Weltweit erstes Parfüm mit Papiergeruch Der Duft der Bücher

Ein Berliner Parfümeur hat ein Parfüm kreiert, das vor allem Leseratten betören dürfte: "Paper Passion" duftet nach einem druckfrischen Buch. Karl Lagerfeld höchstpersönlich hat die Verpackung entworfen. Selbst Günter Grass beteiligte sich: mit einem Gedicht.

Der Geruch eines druckfrischen Buches kann wunderbar sein. Er erinnert uns an Kindheit, an Feierabend und an Uralub. Diesen Geruch in eine Parfümflasche zu bannen, mag verrückt erscheinen. Doch Geza Schön ist genau dies gelungen: Der Berliner Parfümeur kreierte das weltweit erste Parfüm mit Bücherduft. Nach einjähriger Vorbereitung wurde "Paper Passion" auf der Designmesse in Mailand präsentiert.

Die Verpackung - wie könnte es anders sein - ist ein Buch mit einem weißen Leinen-Einband. Hinter 32 bedruckten Seiten liegt in einer roten Aussparung der Flakon. Das Design entwarf Karl Lagerfeld, von dem auch das Vorwort zu dem Buch stammt. Der Chanel-Designer outet sich darin als "Paper Freak" und schwärmt von der sinnlichen Erfahrung, schönes Papier anzufassen und zu riechen. In einer Welt ohne Papier könne er nicht leben.

Auch Literaturnobelpreisträger Günter Grass war an dem Projekt beteiligt: Der Schriftsteller, der in jüngster Zeit mit seinem Israel-kritischen Gedicht "Was gesagt werden muss" für Diskussionen sorgte, steuerte für das Parfum ein kurzes Gedicht mit dem sinnigen Titel "Duftmarken" bei.

Die Idee stammt von dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl. Auch für den 61-Jährigen ist das Büchermachen ein sinnliches Erlebnis: "Der Geruch eines frischen Buchs ist betörend wie ein Rauschmittel", so Steidl. Dem Parfümeur Geza Schön, der unter anderem Madonna und Lionel Messie zu seinen Kunden zählt, schickte er Dutzende Bücher, Papiere, Tinten und Farben als Inspiration.

"Papier riecht industriell, trocken und fettig"

"17 Versuche habe ich gebraucht", erzählt Schön. Die Basis für den Duft sei recht schnell fertig gewesen: "Papier riecht industriell, trocken und fettig", erklärt der 43-Jährige. In seiner Kreuzberger Wohnung mixte er aus 13 verschiedenen Rohstoffen den neuen Duft.

Der Parfümeur selbst hätte den rohen Papiergeruch mit holzig-chemischer Note bevorzugt, doch auf Wunsch seiner Auftraggeber machte er den Duft durch Nuancen von Moschus und der Duftblüte Osmanthus tragbarer. "Es riecht trotzdem noch krass nach Buch", sagt Schön. Den reinen Papier-Duft schmetterte Steidl allerdings ab. "Ich wollte keinen experimentellen Duft, um Duftkerzen in Buchläden oder bei Lesungen anzuzünden, sondern ein modernes Parfüm, basierend auf zeitgenössischen Büchern", betont der Verleger.

Von August an soll "Paper Passion" weltweit in Buchhandlungen, Museumsshops sowie in Concept Stores und Nischenparfümerien verkauft werden.

"Es ist eine witzige Idee", kommentiert Geruchsforscher und Professor für Zellbiologie an der Uni Bochum Hanns Hatt das Projekt. "Den berühmten Neuwagen-Duft gibt es ja schon lange". Aus Studien wisse man, dass in Reisebüros mit Sonnenmilchduft mehr Reisen verkauft würden. Warum also nicht Buchläden mit "Paper Passion" beduften?