Kurz vor der Wahl und mitten in der Krise gibt es zwei Gruppen von Politikern: Die einen wollen Firmen retten, die anderen lassen es lieber bleiben.
Was wird aus Quelle? Schon am Montag könnte sich das Schicksal des Versandhauses endgültig entscheiden. Foto: AP
Am einfachsten wäre, man könnte Retter und Nicht-Retter anhand ihrer Parteizugehörigkeit unterscheiden. Doch das funktioniert nicht. Retter und Nicht-Retter finden sich in allen Lagern, wobei der Nicht-Retter unter ganz Linken eine seltene Spezies ist.
Noch nicht mal eine Einordnung nach Namenslisten wäre erhellend. Denn tatsächlich sind die Retter manchmal auch Nicht-Retter. Das hängt von der geographischen Lage des Unternehmens ab, von der Zahl seiner Beschäftigten und von der Frage, ob sie im Besitz von Millionärinnen sind. Wirtschaftsminister zu Guttenberg (CSU) tummelt sich im Fall Quelle sogar in beiden Lagern. Dass er dem bayerischen Katalog-Anbieter nun doch helfen will, geschieht auf Weisung seines Parteichefs und obersten Quelle-Retters Horst Seehofer.
In der Tat hat es die Regierung im Fall des angeschlagenen Versandhauses nicht leicht. Durch die politisch gewollte Insolvenz des Mutterkonzerns Arcandor steht Quelle ohne Finanzen da. Die Firma unter diesen Umständen bis zu ihrer Sanierung zu erhalten, fällt auch dem besten Insolvenzverwalter schwer.
Dass Quelle-Gelder noch am Tag vor der Arcandor-Pleite abgebucht wurden, ist zunächst einmal nicht anstößig. Solche Geschäftsmodelle sind innerhalb von Konzernen durchaus üblich. Komisch ist nur, dass sich Karstadt diesem Verfahren nicht unterwerfen musste. Mit der von Arcandor-Chef Karl-Gehard Eick angekündigten geplanten Insolvenz hat das nichts zu tun.
Bei Quelle regiert das Chaos und das macht es schwer, sich als Retter oder Nicht-Retter zu verorten.
(SZ vom 29.06.2009/mel)








Wirtschaft ist witzig