Seite 1 von 2
- Sie lesen jetzt Seite 1
- Seite 2
Von Nikolaus Piper
Der hohe Ölpreis treibt die amerikanische Autoindustrie in eine Existenzkrise. An den Börsen sorgt man sich um die Zahlungsfähigkeit der Konzerne.
Bild vergrößern
Der hohe Benzinpreis macht die Pickups der US-Autobauer zu Ladenhütern.
Foto: AFP
Es war ein historischer Einschnitt: Am Donnerstag verlor die Aktie von General Motors nicht weniger als elf Prozent und zog damit die Börse in den Keller. Nach Parkettschluss ging der Kursverfall weiter mit dem Ergebnis, dass die Aktie des (noch) größten Autoherstellers der Welt so billig wurde wie seit 53 Jahren nicht mehr.
Erst am Freitag erholte sich die Aktie etwas. General Motors ist an der Börse noch 7,2 Milliarden Dollar wert und wäre ein Übernahmekandidat - hätte der Konzern nicht so hohe Schulden, dass sich vermutlich jeder Käufer daran übernehmen würde.
Finanzkrise und Ölpreisexplosion setzen zu
Unmittelbarer Anlass des Einbruchs war ein Analystenbericht von Goldman Sachs, der die GM-Aktie von ,,neutral‘‘ auf ,,verkaufen‘‘ herabsetzte. Dies wirkte wie ein Katalysator: Er erinnerte die Investoren daran, wie ernst die Lage der drei großen Autohersteller von Detroit in Wirklichkeit ist.
GM, Ford und Chrysler hatten im vergangenen Jahr zwar nach langen Verhandlungen und kurzfristigen Streiks Kompromisse mit der Autogewerkschaft UAW über Kostensenkungen erzielt - als ersten, wichtigen Schritt, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden. Doch nun schlugen die Finanzkrise und die Explosion der Ölpreise mit voller Wucht ein.
Die Autohersteller sind dreifach getroffen: Erstens hat der Preis für eine Gallone Benzin (knapp 3,8 Liter) die psychologisch wichtige Marke von vier Dollar überschritten. Amerikaner kaufen weniger Autos und wechseln zu Marken mit besseren Verbrauchswerten. Zweitens schränken die höheren Preise für Energie und Lebensmittel das verfügbare Einkommen der Haushalte ein, was den Absatz drückt. Drittens hat die Finanzkrise zu strengeren Konditionen bei der Kreditvergabe geführt; das macht es schwieriger, neue Autos auf Pump zu kaufen.
Absatzeinbruch im Mai
Ein Schock waren die Absatzzahlen im Mai. Der Verkauf neuer Autos ging in diesem Monat um 10,7 Prozent zurück. General Motors musste einen Einbruch von 27 Prozent hinnehmen, vor allem bei seinen Geländewagen und Kleinlastern, die sich durch einen hohen Energieverbrauch auszeichnen.
Bei Ford ging der Verkauf um 16 Prozent zurück. Der Ford-Kleinlaster F-150, der fast 30 Jahre lang Marktführer bei so genannten Pickups gewesen war, fiel auf den fünften Platz zurück - hinter energie-effizienteren Konkurrenzprodukten von Toyota und Honda. Chrysler verkaufte 25 Prozent weniger, der Marktanteil fiel erstmals hinter dem von Honda zurück.
Die Autohersteller haben mit ersten Notmaßnahmen auf die Krise reagiert. GM-Chef Rick Wagoner räumte ein, dass die Zeit billigen Benzins ein für allemal vorbei sei und der Wechsel zu kleineren, energiesparenden Autos daher "dauerhaft" sein müsse.
Nächste Seite: Sorge um Liquidität
(Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2) nächste Seite
In diesem Artikel:
- Sie lesen jetzt Seite 1
- Seite 2