Stilkritik zu Promi-Flugbegleitern Über den Wolken grenzenlos gut aussehen

Naomi Campbell pöbelt das Flugpersonal an. Gérard Depardieu verrichtet seine Notdurft in Flaschen anstatt auf der Bordtoilette. Dagegen wirken die Allüren von Abercrombie&Fitch-Boss Michael Jeffries geradezu harmlos: Er lässt sich den Tomatensaft ausschließlich von männlichen Models reichen. Und setzt damit ein Zeichen für Gleichberechtigung - zumindest über den Wolken.

Von Johanna Bruckner

So in etwa könnten sie aussehen, die Flugbegleiter, mit denen sich Michael Jeffries über den Wolken umgibt. Der Abercrombie&Fitch-Boss hat einen Deal mit einer Modelagentur, die ihm ausnahmslos gutaussehende Stewards vermittelt. (Im Bild: Aktion mit männlichen Models vor einem Abercrombie&Fitch-Store in Singapur)

(Foto: AFP)

Im Vergleich zu dem, was andere Promis dem Flupersonal abverlangen, klingt der folgende Anforderungskatalog eigentlich harmlos. Die Arbeitskleidung des männlichen Bordpersonal besteht aus Jeans, einem Polo-Shirt und Flip Flops. Letzteres mag zwar ungewöhnlich sein, ist aber immer noch besser als seine Füße beispielsweise in enge Budapester quetschen zu müssen. Die Herren haben glattrasiert zu erscheinen.

Und - gut, hier wird es zugegeben schlüpfrig, im wahrsten Sinne des Wortes - sie haben darunter "Boxer Briefs", enganliegende Boxershorts, zu tragen. Ach ja, nicht zu vergessen: Die Stewards sollten vor dem Start daran denken, einen "Spritzer" Aftershave aufzutragen. Dass das von Abercrombie&Fitch (A&F) sein muss, erscheint wiederum logisch - schließlich ist der Mann hinter besagtem "aircraft standards manual" der Boss des US-Bekleidungsunternehmens.

Michael Jeffries hat darin neben den Vorgaben an das ausschließlich männliche, ausschließlich gutaussehende Bordpersonal, das über eine Modelagentur rekrutiert wird, weitere wichtige Dinge festgelegt: beispielsweise die Sitzordnung seiner Hunde im Privatflieger und das Musikprogramm (Phil Collins). Ans Licht kam das Handbuch des Firmenchefs, weil ein geschasster Pilot gegen seinen früheren Arbeitgeber geklagt hatte.

Doch ist das, was der A&F-Chef seinen Mitarbeitern abverlangt, tatsächlich so unerträglich? Stewardessen jedenfalls dürfte der unterschwellige Seximus nur ein müdes Lächeln entlocken.

Keine Gleichberechtigung über den Wolken

Wohlhabenden wie wohlerzogenen Menschen Drinks und Häppchen servieren. Eine schicke Uniform mit Hütchen und Halsbinde tragen. Und natürlich exotische Länder kennenlernen. Verkürzt waren das die Gründe, weshalb Frauen über Generationen Flugbegleiterin werden wollten. Doch lange bevor Billig-Airlines den vermeintlichen Traumjob über den Wolken auf den harten Boden der schlecht bezahlten wie wenig angesehenen Berufe holten, hatte das Stewardessen-Dasein seinen Zauber verloren.

Zwar waren die Passagiere tatsächlich bis in die sechziger Jahre vergleichweise wohlhabend - erst danach wurden Flugreisen für die Massen bezahlbar. Doch allzu häufig ließen die männlichen Fluggäste jegliche Manieren vermissen und die Stewardessen hätten sich statt Hütchen und Halsbinde wohl eher einen Holzknüppel gewünscht. Auch sahen die Damen statt ferner Länder vor allem viele verschiedene zweitklassige Hotelzimmer.

Heute schenken zwar auch Männer Tomatensaft aus - doch ansonsten ist es mit der Gleichberechtigung nicht weit her. Um das festzustellen, muss man nicht mal den Kalender "The girls of Ryanair" durchblättern. Jegliche Assoziation mit der US-Serie "The Girls of the Playboy Mansion" ist selbstverständlich nicht beansichtigt.

Während Stewards in Hosen und flachen Schuhen arbeiten, werden die meisten Stewardessen immer noch in Rock und auf hohen Hacken die Gangway hinuntergeschickt. Und das - von den Passagieren belächelte - Vorführen der Sicherheitshinweise ist zumeist Frauensache.

Vor diesem Hintergrund sind die Vorgaben von A&F-Boss Jeffries beinahe zu befürworten: als Beitrag zur gleichen Schlechtbehandlung über den Wolken.