Weltkulturerbe Unser taglisch Brot

Backwaren auf der Internationalen Bäckereiausstellung in München, nach deutscher Art streng sortiert.

Deutsches Brot soll Weltkulturerbe werden - doch ist es wirklich so besonders, wie der Bäcker-Verband behauptet? SZ-Korrespondenten aus aller Welt berichten, was man andernorts unter Brot versteht und ob ihnen die deutsche Backkunst fernab der Heimat fehlt.

Mehr als 3000 Sorten gibt es nach Angaben des Bäckerhandwerks hierzulande. Deutsches Brot ist weltweit bekannt, in Spanien zum Beispiel wird explizit damit geworben, wenn Backwaren nach deutscher Rezeptur hergestellt sind. Das Deutsche Bäckerhandwerk will das Brot jetzt sogar zum Weltkulturerbe erheben und die Bundesregierung bitten, sich bei der Unesco um Aufnahme in die Liste zu bewerben. Bei uns berichten SZ-Korrespondenten aus aller Welt über ihre Brot-Erfahrungen.

Spanien: "Taglisch, frisches, Brot"

Nicht nur deutsche Autos, die mit deutschsprachigen Slogans beworben werden, sind bei den Spaniern hochgeschätzt. Auch "pan alemán" ist längst eine etablierte Marke. In der spanischsprachigen Wikipedia findet sich sogar ein eigener Artikel "Mischbrot", mit dem deutschen Namen. Die Etablierung der Marke "Deutsches Brot" ging einher mit dem vor einem Vierteljahrhundert aufkommenden neuen Ökobewusstsein gerade bei den jungen gebildeten Spaniern. Graubrot und Vollkornbrot gelten nun auch hier als gesünder als das traditionelle Weißbrot, das auch schnell austrocknet.

Heute finden sich in jeder größeren Stadt Bäckereien, die "pan alemán" im Angebot halten. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, denn das Produkt ist ja nicht genormt, der Name nicht geschützt. Oft genug sind es auch keine alten Rezepte aus den deutschen Landen, aber die Produzenten wissen, dass der Name zieht.

Also finden sich auf den Verpackungen auch deutsche Begriffe, gern neben Streifen in schwarz-rot-gold. "Hausbrot" heißt eine Sorte aus einer Supermarktkette, beim Brotschneiden zerkrümelt sie leider. Für ein anderes Produkt mit sechs Sorten Vollkorn hat wohl das Übersetzerprogramm den Begriff "Sechs Saat" kreiert. Und auf der Internetseite eines großen Herstellers werden die Brotfans in nicht minder kreativer Weiterentwicklung der deutschen Sprache mit dem schönen Ausruf begrüßt: "Taglisch, frisches, Brot!"

Da aber das Original nie erreicht, geschweige denn übertroffen wird, bringt der deutsche Madrid-Resident vom Heimaturlaub nach wie vor stets einen halben Koffer Schwarzbrot, Dinkelvollkorn und Pumpernickel mit. Letzteres hat keiner der spanischen Produzenten im Angebot. Vermutlich, weil es unaussprechlich ist.

(Thomas Urban)

USA: Lust auf Breze

Man vermisst ja so einige Dinge hier in Los Angeles: Autobahnen, Pünktlichkeit, schlechte Laune. Und natürlich fehlen einem auch kulinarische Köstlichkeiten wie bajuwarisches Bier, ein anständiger Schweinebraten oder köstliche Käsespäzle.

Deutsches Brot? Fällt einem erst einmal nicht auf, weil es hier nicht nur Allwetter-Burger-Brötchen und lapprige Hot-Dog-Buns gibt, sondern tatsächlich Brot in allen Formen und Varianten - so manches Restaurant ist stolz darauf, das man zum Frühstück aus mehr als 50 Brotsorten wählen kann. Französisches Baguette ist dabei, mexikanisches Weizenbrot, schwedischer Vollkorn-Toast. Was fehlt: deutsches Brot. Ist hier offensichtlich nicht so berühmt.

Es gibt im Süden von Los Angeles das "Alpine Village" - hier werden deutsche und österreichische Lebensmittel angeboten. Es ist eine kleine Reise in die Heimat: Es gibt Gummibärchen, Knödelteig, Bratwürste. Was einem jedoch sofort in die Nase steigt, ist dieser wunderbare Duft, der einem vermittelt, dass hier jemand frisch gebacken hat. Man will dann jedoch nicht unbedingt ein Brot haben, sondern ganz dringend eine Breze.

(Jürgen Schmieder)

Japan: Wie Beethoven hören oder Volkswagen fahren

Wenn Japaner Brot essen, dann meist schwammig-süßliches Kastenweißbrot, von dem manche sogar die fahle Kruste noch wegschneiden. Dabei gibt es in Japan durchaus auch Brot, das diese Bezeichnung verdient: knusprige Baguettes, Roggen- und Schwarzbrot. Letzteres allerdings bloß in spezialisierten Bäckereien, von denen sich einige deutsche Namen geben - und diese sogar in Fraktur schreiben.

Manche Japaner fahren für solches Schwarzbrot weit und zahlen hohe Preise. Sie machen das "deutsche Brot" zu einem kulturellen Statement wie Beethoven hören oder Volkswagen fahren. So weit gehen wir selber nicht, aber ein kleiner Umweg ist für "richtiges Brot" allemal drin. Manche Japaner erklären bedauernd, sie könnten leider kein "deutsches Brot" essen. Die Kruste sei zu hart, sie verletze ihren Gaumen.

Was dem Deutschen das "tägliche Brot", ist dem Japaner der Reis. Dreimal täglich. Im Japanischen wird das Wort für "Reis" als Synomym für "Mahlzeit" gebraucht. Aber Reis ist nicht gleich Reis. Die Japaner essen nur japanischen Reis, er ist kurzkörnig, existiert in vielen Sorten und schmeckt regional immer wieder anders. Gegen Importreis wird er mit Einfuhrzoll von etwa 700 Prozent geschützt. Eine Mahlzeit ohne Reis ist für Japaner keine, sondern höchstens ein Imbiß. Das fängt beim Standardfrühstück an: Reis, gebratener Lachs und Miso-Suppe. Allerdings essen heutzutage immer mehr Japaner "Brot" zum Frühstück, also das faserige Kastenweißbrot.

(Christoph Neidhart)