Buße zeigt die Grenzen staatlicher Gewalt und derer, die sie ausüben. Christian Wulff bittet aber nicht um Entschuldigung - er entschuldigt sich selber. Der Bundespräsident könnte, in einem zweiten Anlauf, endlich die ganze Wahrheit sagen. Es würde ihm ein bisschen helfen, aber Ruhe brächte ihm letztlich nur: der Rücktritt.
Von
Matthias Drobinski
Richard, der Überragende, Heinrich, der Vielbelachte und Horst, der sich einfach von dannen machte: Das höchste politische Amt in Deutschland hatten die unterschiedlichsten Charakteren inne. Nicht immer haben sie es würdevoll ausgeübt. Eine kleine Geschichte der Bundespräsidenten
in
Bildern.
Das Presseecho auf die Wutanrufe von Christian Wulff ist verheerend. Doch die Medienwelt ist nicht identisch mit der Realität, meint Politikwissenschafter Langguth. Politologe Oberreuter glaubt, dass der Bundespräsident sich noch einmal erklären muss - und zwar schnell.
Von
Kathrin Haimerl und Oliver Das Gupta
Rechtsanwalt Gernot Lehr gehört zu den Seriösen seines Fachs, hat bereits den früheren Bundespräsidenten Rau in einer Affäre vertreten und erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht gestritten. Der Bonner gilt als präziser Arbeiter - die Ungenauigkeit seines Mandanten Wulff bei öffentlichen Äußerungen muss ihn deshalb unbehaglich stimmen.
Von
Hans Leyendecker
Wächter der Demokratie: Bundespräsident Wulff unterstrich zuletzt häufig die große Bedeutung der Pressefreiheit. Doch wenn er vor seiner Kreditaffäre über die Medien sprach, hatte er außer Plattitüden wenig zu sagen - im Gegensatz zu seinen Vorgängern.
Von
Hans Leyendecker
Politiker bemühen nur selten Cäsars Traktat "De Bello Gallico", über den gallischen Krieg, wenn sie Journalisten auf die Mailbox sprechen. Christian Wulffs "überschrittener Rubikon" ist eine Ausnahme. Doch das Machtgefüge zwischen Politik und Presse war schon immer angespannt. Ein Blick in die Geschichte einer zwiespältigen Beziehung.
Von
Hans Leyendecker
Von der Charity-Lady bis zum "bescheidenen Nebenbei", von der Kolumnistin bis zum "echten Risiko" - die deutschen Präsidentengattinnen aus Vergangenheit und Gegenwart füllten ihre Rolle höchst unterschiedlich aus. Persönlichkeitsstudien über zehn Amtszeiten.
Von
Joachim Käppner
Bundespräsident Christian Wulff trotzt dem Druck: In einem Interview räumt er zwar Fehler ein, lehnt einen Rücktritt aber ab. Mit seinem Anruf bei Bild-Chefredakteur Diekmann habe er vor allem seine Familie schützen wollen.
Bürgermeisterin Margit Menrad stellt sich in diesem Jahr einer neuen Wahl. Im SZ-Interview spricht über künftige Herausforderungen - und schließt Windräder in der Gemeinde nicht aus.
Interview:
Isabel Meixner
Meinung
Gibt es keine wichtigeren Fragen als den Kredit eines Präsidenten und sein Verhältnis zur "Bild"-Zeitung? Doch, gibt es. Dass Christian Wulffs Privatleben in der Öffentlichkeit so erregt diskutiert wird, liegt daran, dass er selbst keine Kraft hat, um das zu tun, was ein gutes Staatsoberhaupt tun muss: Themen setzen und mit Reden die Republik bewegen. Trotzdem will er, dass die Bilanz erst nach fünf Jahren gezogen wird.
Ein Kommentar von
Nico Fried
Kontroverse vor der Wahl: Im TV-Duell in NRW bringt sich SPD-Herausforderin Kraft in die Bredouille. Rüttgers setzt nach - klare Treffer landet er nicht.
Von
Michael König
Am 27. Januar ist Alt-Bundespräsident Johannes Rau im Alter von 75 Jahren verstorben. Zahlreiche Deutsche trauterten um einen über die Parteigrenzen hinweg angesehenen Politiker.
Johannes Rau brachte es weit im Leben: Vom Buchhändler zum Bundespräsidenten. Er war zeitlebens eine angesehene Persönlichkeit, nicht nur, aber auch wegen seines kirchlichen Engagements.
Er war Wirtschaftsminister in Düsseldorf, dann Bundesminister im Kabinett Schröder und derzeit ist er Geschäftsführer des Medienkonzerns WAZ. In Politik und Wirtschaft hat Bodo Hombach keinen Nachholbedarf an Ämtern mehr, an wissenschaftlicher Anerkennung mangelt es ihm aber noch. Nun wird er Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.
Von
Hans Leyendecker
Meinung
Der Fall des Bundespräsidenten Christian Wulff, ein Freund vieler Unternehmer, lenkt den Blick auf das Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft. Das war selten so schlecht wie derzeit.
Ein Kommentar von
Hans-Jürgen Jakobs
Wie sein Büro mitteilte, ist der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau am Freitagmorgen im Kreis seiner Familie gestorben. Rau war seit längerem schwer krank. Er starb im Alter von 75 Jahren.
Der deutsche Präsident und die Kanzlerin haben sich heute Morgen in Berlin in das Kondolenzbuch für den Altbundespräsidenten eingetragen. Auch viele Bürger kamen zum Schloss Bellevue, um Abschied zu nehmen.
Bundespräsident Johannes Rau scheidet nach fünf Jahren an der Spitze des Staates aus dem Amt. Um 22 Uhr findet am Dienstag zu seinen Ehren im Park des Berliner Schlosses Bellevue ein Großer Zapfenstreich statt.
Besonnen und bibelfest wollte er die Politik menschlicher machen - in all seinen Ämtern hat der SPD-Politiker das Land und seine Partei geprägt.
Von
Heribert Prantl
Mit großer Trauer ist die Nachricht vom Tod des Altbundespräsidenten aufgenommen worden. Politiker und Kirchenvertreter würdigten Rau als großen Staatsmann, Christen und Versöhner.
Der Bundespräsident hat sich entschieden, keine zweite Amtszeit anzustreben. In der Bundesversammlung, die den neuen Präsidenten wählen wird, haben Union und FDP derzeit die Mehrheit. Die Union will bis Ende des Jahres eine Entscheidung über ihren Kandidaten treffen.
Man hatte ihm vorgehalten, er sei zu alt, sei Pils-Trinker und Anekdotenerzähler. Doch als Bundespräsident überzeugte Rau selbst seine schärfsten Kritiker mit einer ausgewogenen Amtsführung. Seinem Motto versuchte er stets treu zu bleiben.
Mit Eintragungen in Kondolenzbücher haben Politiker viele tausend Menschen am Wochenende ihre Trauer um den verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau zum Ausdruck gebracht.
Von
Hans-Jörg Heims