Der Libanon droht in einem neuen Bürgerkrieg zu versinken. Die schiitische Hisbollah hat die Kontrolle über den muslimischen Teil Beiruts an sich gerissen. Antisyrische Zeitungen und Fernsehsender mussten ihre Arbeit einstellen.
In seiner ersten Ansprache seit Beginn der Kämpfe im Libanon hat Regierungschef Fuad Siniora die Entschlossenheit des Staates gegenüber der Hisbollah beschworen. Die libanesische Armee ging jedoch ein Stück auf die Miliz zu.
Die libanesische Führung hat das Angebot Israels zu direkten Friedensverhandlungen zurückgewiesen. Der vereinbarte Waffenstillstand Israels mit der Hamas dagegen hält - vorerst.
Nach Wochen relativer Ruhe sind im Nordlibanon wieder Kämpfe zwischen rivalisierenden Volksgruppen ausgebrochen: Mindestens eine Person wurde getötet, rund 24 wurden verletzt.
Ein US-Regierungsvertreter hat den Angriff auf ein syrisches Dorf bestätigt, bei dem acht Menschen getötet wurden. Syrien bestellte die diplomatische Vertretung der USA ein.
Der Außenminister der neuen nationalkonservativen Regierung Israels, Lieberman, ist auf Europa-Reise - und nennt Iran das Hauptproblem in Nahost.
Von
Christiane Schlötzer
"Glückwunsch der Demokratie": Bei der Parlamentswahl im Libanon hat sich offenbar eine pro-westliche Koalition durchgesetzt. Die Hisbollah räumte angeblich ihre Niederlage ein.
Im Libanon bestimmt nun Hisbollah-Chef Nasrallah den Gang der Dinge. Mit dem Quasi-Staatsstreich gegen den Kabinettsbeschluss hat die Schiitenmiliz die Macht der Regierung weiter eingeschränkt.
Ein Kommentar von
Tomas Avenarius
Der Libanon erleidet derzeit die schwerste Krise seit 1990: Die Hisbollah führt Krieg gegen die pro-westliche Regierung, mehrere Menschen kamen bei den Unruhen ums Leben.
Die Lage im Libanon spitzt sich zu: Bei schweren Kämpfen wurden mindestens drei Menschen getötet, zehn weitere verletzt. Der UN-Sicherheitsrat rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf.
Nach einer 18-monatigen Staatskrise kann der Libanon auf Frieden hoffen: Die Opposition erhält mehr Minister und ein Veto-Recht. Durch diesen Kompromiss soll am Sonntag endlich ein neuer Präsident gewählt werden können.
General Michel Suleiman wurde zum neuen Präsidenten des Libanon gewählt. Damit ist eine 18-monatige Staatskrise beendet. Vorherige Wahlversuche scheiterten immer wieder am Widerstand der Hisbollah.
Im Libanon ist der Konflikt zwischen der radikal-schiitischen Hisbollah und dem Regierungslager des vom Westen unterstützten Ministerpräsidenten Fuad Siniora eskaliert.
Der Libanon kommt nicht zur Ruhe. Seit dem tödlichen Anschlag auf Ex-Ministerpräsident Rafik al-Hariri vor bald drei Jahren bricht immer wieder Gewalt zwischen der von der radikal-islamischen Hisbollah angeführten pro-syrischen Opposition und der vom Westen unterstützten anti-syrischen Regierung aus. Im Folgenden eine Chronik der wichtigsten Ereignisse:
Die Konfliktparteien im Libanon haben sich unter dem Druck arabischer Vermittler auf Maßnahmen zu einer Entschärfung der Lage verständigt. Die Hisbollah ist nun offenbar bereit, verbarrikadierte Straßen zu räumen.
Bei der Beisetzung eines Regierungsanhängers in Beirut sind mindestens zwei Menschen erschossen worden. Ansonsten soll in der libanesischen Hauptstadt gespannte Ruhe herrschen.
Der Libanon kann auf Frieden hoffen: Die Konfliktparteien haben sich nach 18 Monaten der Krise auf eine Koalitionsregierung der "Nationalen Einheit" verständigt.
Von
Tomas Avenarius, Kairo
"Glückwunsch der Demokratie": Bei der Parlamentswahl im Libanon hat sich offenbar eine pro-westliche Koalition durchgesetzt. Die Hisbollah räumte angeblich ihre Niederlage ein.
Die deutsche Regierung stellt sich auch jetzt eindeutig hinter Israel, wie schon 2006, während des Libanon-Krieges. Damals regte sich allerdings auch Kritik im Bundeskabinett.
Von
Nico Fried, Berlin
In den Nahost-Konflikt kommt Bewegung: Im Gazastreifen schweigen seit dem Morgen die Waffen - und die Beziehungen zwischen Israel und Syrien verbessern sich.
Mit Marschmusik und Ehrengarde wurde der verurteilte Mörder Samid Kuntar im Libanon empfangen. Zur Feier seiner Rückkehr zeigte sich auch Hisbollah-Chef Nasrallah, der äußerst selten öffentlich auftritt. Israels Regierung reagierte mit scharfer Kritik - dort herrscht Trauer um die toten Soldaten, die heute beigesetzt werden.
Ziel der israelischen Bodenoffensive ist eine acht Kilometer breite Sicherheitszone - doch die Kämpfe mit der Hisbollah werden von Meter zu Meter heftiger.