Schon im Sommer könnte an der Firmenspitze der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker ein Personalwechsel anstehen. Lars Schlecker kündigte an, sein Vater - Firmengründer Anton Schlecker - wolle die Geschäfte an ihn und seine Schwester übergeben. Auch mit möglichen Investoren sei man bereits im Gespräch. Orientieren will sich das Unternehmen in Zukunft an einer lukrativen Auslandstochter.
Von
Max Hägler
Das Drogerieimperium von Anton Schlecker ist nun einer der spektakulärsten Sanierungsfälle Deutschlands. Doch unter Insolvenzexperten gibt es Zweifel, ob der Konzern überhaupt sanierungsfähig ist. Ein Ulmer Jurist soll es jetzt richten.
Von
Elisabeth Dostert, Max Hägler und Stefan Weber
"Es ist nichts mehr da": Auf einer Pressekonferenz erklärt Meike Schlecker, die Tochter des Firmengründers, dass von dem Milliardenvermögen kaum mehr etwas übrig ist. Die Insolvenz der Drogeriekette hat offenbar auch den Gründer ruiniert.
Die Familie Schlecker behauptet, sie habe kein Geld mehr. Dabei wurde Anton Schlecker bislang ein Milliardenvermögen zugetraut. Der Insolvenzverwalter sagt, er habe bisher auch keine 100 Millionen im Schrank gefunden. Dafür hat er einen Plan, wie es mit der Drogeriekette weitergehen soll. Die Schleckers wollen mitmischen - auch wenn das Geld fehlt.
Von
Max Hägler, Ehingen
Es ist das Schlecker-Modell: Die Drogeriekette leiht sich ihr Geld kaum bei Banken, sondern verschuldet sich bei ihren eigenen Lieferanten. Die haben sich gegen einen drohenden Zahlungsausfall versichert - und der könnte nach der Insolvenz jetzt tatsächlich eintreten: Die Rückversicherer kalkulieren schon Millionenverluste ein.
Schlecker taumelte erst - und ist jetzt pleite: Es war der schleichende Niedergang eines Imperiums, das Firmenpatriarch Anton Schlecker mit schwäbischer Knausrigkeit und ein wenig Größenwahn aufgebaut hatte. Die Geschichte einer Kette, die als "erweiterte Metzgerei" begann und zum Großdrogisten mit Baumarkt und Autos im Angebot wurde.
Von
Max Hägler
Bilder
Ob Groß- oder Kleinstadt, die Filialen der Drogeriekette Schlecker prägen Deutschlands Straßenbild. Gründer Anton Schlecker schuf einen milliardenschweren Familienkonzern, seine Kinder müssen ihn nun vor dem endgültigen Untergang bewahren. Ein Überblick in Bildern.
Als in den 1970er Jahren die Preisbindung für Drogerieartikel fiel, witterte Anton Schlecker seine Chance. Heute ist er Milliardär und das Unternehmen hat Tausende Filialen. Doch der Firmengründer musste auch Schickssalsschläge verkraften. Ein Rückblick.
Die einst dominierende deutsche Drogeriekette schließt Laden für Laden. Die Ergebnisse und Umsätze sinken, eine angeschobene Modernisierung muss bald greifen. In den kommenden Wochen werden angeblich weitere 600 Filialen des Unternehmens dichtmachen.
Von
Max Hägler und Christoph Giesen
Deutschlands einst größte Drogeriekette Schlecker steckt in den roten Zahlen und ist zahlungsunfähig - zumindest "kurzfristig". Offenbar ist ein geplanter Zwischenkredit nicht zustande gekommen. Ziel ist es nun, Teile des Filialnetzes zu erhalten und das Unternehmen zu sanieren. Konkurrent Rossmann nannte die Entwicklung absehbar.
Rossmann und dm geben nach der Insolvenz von Schlecker künftig den Ton unter den Drogeriemarktketten an. Gekämpft wird mit allen Mitteln, der Wettbewerb ist gewaltig. Viele regionale Anbieter haben ihn nicht überlebt. Nun ist Schlecker pleite - und die beiden Mitbewerber überlegen, wie sie sich im Markt neu positionieren.
Von
Stefan Weber
Meinung
"Bäcker, Metzger, Kirche, Schlecker", war lange ein Vierklang des deutschen Bürgertums. Jetzt ist die Drogeriekette pleite - das Konzept vieler kleiner Filialen ging nicht auf. Hier hat ein tatkräftiges Gründerpaar absolut und einseitig den Profit über die Moral gestellt und seinen Mitarbeitern misstraut. Das Klima: eiskalt.
Ein Kommentar von
Marc Beise
Der langjährige Verdi-Chef Bsirske stellt sich auf dem Bundeskongress in Leipzig zur Wiederwahl. Mit der SZ hat er über seine wichtigsten Themen gesprochen: die Finanzkrise, Leiharbeit und der gesetzliche Mindestlohn. Bsirske setzt darauf, dass dieser kommen wird - allerdings bei einer anderen politischen Mehrheit.
Das Image von Schlecker, Kik und anderen Billiganbietern ist mies. Doch sie können es sich nicht leisten, als schlechte Arbeitgeber am Pranger zu stehen. Jetzt starten sie Marketingoffensiven - doch noch immer kursieren Berichte über neue Schikanen gegen Mitarbeiter.
Von
Thomas Öchsner und Stefan Weber
Schlecker will sich gesundschrumpfen: Deutschlands größte Drogeriemarktkette macht bis zu 800 Filialen dicht - jeder zehnte Laden steht damit zur Disposition. Denn das Unternehmen häuft bereits im dritten Jahr in Folge Verluste an. Firmenerbe Lars Schlecker setzt auf ein massives Investitionsprogramm, um die Wende zu erzwingen.
Ein Duo, gepolt auf Erfolg: Ohne Ehefrau Christa geht im Reich von Drogerie-Unternehmer Anton Schlecker nichts. Doch nun muss das Paar den "Abschmelzprozess" der Kette verhindern.
Von
Niels-Karsten Städter
Neue Zeiten bei Schlecker: Künftig vertreten die zwei Kinder des Unternehmensgründers das Unternehmen nach außen. Ihre erste Amtshandlung sieht großzügigere Filialen vor.
Die Leiharbeit hat als Brücke in die Festanstellung kläglich versagt. Zu einem regulären Job verhilft sie kaum einem - stattdessen wird sie zur Bedrohung für die Stammbelegschaft.
Ein Kommentar von
Thomas Öchsner
Der Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma Adecco kämpft gegen das schlechte Image der Leiharbeit. Er sieht in ihr vor allem ein Karrieresprungbrett.
Von
Sibylle Haas
Die Zeit des geilen Wachstums auf der Geizwelle ist vorbei: Jahrzehntelang zeigte die Erfolgskurve der Discounter nur himmelwärts, doch inzwischen stehen Aldi, Lidl und die anderen Billigheimer gehörig unter Druck.
Von
Klaus Wieking
Lohndumping, hoher Druck und gravierende Sicherheitsmängel: Seit Jahren monieren Gewerkschafter miserable Arbeitsbedingungen bei Schlecker. Passiert ist jedoch wenig. Zu wenig?
Von
Tobias Dorfer