Von Singapur nach Nordkorea Dieser Mann brachte den Hamburger nach Pjöngjang

Patrick Soh mit Mitarbeiterinnen in einem Restaurant in Pjöngjang.

(Foto: privat)

Bald werden sich US-Präsident Trump und Kim Jong-un in Singapur treffen. Patrick Soh, Betreiber eines amerikanischen Fastfood-Ladens, macht vor, wie man Türen nach Nordkorea öffnet.

Von Christoph Giesen und Arne Perras, Singapur

Man sieht dem Fast-Food-Laden mit der knalligen Leuchtschrift "Waffle Town USA" nicht an, dass er zu den Pionieren der kulinarischen Völkerverständigung gehören soll. Eine gewagte Mischung aus pappig-süßen Backwaren, panierten Hühnerbeinen, Burgern und Pommes schieben sie hier routiniert über die Theke, ein amerikanischer Schnellimbiss, aufgelockert durch lokale asiatische Vorlieben wie gegrillten Chili-Fisch. Solche Restaurants sind keine Seltenheit in Singapur: Nur dass dieses Lokal am Balmoral Plaza doch von einer besonderen Geschichte erzählt. Sie führt 4700 Kilometer die pazifische Küste hinauf, bis ins abgeschottete Nordkorea.

In Singapur werden nun bald Diktator Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump aufeinander treffen, sollte das Gespräch tatsächlich Türen für amerikanische Investoren und den Export des "American Way of Life" nach Nordkorea öffnen, dürften sich Unternehmer vermutlich für die Erfahrungen von Patrick Soh interessieren. Der Lizenznehmer der US-Kette Waffle Town hat vor fast zehn Jahren die ersten Hamburger nach Pjöngjang gebracht, und das war schon ein kleines Abenteuer.

Soh, der damals Mitte 50 war und von zwei anderen Unternehmern für das Vorhaben in Nordkorea gewonnen wurde, konnte nicht sicher sein, dass es gelingt. Es war ein eher waghalsiges Experiment, wo die USA doch als Staatsfeind Nummer eins galten. "Aber die Leute mochten das Essen, besonders die gebratenen Hühnchenteile", sagt der hagere Singapurer. "Bislang können sie ja nicht so viele Gerichte probieren, die von außen kommen."

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Es heißt, dass auch der frühere Führer Kim Jong-il eine gewisse Schwäche für Hamburger gehabt haben soll, ohne dass dies natürlich im Staat als Symbol der US-Fastfood-Kultur anerkannt wurde. Vielmehr ließ das Regime schon vor fast 20 Jahren verbreiten, dass der "geliebte Führer" ein neues Gericht erfunden habe, das "Fleisch zwischen zwei Broten", was fortan "Gogigyeopbbang" hieß. Der ließ dann auch ein Vorkoster-Team nach Singapur einfliegen, um Waffle Town zu testen und zuhause Bericht zu erstatten.

Die "Hamburger" durfte man anfangs im Land nicht beim Namen nennen, Soh und sein Team mussten alle US-Namen eliminieren, als sie ihr Geschäft "Samtsaesung" gemeinsam mit einem nordkoreanischen Staatskonzern aufbauten: "Drei große Sterne," heißt die Kette, die inzwischen mehr als 30 Filialen hat. Auch Kim Jong-un soll die Burger nun gekostet haben, Soh weiß aber nicht, ob sie ihm schmeckten, er hat nicht nachgefragt. Zumindest darf man das Wort Burger in Pjöngjang nun schon mal in den Mund nehmen.

Und nicht nur das. Vor einigen Jahren hat selbst die staatliche Fluglinie Air Koryo auf Burger umgestellt. Früher bekam man auf dem Flug von Peking nach Pjöngjang noch ordentliche koreanische Küche auf Porzellantellern serviert. Inzwischen gibt es den Koryo-Burger. Egal ob man morgens oder nachmittags fliegt, nur Burger und immer kalt. Mit Sohs Rezeptur hat die Flugzeugverpflegung allenfalls das Aussehen gemein. Zwei Brötchenhälften, ein welkes Salatblatt und ein stark nach Verwesung riechendes Stück Fleisch. Schon ein zweites Mal abbeißen, ist eine Mutprobe. Angeblich soll es Hühnchen sein. Es schmeckt schlimm.

"Höflich, diszipliniert, smart, wissbegierig und glücklich"

In Pjöngjang selbst kann man inzwischen recht gut ausländisch essen gehen. Und nicht nur Burger. Mehrere italienische Restaurants haben in den vergangenen Jahren aufgemacht. Selbst die Coca-Cola (hohe, schlanke Dosen) ist aus Italien importiert - allen Sanktionen zum Trotz. Wer unbedingt will, bekommt auch deutsche Wurst mit Sauerkraut zum Bier vorgesetzt. Und danach ins Wiener Kaffeehaus, direkt gelegen am zentralen Kim-Il-Sung-Platz, auf dem das Regime sonst seine Militärparaden veranstaltet. Der Espresso dort ist gut, die Preise aber sind mehr als wienerisch. Zwei, drei Tassen entsprechen dem Monatslohn eines Arbeiters. Leisten kann sich das nur die neue Oberschicht in der Hauptstadt, die in den vergangenen Jahren entstanden ist.

Soh glaubt daran, dass nach dem Treffen zwischen Kim und Trump, der ja auch eine große Vorliebe für Burger hat, einige Geschäfte ins Rollen kommen könnten, zumindest hofft er das. Vor einigen Tagen jedenfalls berichteten US-Medien über die Einschätzung des Geheimdienstes CIA, wonach Nordkorea zwar wenig gewillt sei, seine Atomraketen herzugeben, sich dafür aber angeblich nach McDonald's sehnt. Das wäre ein Big "Deal", einer, wie er Trump vermutlich sehr gefallen würde.

Vorerst muss sich Soh aber den Zwängen der Sanktionen beugen, er ist derzeit nur in beratender Funktion tätig und war auch schon seit einiger Zeit nicht mehr in Pjöngjang, früher aber, als alles anfing, war er dort mehrere Male im Jahr. Und wenn der davon erzählt, zeichnet er ausschließlich positive Bilder, die Leute, die er getroffen habe, seien alle sehr "höflich, diszipliniert, smart, wissbegierig", er habe das Gefühl, sie seien "glücklich". Hunger, Verfolgung, Unterdrückung? Wie steht er zu all den Berichten über die düsteren Seiten dieses Regimes? "Ich habe so was nie dort gesehen", sagt er. Die meisten Menschen außerhalb Nordkoreas würden ihn aber immer sehr ungläubig ansehen, wenn er von seinen Erlebnissen in Pjöngjang erzählt. "Jeder sollte sich das am besten mal selber ansehen", rät er. Und hofft, dass sich wieder Wege öffnen nach Pjöngjang. "Ich möchte den Leuten dort noch viel mehr neue Gerichte bringen", sagt Soh.

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