerkollegen nicht beliebter gemacht hat, wie ein Siemens-Kenner berichtet.

Zudem soll Kux Entscheider in dem weitläufigen Konzernreich gegen sich aufgebracht haben, als sie - um die Kosten zu senken - den Einkauf stark zentralisierte. Damit erzielte sie tatsächlich Einsparungen, doch der ganz große Wurf bei den Ausgaben kann es nicht gewesen sein: Sonst würde Löscher schließlich nicht weitere drei Milliarden Euro Sparpotential beim Einkauf im Zuge seines neuen Siemens-Programms sehen. Der Konzern wollte zur Zukunft von Kux nicht Stellung nehmen.

Bevor die Schweizerin zu Siemens kam, war sie fünf Jahre beim niederländischen Rivalen Philips in Amsterdam für Einkauf und Nachhaltigkeit zuständig gewesen, hatte also die gleichen Aufgaben wie bei den Münchnern. Auch bei ihren vorherigen Karrierestationen - Nestlé, McKinsey, ABB, Ford - blieb Kux immer nur vier bis sechs Jahre. Nun sind vier Jahre Siemens um.