Politiker der CDU wollen die Vergütung von Top-Führungskräften neu regeln - und die umstrittenen Aktienoptionen womöglich verbieten.
Die Union will die deutschen Manager durch eine Reform der Vergütungsregeln dazu drängen, sich stärker am langfristigen Wohlergehen und weniger am Aktienkurs ihrer Unternehmen zu orientieren.
Das sieht ein erstes Eckpunktepapier vor, das der CDU/CSU-Finanzexperte Otto Bernhardt noch in dieser Woche an die von ihm geleitete Arbeitsgruppe der Unions-Fraktion versenden will. Ende September sollen dann erste Verhandlungen mit der SPD über ein gemeinsames Reformkonzept stattfinden. Die Sozialdemokraten hatten bereits vor Wochen ein eigenes Konzept vorgelegt.
Wiedeking als Auslöser
Bernhardt sagte der Süddeutschen Zeitung, manche Führungskräfte seien zu sehr auf die Börse fixiert, weil der eigene Verdienst stark vom Aktienkurs abhänge. Wenn etwa ein Manager den Börsenkurs und damit sein Gehalt in die Höhe treiben könne, indem er den Abbau Tausender Stellen ankündigt, laufe etwas falsch.
Ausgelöst worden war die Gehaltsdiskussion im vergangenen Herbst unter anderem durch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er soll im zurückliegenden Geschäftsjahr rund 60 Millionen Euro verdient haben - mehr als das Tausendfache des Durchschnittslohns in der Automobilindustrie.
Für das laufende Jahr kann der Manager angeblich sogar mit bis zu 100 Millionen Euro rechnen. Zudem hatte es mehrere Fälle gegeben, in denen Führungskräfte trotz nachweisbarer Fehlentscheidungen hohe Millionenabfindungen erhalten hatten.
Schuld an der Fehlentwicklung ist aus Sicht Bernhardts die zunehmende Bezahlung von Managern mit Aktienoptionen. Diese Optionen werden umso mehr wert, je stärker der Aktienkurs steigt. In manchen Fällen macht dieser sogenannte "variable Teil" weit mehr als 90 Prozent der Gesamtvergütung von Top-Managern aus.
Manager sind zu stark auf die Börse fixiert, sagen Politiker Foto: AP
Bernhardt sagte, er könne sich vorstellen, die Bezahlung mit Optionen gänzlich zu verbieten. Zumindest aber müsse sie eingeschränkt werden. Nach seinen Vorstellungen sollen die Führungskräfte die Wertpapiere künftig statt nach zwei erst nach vier Jahren in Aktien umtauschen dürfen. Zudem sei eine Quote denkbar, die den Anteil der variablen Vergütung auf einen bestimmten Prozentsatz des Gesamtgehalts beschränkt.
Wider die Kungelrunden
Auch eine Grenze für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Gehältern und Abfindungen schließt die Union nicht kategorisch aus.
"Wir sind skeptisch, weil das bedeuten würde, dass wir zwischen guten und schlechten Betriebsausgaben des Unternehmens unterscheiden würden", sagte Bernhardt. "Die Behauptung allerdings, eine Begrenzung sei rechtlich gar nicht möglich, ist falsch."
Weitgehend einig sind sich Union und SPD bereits in der Frage, wie mehr Transparenz bei der Festlegung der Managerbezüge geschaffen werden kann. Künftig sollen die entsprechenden Entscheidungen nicht mehr in kleinen Kungelrunden, sondern nur noch im Plenum des Aufsichtsrats gefällt werden können.
Ob darüber hinaus auch die gesetzlichen Kriterien für die Vorstandsvergütung erweitert werden, ist noch unklar. Nach den Vorstellungen der SPD soll sich die Lohnhöhe künftig nicht nur an den Aufgaben des Vorstandsmitglieds und der wirtschaftlichen Lage des Betriebs, sondern darüber hinaus an den Leistungen des Managers, an der branchenüblichen Vergütung und am "Nachhaltigkeitsgrad" der Firmenpolitik orientieren.
Bernhardt bekräftigte seine Haltung, dass innerhalb der Koalition nicht nur über die Bezüge von Managern, sondern auch über die Gehälter von GmbH-Geschäftsführern, Spitzensportlern und öffentlich-rechtlichen Fernsehstars diskutiert werden müsse.
Eine Deckelung der Gehälter von Managern und Prominenten lehnen Union und SPD dagegen kategorisch ab, weil dies die grundgesetzlich garantierte Vertragsfreiheit einschränken würde. Dagegen verlangte die Linkspartei erneut eine Begrenzung der Bezüge auf das Zwanzigfache des Durchschnittverdiensts.
(SZ vom 30.7.2008/hgn)






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