Von Sibylle Haas und Kathrin Werner

Von wegen flexibler Arbeitseinsatz bei Auftragsspitzen: Zeitarbeiter werden in erster Linie aus einem Grund beschäftigt. Sie sind billiger als festangestellte Mitarbeiter.

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Leiharbeiter werden beschäftigt, weil sich Firmen Wettbewerbsvorteile davon versprechen. Doch nicht der flexible Arbeitseinsatz bei Auftragsspitzen, sondern die niedrigen Lohnkosten führen zur Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern. Damit haben Betriebe, die Tariflöhne zahlen und in bessere Arbeitsbedingungen investieren, mittelfristig Nachteile. Dies geht aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Ergebnisse beruhen auf den Daten des "DGB-Index Gute Arbeit", der 2007 erstmals ermittelt worden ist. Er stellt nach einer Repräsentativ-Befragung die Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten dar.

Zeitarbeitnehmer verdienen deutlich weniger als Festangestellte, bestätigt die DGB-Studie. Von allen Beschäftigten, die höchstens drei Jahre im selben Betrieb arbeiten, verdienen 60 Prozent der vollzeitbeschäftigten Zeitarbeiter und 95 Prozent der Zeitarbeiterinnen 1500 Euro brutto im Monat. Dagegen trifft dies nur bei 30 Prozent der festangestellten Männer und bei 48 Prozent der Frauen zu.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, in deren Bereich die Zeitarbeit besonders ausgeprägt ist, fordert für Leiharbeiter die gleiche Bezahlung und die gleichen Arbeitsbedingungen wie für das Stammpersonal. "Schließlich leisten sie die gleiche Arbeit", erklärt Verdi-Bundesvorstandsmitglied Petra Gerstenkorn. Ansonsten erodierten die Standards bei den Arbeitsbedingungen in Deutschland, heißt es in der Untersuchung. "Wir können uns darüber hinaus auch vorstellen, dass betrieblich eine Höchstquote für die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern vereinbart wird", sagte Gerstenkorn, die für das Zeitarbeits-Thema bei Verdi zuständig ist.

Jeder Dritte bleibt in der Zeitarbeit hängen

Betriebszugehörigkeiten von vier bis zehn Jahren seien auch bei Leiharbeitern keine Seltenheit, geht aus der DGB-Studie hervor. "Rund ein Drittel der Beschäftigten mit Zeitverträgen bleiben in der Unsicherheit ihrer Beschäftigungsverhältnisse kleben - auch wenn sie jahrelang für ein und dasselbe Unternehmen arbeiten", heißt es in der Studie. "Wir plädieren dafür, auf der gesetzlichen Ebene die Leiharbeit wieder einzuschränken", betont Gewerkschafterin Gerstenkorn.

Weil sich die Fälle häuften, in denen Stammpersonal durch Zeitarbeitnehmer ersetzt würde und die Unternehmer die Leiharbeit zum Tarifdumping nutzten, fordert die Tarifgemeinschaft des DGB einen Mindestlohntarifvertrag. Auch die IG Metall drängt die Bundesregierung dazu, den Trend zur Leiharbeit zu stoppen. "Wir dürfen nicht mehr hinnehmen, dass Stammarbeitsplätze durch Zeitarbeit ersetzt werden", sagte IG-Metall-Vizechef Detlef Wetzel. Ziel müsse es sein, Beschäftigten einen dauerhaften und qualifizierten Arbeitsplatz zu geben.

Auffällig ist, dass die unter 30-Jährigen besonders häufig von Zeitarbeit, aber auch von befristeten Arbeitsverträgen betroffen sind. Dies sind Ergebnisse der DGB-Jugend-Studie zur Arbeitsqualität von Beschäftigten unter 30 Jahren, die am Mittwoch in Berlin präsentiert wurde. "Ausgerechnet die jüngere Generation zählt zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt", sagte zu diesem Anlass die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock.

15 Prozent der Befragten hatten schon einmal oder mehrfach einen Zeitarbeitsvertrag, bei den über 30-Jährigen liegt der Anteil bei acht Prozent. Über die Hälfte der jungen Arbeitnehmer haben bereits befristet gearbeitet, während es bei den älteren nur ein Drittel ist. "Gerade Jüngere brauchen eine Arbeit, die Planbarkeit gewährleistet", fordert Sehrbrock. Sonst sei es unmöglich, Beruf und Familie zu vereinbaren. "Viele junge Menschen sind flexibel und auch hochmotiviert", so die DGB-Vize. Unter 30-Jährige seien deutlich besser ausgebildet und dennoch überdurchschnittlich oft von unsicheren Beschäftigungsverhältnissen betroffen. 38 Prozent der jüngeren Beschäftigten erhalten trotz Vollzeitarbeit weniger als 1500 Euro brutto.

Nur elf Prozent der jungen Arbeitnehmer beurteilen ihren Arbeitsplatz positiv, 59 Prozent finden ihn mittelmäßig und 30 Prozent sogar schlecht. Mehr als die Hälfte der Befragten empfinden ihre Arbeit als belastend, sie fühlen sich ständig leer und ausgebrannt. Ein Drittel kann sich nicht vorstellen, im momentanen Beruf gesund bis ins Rentenalter zu kommen. Positiv bewertet der DGB, dass sich nahezu 80 Prozent der jungen Befragten vorstellen, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. "Das ist ermutigend für uns", sagte Sehrbrock. "Daraus können wir etwas machen."

Trotzdem würde nach der Studie nur ein Drittel der Befragten den Arbeitgeber sofort wechseln. Die Gewerkschaftsvertreterin macht dafür die Sorge vor Arbeitslosigkeit verantwortlich. "Junge Leute lassen sich zu viel gefallen", sagte Sehrbrock. "Wenn es keine Alternative gibt, arrangiert man sich eben mit den Bedingungen."

(SZ vom 29.11.2007/mah)

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Leserkommentare (38)



01.12.2007 23:48:07

oneworld: Auswandern der Produktionen, wenn die Löhne steigen?

Sollen sie doch - vielleicht wäre das einfach nur gesund, statt weiter die Leute hier am Fließband zu verheizen.

Nach einer Katerstimmung würde vielleicht dann ein Gegentrend einsetzen:

Die Leute fangen wieder an, das anzubieten, was sie gerne tun? Oder ihre Landwirtschaft zu beleben, oder sich in ihrer Gemeinde einbringen, oder selbst etwas herzustellen oder Dienstleistungen anbieten, statt sich in einer Fabrik unterbezahlt die Gesundheit zu ruinieren.

Menschen haben es immer wieder verstanden, aus Nöten Tugenden werden zu lassen.

Und die Billigheimer sollen sich irgendwohin verdrücken.... und dort ihr Geld verdienen...


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