Ein Sakko im Leoparden-Look, neonfarbene Sneakers, eine Bluse, die aussieht wie aus Omas Gruft entliehen: Wer in London extravagant gekleidete Menschen sehen will, muss nur in die U-Bahn steigen. Oder durch die Märkte im Osten der Stadt streifen. Oder bei den Pearly Kings and Queens nachfragen. Ein Stilblog von der Themse.
Renée Lacroix und Zahra Ash-Harper vom Londonder Label Antithesis
(Foto: Antithesis)
Steigende Strompreise, ein explodierender Immobilienmarkt, stagnierende Löhne und täglich Schlagzeilen über die jüngsten Einsparpläne der Politik: Wer mitten in das aktuelle Londoner Austerity-Klima hinein ein neues Modelabel gründen will, muss verrückt sein. Oder versuchen, von genau diesem Zeitgeist zu profitieren.
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Das Metallgerüst des Stockbetts quietscht bei der kleinsten Bewegung. Ein Mann schnarcht, eine Frau wimmert im Dunkeln. In der Nachbarzelle steht jemand an den Gitterstäben und ruft nach dem Wärter: "Ich muss mal!". An Schlaf ist nicht zu denken. Wie konnte ich nur in diesem "Hotel" landen?
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Marie Antoinette aus Zuckerguss Marie Antoinette, Victoria and Albert Museum, London
(Foto: sde / Lena Jakat)
"Press 1 for bitter, press 2 for sweet". Die Stimme am Telefon klingt nach der üblichen Warteschleife, doch sie führt durch ein kulinarisches Menü. Wer auf seinem Handy eine bestimmte Nummer wählt, hält in der anderen Hand in der Regel eine Art Schokogebäck am Stiel - den Sonic Cake Pop. An dem geschmacklich recht unspektakulären Gebäck hängt ein Zettel mit einer Anleitung: "Wähle die Nummer und schmecke die Veränderung."
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Joe Turvey hat seine Entwürfe schon in Shanghai und auf Londons erster Herrenmodewoche vorgeführt, beliefert Händler in Asien und zuhause in Großbritannien.
Wer sich mit dem Designer Joe Turvey verabredet, muss mit einem Mann rechnen, zu dem man aufsieht. "Sie können mich nicht verfehlen", sagt vor dem Interviewtermin in Londons Südwesten eine sanfte Stimme am Telefon, "ich bin sehr groß". Er hat recht. Der Hüne, zwei Meter plus x, ragt unübersehbar aus der Menschenmenge heraus. Er trägt einen rotblonden Kinnbart zum Dufflecoat und weder Gel-Tolle noch Fünfziger-Jahre-Sonnenbrille - im Vergleich zu der sonst üblichen Hipness dieser Stadt ziemlich wohltuend.
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Es beginnt mit einer Leuchtspur, die in den Augenwinkeln hängen bleibt, einer grellgrünen Ahnung. Beim zweiten Mal bleibt der Blick hängen, verfolgt die junge Frau mit der neonfarbenen Handtasche. Nach der dritten Begegnung ist klar: So eine Tasche muss her. Ihre Form ist sehr einfach, wie ein klassischer Tornister (englisch: satchel), ihre Farbe (gelb, grün, orange oder pink) schreit nach Aufmerksamkeit.
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Revolutionär fühlt sich die King's Road in Chelsea heute beileibe nicht mehr an. Dabei wurden hier die ersten Schlaghosen der Welt verkauft, der Minirock erfunden und John Lennon zu "A Day in the Life" inspiriert. Ein Bilder-Spaziergang auf den Spuren von Londons Swinging Sixties.
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Die Bedrohung ist vielleicht 20 mal zwölf Zentimeter groß, ein unauffälliger Schriftzug auf verspiegelter Glastür. Abercrombie & Fitch, New York. Es ist der Seiteneingang zum Londoner Flagshipstore des US-Labels, das jungen Erwachsenen weltweit für ein paar ansehnliche Scheinchen Sexyness, Erfolg und Dazugehörigkeit verspricht.
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Für zwei Monate hat Süddeutsche.de -Autorin Lena Jakat ihren Schreibtisch in München mit einem in London getauscht. Der steht in der Redaktion des Guardian , ist allerdings auch bisweilen verwaist. Denn vor dem Fenster lockt die Metropole, mit verrückter Mode, schrillen Persönlichkeiten und allerlei spannenden Ecken. Ihre Eindrücke veröffentlicht sie in diesem Blog.
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