Der Kreml macht seine Drohungen ernst - und hat seine Gaslieferungen an die Ukraine um 25 Prozent gekürzt.
Der staatlich kontrollierte russische Gaskonzern Gazprom (hier das Logo) droht, die Lieferungen an die Ukraine erheblich zu drosseln. Foto: AFP
Der russische Gasmonopolist Gazprom hat am Montag wie angekündigt die Gaslieferungen an den Nachbarn Ukraine wegen offener Rechnungen um ein Viertel reduziert. Das teilte der vom Kreml kontrollierte Energiekonzern in Moskau mit. Die Kunden in der Europäischen Union seien von der Maßnahme nicht betroffen, hieß es in der russischen Hauptstadt.
Gazprom forderte in den vergangenen Wochen von der Ukraine Nachzahlungen in Höhe von umgerechnet einer Milliarde Euro. Ein Gasstreit zwischen Kiew und Moskau hatte vor zwei Jahren auch zu Engpässen in der EU geführt.
Gas nur gegen entsprechende Bezahlung
Russland drosselte seine Lieferungen einen Tag nach der Wahl des Vizeregierungschefs und Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzenden, Dmitri Medwedew, zum neuen Präsidenten des Landes. "Gazprom ist ein verlässlicher Energielieferant, aber wir können und dürfen Gas nicht ohne entsprechende Bezahlung liefern", sagte der Konzernsprecher Sergej Kuprijanow.
Man sei weiter zu Verhandlungen über einen neuen Vertrag mit der Ukraine bereit, hieß es in Moskau. Gemäß altem Vertrag stammen drei Viertel des von Russland an die Ukraine gelieferten Gases aus Zentralasien. Russland hat nun die Lieferung seines Anteils von 25 Prozent der Gesamtmenge gekappt.
In der Ukraine wurde die Nachricht von der Gasreduzierung gelassen aufgenommen. Man wolle "bis zum Wochenende" zu Verhandlungen nach Moskau reisen, teilte der staatliche Energieversorger Naftogas in Kiew mit. Die prowestliche Regierungschefin Julia Timoschenko hatte noch am Sonntag gesagt, ihr Land habe alle Schulden bei Gazprom beglichen. Umstritten war zuletzt auch das Engagement von Zwischenhändlern im russisch-ukrainischen Gasgeschäft.
Die Gasrechnung für die Ukraine fiel höher als üblich aus, weil Russland in den vergangenen Monaten aufgrund von Lieferschwierigkeiten in Zentralasien den Anteil des teureren eigenen Gases am Export in die Ukraine erhöht hatte.
In der Ukraine herrscht eine innenpolitische Dauerkrise, weil die Opposition aus Protest gegen eine Annäherung des Landes an die Nato seit Mitte Januar das Parlament blockiert.
Bei dem Gas-Streit zwischen beiden Ländern vor zwei Jahren war es auch bei den Endkunden in der EU vorübergehend zu Engpässen gekommen.
Damals warf Gazprom den Ukrainern vor, illegal Gas abzuzapfen. Etwa 80 Prozent der russischen Gaslieferungen an die Europäische Union laufen derzeit durch die Ukraine.
(dpa/AFP/mel/hgn)



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