Nach Fukushima kam der Kurswechsel: Vor einem halben Jahr trat das novellierte Gesetz zum Atomausstieg in Kraft, den die Regierung nach der Atomkatastrophe in Japan beschloss. Doch was ist bisher passiert? Gibt es genug Strom oder importiert Deutschland? Drohen Blackouts? Was kostet die Energiewende? Steigen die Preise? Fragen und Antworten.
Von
Hannah Beitzer
Zehn Meter hoch, 85 Zentimeter dick und aus Stahlbeton: Die Behörden drängen die Stromkonzerne zum Bau neuer Mauern, um die Atommüll-Zwischenlager vor Terroranschlägen zu schützen. Nicht nur in Gundremmingen fragt man sich: Warum muss etwas, das bereits als sicher gilt, noch sicherer werden? Der Betreiber RWE bleibt vage: Es bestehe jetzt Optimierungsbedarf.
Von
Tobias Dorfer und Markus C. Schulte von Drach
Nach Störfällen im Jahr 2007 wird das Kernkraftwerk Brunsbüttel nun schon seit dreieinhalb Jahren aufwendig saniert. Doch es gibt ein Problem: Die Betriebsgenehmigung könnte inzwischen erloschen sein.
Von
Michael Bauchmüller
Das Atomkraftwerk, dass am Donnerstag nach einem Kurzschluss heruntergefahren worden war, produziert wieder Strom. Die Atomanlage Krümmel dagegen bleibt vorerst noch stillgelegt.
Das Kernkraftwerk Brunsbüttel wurde erneut unplanmäßig heruntergefahren. Nach Information der Deutschen Umwelthilfe werden dort schwere Sicherheitsmängel seit Jahren nicht behoben.
Die Atomaufsicht in Kiel hat die ehemals geheime Liste über den Atommeiler Brunsbüttel veröffentlicht. Die Liste der Defizite ist erschreckend.
Von
Christopher Schrader
Der Brand im Atomkraftwerk Krümmel war nicht der einzige Störfall: Wie jetzt bekannt wurde, kam es bereits am 1. Juli in Brunsbüttel zu zwei Zwischenfällen.
Bedienungsfehler sollen die Störfälle in den Atommeilern Krümmel und Brunsbüttel noch verschärft haben. Das lässt Experten an der Kompetenz des Personals zweifeln.
Von
Christopher Schrader
Die bislang geheim gehaltene Mängelliste des AKW Brunsbüttel ist nun öffentlich einsehbar - nach einem Jahr Gegenwehr durch Vattenfall. Die Kanzlerin kritisierte das Unternehmen öffentlich.
Katerstimmung in der Atombranche: Chef-Lobbyist Hohlefelder hat Vattenfall für den Umgang mit den Pannen in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel kritisiert. Die Informationspolitik des Energieriesen habe einen "verheerenden" Eindruck hinterlassen.
Die beiden Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel bleiben mindestens bis Ende des Jahres abgeschaltet. Bis zu 70 Prozent der Dübelverbindungen bereiten Probleme.
Nach den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel will der Umweltminister über die Restlaufzeiten von Atommeilern neu verhandeln. Ältere Anlagen sollen früher abgeschaltet werden, dafür sollen moderne Reaktoren länger laufen.
Nach den Kernkraftwerk-Pannen hat der Energiekonzern Vattenfall personelle Konsequenzen gezogen: Er entband den Chef seiner Atom-Sparte in Deutschland, Bruno Thomauske, von seiner Funktion. Konzernsprecher Johannes Altmeppen tritt zurück.
Unbesetzte Stellen, zu wenige Fachkräfte: Das Personal in der Pflegebranche wird langsam knapp. In ihrer Not lassen sich Krankenhäuser und Altenheime so einiges einfallen, um neue Mitarbeiter anzuwerben. Kostenlose Massagen sind nur ein Lockmittel.
Früher Atom-Manager, heute Gorleben-Gutachter: Die Karriere von Bruno Thomauskes als Leiter der Kernkraftsparte von Vattenfall endete mit Pannen in Atomkraftwerken. Jetzt spielt er eine nicht unwichtige Rolle bei der Sicherheitsanalyse des Salzstocks in Gorleben.
Von
Michael Bauchmüller
Eine Frachtfähre auf der Fahrt von Großbritannien nach Deutschland ist durch ein Feuer in Not geraten. Die "Hafnia Seaways" mit 27 Personen an Bord befand sich während des Unglücks nördlich der ostfriesischen Insel Spiekeroog auf der Nordsee. Verletzt wurde niemand, inzwischen konnte der Brand gelöscht werden. Er war offenbar im Saunaraum des Schiffes ausgebrochen.
Die Technik der Meiler Neckarwestheim 1, Unterweser, Philippsburg 1 und Isar 1 ist überholt und fehleranfällig - und die Reaktoren von Biblis wären bei einem Erdbeben nur schwer unter Kontrolle zu bringen.
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Martin Kotynek
Die Bundesregierung will sieben Atommeiler vorübergehend abschalten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus kündigt sogar an, Neckarwestheim 1 dauerhaft stillzulegen. Und die EU-Länder unterziehen alle Atommeiler einem Stresstest.
Die Entwicklungen und Reaktionen.
Es war die größte Aktion der Anti-Atomkraftbewegung seit Jahrzehnten: Mehr als 120.000 Kernkraftgegner haben zwischen den Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel eine Menschenkette gebildet.
Frischzellenkur für Anti-AKW-Bewegung: "Kettenreaktion" heißt die längste Demo Deutschlands zwischen den norddeutschen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel.
Von
Michael Bauchmüller
In Japan sind die Abklingbecken im Kraftwerk Fukushima-1 zur großen Gefahr geworden. Die Becken liegen nach den Explosionen unter offenem Himmel. In sechs deutschen Atommeilern sind die Pools genau an der gleichen Stelle angeordnet.
Von
Christopher Schrader
Bilder
Nase voll von der Atompolitik: 120.000 Kernkraftgegner haben zwischen den Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel eine Menschenkette gebildet und gegen Atomstrom protestiert. Die Demo in Bildern.