Trendgetränk So geht Pimm's Cup

Ein Teil Pimm's No. 1, zwei bis drei Teile Zitronenlimonade oder Ginger Ale - so entsteht der Sommerdrink, der in Bars immer beliebter wird.

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In Wimbledon sieht man Menschen, die ein bräunliches Gebräu aus Plastikbechern trinken. Was steckt dahinter? Und warum gibt es in Wimbledon Zoff um den Stoff?

Von Oliver Klasen

Wenn an diesem Wochenende beim Tennisturnier von Wimbledon die Finalmatches ausgetragen werden, dann kann es gut sein, dass auf der Zuschauertribüne Frauen und Männer mit durchsichtigen Plastikbechern sitzen. Darin: ein bräunliches Gebräu mit Zitronen- und Gurkenscheiben.

Es ist ein Longdrink namens Pimm's Cup. Die Basis dafür ist ein Kräuterlikör auf Basis von Gin, der in England erfunden wurde. Der Name geht angeblich auf den Bauernsohn James Pimm zurück, der 1823 oder 1824 nahe des Buckingham Palace eine Austern-Bar eröffnete, in der die feinere Londoner Gesellschaft verkehrte. Zu den Austern soll er einen Vorläufer des heutigen Likörs gereicht haben.

Die genaue Rezeptur für Pimm's No. 1 - also den Grundstoff des Longdrinks, der heute von dem Getränkekonzern Diageo vertrieben und als fertige Mischung verkauft wird - kennen angeblich nur sechs Menschen.

Der Pimm's Cup ist in Großbritannien extrem beliebt und erobert nun als Sommerdrink auch die Bars in Deutschland. Mit 25 Prozent Alkoholgehalt ist Pimm's weniger stark als Wodka, Rum oder andere Spirituosen. Aufgeschüttet mit einem alkoholfreien Erfrischungsgetränk entsteht ein leichter Longdrink, der nur wenig mehr Alkohol enthält als ein Glas Bier und deshalb auch bei heißen Temperaturen gut verträglich ist.

Gehört zu Wimbledon so wie gelegentliche Regenschauer und Erdbeeren mit Sahne: Der Pimm's Cup.

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Das Standardrezept für den Pimm's Cup - so heißt der fertig gemischte Longdrink - lautet wie folgt:

  • 5 cl Pimm's
  • 10 cl (bis 15 cl) Zitronenlimonade oder Ginger Ale
  • Eiswürfel
  • eine dünne Scheibe Zitrone, etwas (Salat-)Gurke
  • dazu ein paar Blätter frische Minze
  • nach Belieben noch ein paar Erdbeerstücke

Das ist jedenfalls das Rezept, das Lukas Motejzik, Barkeeper und Besitzer der Münchner Bar "Zephyr" verwendet. "Der Pimm's Cup ist definitiv im Kommen", sagt Motejzik. "Wir machen ihn meist mit Seven-up, weil dann der Likör besser heraussticht."

Als Variante kann man zusätzlich etwas puren Gin hinzufügen oder den Pimm's statt mit Limonade mit Champagner aufgießen - das nennen viele Barkeeper dann "Pimm's Royale".

Dass sich Pimm's gut für die warme Jahreszeit eignet, wusste auch schon der England-Korrespondent der Wochenzeitung Die Zeit im Jahre 1967 zu berichten: "Pimm's ist keineswegs ein Apéritif, ein Gaumenreizer, den man vor dem Essen nimmt - es ist der Höhepunkt eines langen, heißen Sommernachmittags, wenn man entweder selbst Tennis gespielt oder der Familie bei der Gartenarbeit zugeschaut hat."

In Wimbledon wird eine arg verdünnte Mischung serviert

Das Getränk sei zu Hause einfach herzustellen. Man brauche kein Mixgerät oder spezielles Equipment. "Deshalb eignet er sich super als Terrassengetränk oder als Bowle für die Grillparty", sagt Barkeeper Motejzik. "Vor allem Frauen bestellen ihn bei uns gerne, weil er etwas leichter ist als andere Cocktails".

Manchmal auch zu leicht. Wie die Reporter des britischen Independent herausgefunden haben, wird der sommerliche Longdrink auf den Tenniscourts in Wimbledon erstens zu völlig überteuerten Preisen und zweitens in einer arg verdünnten Mischung serviert. Deren Alkoholgehalt liege oft um das dreifache niedriger als vom Hersteller empfohlen.