Ein Interview mit Verbandssprecher Stefan Michalk von Paul Trummer

Der Gratis-Download von Musik gilt für die Musikindustrie nach wie vor als Grund für stetig fallende CD-Verkäufe. Nun kündigt sie eine "Aktion scharf" an.

Stefan Michalk ist seit kurzem der stellvertretende Geschäftsführer der IFPI Deutschland. (Foto: )

Zum Jahreswechsel hat der Bundsverband der Phonographischen Wirtschaft IFPI angekündigt, 2007 monatlich 1000 Strafanzeigen gegen Nutzer illegaler Tauschbörsen zu stellen. Allerdings bemüht sich der Verband, bei dieser härteren Gangart gegen Raubkopierer differenziert vorzugehen. Nach den vielen negativen Meldungen über eine drohende Klageflut gegen Downloader soll die Stimmung nicht noch weiter angeheizt werden.

Insfofern legt der stellvertretende IFPI-Geschäftsführer Stefan Michalk Wert auf genaue Begrifflichkeiten. Es handele sich um "Strafanzeigen", nicht um "Klagen", da bestünde ein juristischer Unterschied, so Michalk.

Und vorgegangen werde nicht gegen Downloader, sondern nur jene, die Songs zum Download anbieten würden - Uploader sozusagen. Dass viele Downloader oftmals aber gar nicht wüssten, wie sie die Upload-Funktion ihres Programmes deaktivieren, räumt er ein.

sueddeutsche.de: Herr Michalk, die IFPI hat zum Jahreswechsel eine "Aktion scharf" gegen den illegalen Bezug von Musik angekündigt – was erwartet man sich davon?

Michalk: Wir wollen klarmachen, dass der Diebstahl geistigen Eigentums kein Kavaliersdelikt ist. Illegale Angebote stellen zunehmend eine existenzielle Bedrohung für alle Kreativindustrien dar. Dagegen wehren wir uns. Die Zahl der Strafanträge gegen Uploader in Tauschbörsen haben wir seit März 2004 stetig erhöht und werden das auch weiter tun.

sueddeutsche.de: Stehen alle Mitglieder des Bundesverbandes hinter dieser Maßnahme oder war sie eher umstritten?

Michalk: Unsere Mitglieder haben leider die Erfahrung gemacht, dass gut gemeinte Appelle wenig nutzen. Sicherlich gibt es hier und da die Befürchtung, Kunden zu verärgern. Deshalb muss gewährleistet sein, dass man wirklich nur die schwarzen Schafe erwischt.

sueddeutsche.de: Mit welchen Strafen müssen die Betroffenen rechnen?

Michalk: Das hängt stark vom Umfang des illegalen Angebotes ab und kann von ein paar hundert bis zu mehreren zehntausend Euro reichen.

sueddeutsche.de: Die Zahl von 1000 Anzeigen erscheint zunächst etwas willkürlich. Geht es da vor allem um die Schaffung eines Bewusstseins oder gibt es ein trennscharfes Kriterium, ab welchem die IFPI Anzeige erstattet?

Michalk: Uns geht es darum, das Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums zu schärfen, egal ob es um Musik, Spielfilme, Hörbücher, Spiele, Software, Fotografie oder andere Kreativleistungen geht. Die Musikindustrie hat hier eine unangenehme Vorreiterrolle, da sich Musik vergleichsweise leicht kopieren und tauschen lässt.

sueddeutsche.de: Die IFPI hat auch im vergangenen Jahr zahlreiche Klagen gegen Privatpersonen eingebracht – kann man bereits Auswirkungen dieser Vorgehensweise feststellen?

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