Kehrtwende in der Autoindustrie: Das skandinavische Automobilunternehmen Koenigsegg will die GM-Tochter Saab jetzt doch nicht mehr kaufen. Droht jetzt das endgültige Aus?
Die Firma Koenigsegg hätte Saab eigentlich übernehmen wollen - doch der Deal ist geplatzt. Foto: AP
Sie galten als das merkwürdigste Paar der Autoindustrie. Als die winzige schwedische Sportwagenschmiede Koenigsegg im Juni verkündete, dem angeschlagenen amerikanischen Konzern General Motors die Marke Saab abzukaufen, rieben sich selbst Experten vor Verwunderung die Augen.
"Sehr enttäuscht"
Koenigsegg mit seinen 45 Mitarbeitern hatte kaum jemand auf der Rechnung gehabt. Nun ist das Geschäft geplatzt. Am Dienstag blies Koenigsegg die Übernahme ab. Der Zeitfaktor sei entscheidend gewesen, erklärten die Schweden. Koenigsegg hatte auf staatliche Garantien für ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) im Volumen von rund 450 Millionen Euro gehofft. Die Stockholmer Regierung hatte damit gerechnet, dass die EU-Prüfung solcher Hilfen noch mehrere Monate dauern würde. GM-Chef Fritz Henderson sprach von einem "plötzlichen Kurswechsel" von Koenigsegg: "Wir sind natürlich sehr enttäuscht." GM hatte gehofft, seine defizitäre Tochter reibungslos abspalten zu können.
Saab befindet sich seit dem 20. Februar in der Insolvenz. Mit 3400 Beschäftigten gilt das Unternehmen als einer der kleinsten Anbieter von Autos aus Serienfertigung mit einer Jahresproduktion von 93.000 Wagen. Seit dem Einstieg von GM vor knapp 20 Jahren hat Saab bis auf zwei Jahre stets Verluste eingefahren. Im laufenden Jahr sind die Verkaufszahlen erneut eingebrochen. In den USA verkaufte Saab nur 7400 Autos. Die Zukunft der Traditionsmarke ist nun völlig ungewiss. GM will in den nächsten Tagen darüber beraten, ob es einen neuen Partner sucht oder das Unternehmen schließen soll. Am Dienstag tritt der Verwaltungsrat von GM zusammen. Dann wird wohl eine Entscheidung fallen.
GM hatte selbst im Juni selbst Konkurs angemeldet, konnte aber dank großzügiger Hilfen der US-Regierung den Gläubigerschutz nach nur 40 Tagen wieder verlassen. Um künftig wieder profitabel wirtschaften zu können, will sich der Konzern auf die Marken Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC konzentrieren und auch Opel behalten. Töchter wie Saab und der Geländewagen-Hersteller Hummer sollen abgestoßen werden. Die gescheiterten Verhandlungen mit Koenigsegg zeigen, wie schwer das Marktumfeld derzeit für Übernahmen ist. Die Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise, auch wenn sich der Ausblick der Branche in den vergangenen Monaten leicht verbessert hat. Noch im September hatte Koenigsegg bekannt gegeben, dass sich der chinesische Autobauer BAIC an dem Geschäft beteiligen wolle, weil es alleine nicht genug Geld aufbringen könne. "Nach sechs Monaten intensiver Arbeit sind wir zu dem schwierigen und schmerzhaften Schluss gekommen sind, dass wir zum Kauf von Saab nicht in der Lage sind", teilte Koenigsegg nun mit.
Christian von Koenigsegg hatte die Firma vor 15 Jahren gegründet. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen noch nicht einmal zwei Dutzend seiner mindestens 700.000 Euro teuren Luxuswagen. Die Übernahme von Saab durch Koenigsegg hätte auch die deutsche Marke Opel berührt. Nach der ursprünglichen Vereinbarung sollte der Saab 9-5 künftig nicht wie ursprünglich vereinbart im Opel-Stammwerk Rüsselsheim, sondern im Saab-Werk im schwedischen Trollhättan gebaut werden. Doch auch nach dem Scheitern der Verkaufsverhandlungen ist es alles andere als sicher, dass der Saab 9-5 weiterhin in Rüsselsheim gebaut wird. Es ist gut möglich, dass GM die Produktion von Saab-Autos ganz einstellt.
(SZ vom 25.11.2009/mel)
- GM: Zukunftsplan für Opel - Schlechtes Geschäft
- Gehemmt durch Sorgen - Schlechtere Leistung wegen Stress
- McDonald's und die Öko-Frage - "Wir sind kein grünes Unternehmen"
- Leiden der Arbeitnehmer - Von der Krise um den Schlaf gebracht
- Sanierungskonzept - Opel kappt fast 4000 Stellen in Deutschland
- Toyota - 437.000 Hybridautos - ein Fall für die Werkstatt
- Arbeitsbilanz 2009 - So wenig Überstunden wie nie zuvor






Wirtschaft ist witzig