7. Februar 2013, 15:57 Prestigeprojekt Elbphilharmonie Architekten erhalten mehr als 90 Millionen Euro

Die Kosten für die Elbphilharmonie explodieren - und mit ihnen steigt auch das Honorar für die Architekten: Sie erhalten mittlerweile fast 94 Millionen Euro. Nach erster Kostenrechnung sollte das gesamte Konzerthaus Hamburg ehemals 77 Millionen kosten.

Die Architekten der Hamburger Elbphilharmonie werden für die Planung des umstrittenen Konzerthauses insgesamt 93,9 Millionen Euro Honorar erhalten, berichtet Spiegel Online. Auf Anfrage von Süddeutsche.de bestätigte ein Sprecher der Kulturbehörde diese Summe.

Der Betrag setzt sich zusammen, indem man die in verschiedenen Senatsdrucksachen ausgewiesenen bisherigen Honorarzahlungen für die Architekten mit dem Honorarnachschlag von 35 Millionen Euro addiert. Diesen Zuschlag erhalten die beiden beteiligten Architekturbüros Herzog & de Meuron sowie Höhler + Partner nun zusätzlich für die weitere planerische Betreuung des Gebäudes.

Gewinne mache man nicht, sagen die Architekten

Allerdings umfasse das Honorar nicht nur die Planungsleistung der Architekten, argumentiert ein Sprecher der Kulturbehörde, sondern auch die Bauüberwachung und Teile der Bauleitung. Diese Tätigkeiten seien aber bereits in den marktüblichen zehn Prozent der Bausumme enthalten, schreibt Spiegel Online.

Dem erwidert ein Sprecher von Herzog & de Meuron, nur bei Standardbauten - zu denen die Elbphilharmonie nicht gehört - belaufe sich das Honorar auf 10 Prozent der Baukosten. Generalplaner wie die Architekten des Konzertbaus erhielten üblicherweise zwölf bis 20 Prozent. Außerdem habe Herzog & de Meuron "mehr als 30 Subdienstleister beauftragt und koordiniert, auf die sich das Honorar aufteilt. Um das Projekt fertig stellen zu können, werden in den kommenden Jahren etwa 140 bis 150 Personen beschäftigt sein".

Zudem mache das Büro mit dem Projekt keinen Gewinn: Weil sich die Planungs- und Bauzeit der Elbphilharmonie von drei auf zehn Jahre verlängert hat "kann das Projekt bei diesem außerordentlichen Aufwand nicht verlustfrei abgewickelt werden", hieß es.

Opposition fordert Akteneinsicht

Mittlerweile übersteigen also allein die Architektenhonorare den ursprünglich geplanten Anteil der Stadt Hamburg an der Elbphilharmonie von 77 Millionen Euro. Die Gesamtkostenschätzung ging 2005 noch von 186 Millionen Euro aus. Insgesamt wird der Bau nach derzeitigem Planungsstand mindestens 575 Millionen Euro kosten.

Zurzeit verhandelt der SPD-Senat neue Verträge mit dem Bauunternehmen Hochtief, die bis zum 28. Februar unterzeichnet werden sollen. Mit der Eröffnung des Konzerthauses wird 2017 gerechnet.

Die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert weiterhin die Akteneinsicht zum Projekt Elbphilharmonie, da es an Transparenz fehle. Der SPD-Senat lehnt die Forderung während den Verhandlungen mit Hochtief jedoch ab.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie hat an diesem Donnerstag als vorletzte Zeugin die parteilose Ex-Kultursenatorin Karin von Welck geladen. Am 14. Februar wird dann nochmals Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) zu den immensen Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen bei dem Prestigeprojekt befragt.

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat sich kritisch zum Bau der Hamburger Elbphilharmonie geäußert. Das Bauvorhaben sei "ziemlich neureich", sagte Schmidt der Wochenzeitung Die Zeit. "Wir brauchen keine weiteren architektonischen Ausrufezeichen." Der Bau werde nur vorangetrieben, um "möglichst großen Eindruck zu schinden". Deshalb habe er es auch abgelehnt, dem Kuratorium der Elbphilharmonie beizutreten.