Von Thorsten Riedl

In der Web 2.0-Ära sollen alle mit Click & Buy zahlen, hofft Firmengründer Norbert Stangl - doch nur mit fremder Hilfe wird das wahr.

Norbert Stangl - obwohl erst 41 Jahre alt - kommt aus einer anderen Epoche der Informationstechnologie (IT). Schon 1999 hat er sein Unternehmen Firstgate Click & Buy gegründet, in einer Zeit, als sich alle in der Branche ohne Pause selbst feierten. Damals liefen bei ihm die Geschäfte schlecht. Erst als die Blase an den Börsen um Technikaktien platzte und der gesamte Sektor in Trübsal verfiel, kam für Stangl der Aufschwung.

Traumpartner Amazon.com

Und nun, wo alle wieder schwärmen, vom Zeitalter des Web 2.0, der Neuerfindung des Internets, hofft Stangl darauf, den neuen Goldgräbern das Werkzeug zu liefern - weltweit: Click & Buy bietet ein Zahlsystem fürs Netz. "Ich glaube nach wie vor an meine Ursprungsidee von 1999, dass sich das Internet zu einem riesigen Marktplatz entwickeln wird", sagt er. "Nur die Inhalte sehen anders aus, als ich mir es damals vorgestellt habe."

Aufschwung, Krise und nun wieder Überschwang - das Auf und Ab in der IT-Branche hat Stangl einiges abverlangt. Besonders der Start von Click & Buy war nervenzehrend. "Ich war oft davor, das Ganze hinzuschmeißen."

Dabei war er selbst davon überzeugt, dass nicht alle Angebote im Internet auf Dauer gratis bleiben werden. "Irgendwann ist das Freibier zu Ende, lautete meine Theorie", sagt Stangl - und lacht. Der Rheinland-Pfälzer ("Ein ,ch' gibt es bei uns nicht") lacht viel. Sein Humor hat ihm geholfen, die Krise zum Start zu meistern. Denn damals glaubten die wenigsten an sein Geschäftsmodell.

Der schwierige Anfang traf einen vom Erfolg verwöhnten Jungmanager, der sich früh für Technik interessierte. Nach Abitur, Lehre zum Industriekaufmann in der Kosmetikbranche und berufsbegleitendem Studium der Betriebswirtschaft in Ludwigshafen machte Stangl sein Hobby zum Beruf. Manfred Schmitt, Chef des Computerbauers Escom, stellte ihn 1991 als Assistenten ein. 1994 übernahm Stangl die Leitung eines Geschäftsbereichs beim Internetdienstleister 1 & 1. "Nach weiteren drei Jahren dachte ich: Das kann ich auch selber."

Mit 32 Jahren gründete er 1997 daher sein erstes Unternehmen namens Strato, das Web-Seiten für Privat- und Firmenkunden betrieb. "Ist Ihr Name im Internet noch frei?", lautete der Slogan der ersten Werbebroschüre. Zu Beginn antworteten 2000 Kunden im Monat mit "Ja" und schlossen einen Vertrag bei Strato ab, wenig später waren es 6000 monatlich. Im zweiten Jahr nach Firmenstart bot Rivale Teles einen kleinen, zweistelligen Millionenbetrag für Strato. Stangl und sein Partner stimmten zu. "Es war dumm, die Firma zu verkaufen", sagt er heute. Vor zwei Jahren hat Freenet den Bereich von Teles gekauft: für 160 Millionen Euro.

Das Positive für den Firmenchef mit der dicken, schwarz-umrandeten Brille: Mit dem Geld von Teles gründete er Click & Buy. Aber der Effekt, wie bei Strato, wo ihm die Kunden gleich zu Beginn die Türen einrannten, blieb aus. "Wir haben das System angeschaltet - und es ist nichts passiert." Doch mit Beharrlichkeit überzeugte Stangl von seiner Idee. "Wir sind beispielsweise sieben Mal zum Spiegel nach Hamburg geflogen. Bis sie gesagt haben, sie würden das System probieren, wenn wir nicht wiederkommen", sagt der Firmenchef - und zeigt wieder sein Lachen.

Inzwischen haben sich weltweit fast neun Millionen Surfer angemeldet und können bei 7000 Internetläden mit Click & Buy zahlen. Der Umsatz lag 2006 im dreistelligen Millionenbereich bei einem Verlust. Stangl hofft auf Profit durch Web 2.0: Viele Angebote werden zwar über Werbung finanziert, sobald eines kostenpflichtig ist, will er aber mitmischen. So können bald Nutzer von Second Life, der derzeit angesagtesten Web 2.0-Plattform, über sein System bezahlen.

"Ja, ich wäre gerne von Ebay gekauft worden"

Für die Expansion hat sich Stangl finanzkräftige Partner an Bord geholt. Neben den Wagniskapitalgesellschaften der Deutschen Telekom, Intel sowie 3i sind zwei Familien aus der Schweiz beteiligt. Daher gibt es nun die Deutschlandzentrale in Köln und eine Filiale für das weltweite Geschäft in Zug, nahe Zürich. Die Mehrheit an seinem Unternehmen hat er abgegeben. Er besitze aber immer noch genug Anteile, "um die nächsten zehn Jahre weiterzumachen".

Trotz so viel Unternehmergeist legt Stangl wenig Wert auf die Eigenständigkeit von Click & Buy. "Ja, ich wäre gerne von Ebay gekauft worden", sagt er. Dagegen hat das Online-Auktionshaus im Sommer 2002 Paypal übernommen. Das große Ziel von Stangl lautet, in der gleichen Liga wie der Rivale zu spielen. In Deutschland sind beide gleichauf - weltweit jedoch hat Paypal mehr als 130 Millionen Kunden.

Bei Google ist Stangl deshalb schon vorstellig geworden, doch die Suchmaschinenbetreiber haben abgewunken und ein eigenes Zahlsystem gestartet. "Ich komme nur noch an Paypal, wenn sich Amazon uns anschließt und mit einem Schlag 60 Millionen Kunden auf unsere Plattform bringt", sagt Stangl. Gespräche mit dem Internetkaufhaus gibt es, aber erst im Anfangsstadium. Wenn das nicht klappt, zeigt er sich auch offen für die Börse. Sagt aber zugleich: "Solange wir Geld für unsere Expansion anderswo bekommen, warum sollten wir einen Börsengang machen?"

(SZ vom 12.3.2007)