17. Mai 2010, 20:34 Arbeitsmarkt Ein-Euro-Jobs und Kurse für 750.000 Erwerbslose

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will im kommenden Jahr 750.000 Langzeitarbeitslose in Arbeitsmarktmaßnahmen unterbringen.

Dazu zählten neben Ein-Euro-Jobs, Berufsvorbereitungs- und Sprachkurse, Fortbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, kündigte BA-Vorstand Heinrich Alt in der Zeitung Die Welt an. Sechs Wochen vor dem Start der Arbeitsmarktreform Hartz IV zu Jahresbeginn erwartet BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise Probleme und mangelhafte Betreuung der Arbeitslosen.

"Wir können nicht ausschließen, dass da Fehler passieren, Missstimmung auftritt, Menschen nicht gut behandelt werden", sagte Weise dem Magazin Focus. Mit 35 000 BA-Mitarbeitern gebe es zu Anfang von Hartz IV 5000 Kräfte weniger als eigentlich nötig.

Ab Januar werde ein Fallmanager oder persönlicher Ansprechpartner auf maximal 75 Jugendliche kommen. Für die anderen Empfänger des neuen Arbeitslosengelds (ALG) II aber werde "das Verhältnis zu Beginn eher 1 zu 250 sein". Im Laufe des zweiten Quartals werde es auf 1 zu 150 verbessert.

Bereits zuvor war aus gut informierten BA-Kreisen verlautet, der anvisierte Betreuungsschlüssel von 1:75 sei mit dem derzeitigen Personalstand nicht zu erreichen. Weise versicherte, derzeit werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die Auszahlung des ALG II klappt. Bei der BA-Software seien nicht alle Fehler behoben worden.

Im Oktober gab es 4.206.600 Arbeitslose

Weise bekräftigte, ein Anstieg der Arbeitslosenzahl bis zur psychologisch bedeutenden Marke von fünf Millionen sei im kommenden Februar vorübergehend möglich. Dies liege an der statistischen Auswirkungen von Hartz IV und der Winterarbeitslosigkeit.

Danach werde die Arbeitslosigkeit "deutlich zurückgehen". 300.000 bis 400.000 arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger tauchen erstmals in der Arbeitslosenstatistik auf. Im vergangenen Monat waren 4.206.600 Männer und Frauen arbeitslos.

Eine starke Ausweitung der so genannten Ein-Euro-Jobs bewertete Weise skeptisch. "Das würde bedeuten, dass wir praktisch vollständig auf diese Arbeitsgelegenheiten setzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in jedem Fall erfolgsträchtig ist."

Alt forderte Nachbesserungen an den strengen Zuverdienstregeln für die Arbeitslosen. Während das Geld aus einem Ein-Euro-Job komplett behalten werden darf, werden von einem 400-Euro-Job 85 Prozent auf die Leistung angerechnet. Für viele Arbeitslose sei das schwer nachvollziehbar. "Wir sollten den Zusatzjob nicht attraktiver machen als den 400-Euro-Job."