Vom Schenken und Beschenktwerden "Dessous können beschämend sein"

Alle Jahre wieder passende Weihnachtsgeschenke zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Unsere Expertentipps helfen dabei, Ihren Liebsten eine Freude zu machen.

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Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - das ist wahr, solange man das Geschenk mit Bedacht auswählt. Sonst kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Damit Sie bei Ihren Weihnachtspräsenten alles richtig machen, haben wir mit Knigge-Expertin Agnes Jarosch gesprochen.

Von Antonia Hilpert

Agnes Anna Jarosch ist Leiterin des (privat organisierten) Deutschen Knigge-Rats und Chefredakteurin des Umgangsformen-Ratgebers "Der große Knigge". Sie lebt in Stuttgart. Dort berät sie als Coach und Referentin Etikette-Trainerinnen, Führungskräfte und Veranstaltungsmanager in Fragen des guten Umgangs.

SZ.de: Im Weihnachtstress ist es schwer, noch ein passendes Geschenk zu finden. Womit kann ich nicht viel falsch machen - und was geht überhaupt nicht?

Agnes Anna Jarosch: Die Wahl des Geschenks ist davon abhängig, wie gut man einander kennt. Je intimer die Beziehung, desto persönlicher darf auch das Geschenk sein. Ein Parfum zu verschenken, wäre im geschäftlichen Bereich zum Beispiel unpassend. Es wird direkt auf der Haut getragen und zählt zu den persönlichen Geschenken. Da sollte man eher etwas Unverfänglicheres wählen, beispielsweise edle Schreibutensilien. Generell kann man festhalten: Je besser man eine Person kennt, desto leichter ist es, ein geeignetes Präsent zu finden. Wenn man weiß, dass jemand gerne Wein trinkt, dann spricht nichts dagegen, auch mal ein edles Fläschchen zu verschenken. Wenn stattdessen bekannt ist, dass der andere keinen Alkohol trinkt, wäre das gedankenlos. Hier ist Aufmerksamkeit gefragt! Am besten das ganze Jahr über Augen und Ohren offen halten und Notizen machen. Meistens fällt zwischendurch auf, dass ein Kollege beispielsweise keine schöne Kaffeetasse im Büro hat. Und schon hat man eine Geschenkidee.

Wenn mir bis zuletzt nichts einfällt, ich vor dem 24.12. einfach nicht zum Einkaufen komme oder - noch schlimmer - ich am "Heiligen Nachmittag" merke, dass ich eine Person vergessen habe - was kann ich tun? Gibt es eine Art "Notfallgeschenk"?

Das gibt es durchaus. Auch ich habe zu Hause immer ein paar "Notfallgeschenke" parat. Bei mir sind das zum Beispiel edle Kugelschreiber oder Pralinen. Für den privaten Bereich eignen sich Gutscheine sehr gut. Wenn ich die andere Person ein bisschen kenne und weiß, dass sie unbedingt einen neuen Film sehen möchte, wäre ein schön drapierter Kinogutschein das Richtige.

Darf ich einem Kollegen, den ich besonders gern habe, etwas schenken, während ich die anderen außen vor lasse?

Dazu muss man sich zunächst die Unternehmenskultur ansehen. Einige Firmen haben eine Wichteltradition. Jeder Mitarbeiter kauft ein Geschenk, wobei die Preisspanne vorab festgelegt wird. Alle Geschenke kommen in einen großen Sack und wechseln bei der Weihnachtsfeier nach einem bestimmten Zufallsprinzip die Besitzer. Wenn es solche Rahmenbedingungen nicht gibt, darf man seinen Lieblingskollegen durchaus ein individuelles Geschenk machen. Damit kein Neid entsteht, sollte man das Präsent nicht unbedingt vor den Augen aller anderen übergeben. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Gibt es etwas, das ich zu Weihnachten auf keinen Fall verschenken sollte?

Ja. Zum einen Geschenke mit missionarischem Charakter: Man sollte jemandem, der nicht gern kocht, keinen Schnellkochtopf schenken. Und man wird aus einer Person, die Opern nicht mag, keinen Opernliebhaber machen, indem man ihm Karten für "Nabucco" schenkt. Wahrscheinlich kränkt man ihn damit nur. Zum anderen sind alle Geschenke, die peinlich werden könnten, tabu. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Schwiegermutter der neuen Freundin ihres Sohnes Unterwäsche unter den Weihnachtsbaum legt. Gerade bei Dessous kann das für alle Beteiligten beschämend sein.

Darf ich auch ein Geldgeschenk überreichen oder sprechen moralische Gründe dagegen?

Prinzipiell sind Geldgeschenke möglich, es kommt aber auf die Verpackung an. Ich empfehle, das Geld mit einem Anlass zu verknüpfen, so umgeht man auch die Gefahr, einfallslos zu wirken. Wünscht sich jemand einen neuen Tennisschläger, könnte man zum Beispiel einen Tennisball vorsichtig anschneiden und als Verpackung nutzen. Sollen es hingegen neue Pumps sein, wären kleine Puppenschuhe geeignet, um das Geld angemessen zu verpacken. In Verbindung mit einem solchen Gutscheincharakter ist gegen ein Geldgeschenk nichts einzuwenden. Einen Blanko-Umschlag, in den das Geld nur lieblos hineingesteckt wird, verschenkt man hingegen definitiv nicht.

Gibt es Regeln, wie viel ein Geschenk wert sein soll?

Das hängt mit der Einkommenssituation in der Familie zusammen. Im Normalfall pendelt sich das automatisch ein und jede Familie beziehungsweise jeder Freundeskreis entwickelt seine eigene Geschenkekultur, die nicht von außen reglementiert werden muss.