Schutz minderjähriger Models Sie ist unter 18 und sie sieht gut aus

Viele Models sind noch Kinder, werden aber als Erwachsene inszeniert - und arbeiten unter denselben harten Bedingungen: Der Bundesstaat New York hat ein Gesetz verabschiedet, das jungen Models die gleichen Rechte gibt wie Kinderschauspielern. Es könnte die Modeindustrie verändern.

Von Felicitas Kock

Begleitpersonen, Tutoren, Treuhandfonds - wenn Kinder in einem Film oder einem Werbe-Clip mitspielen, in Theaterstücken oder Musicals singen, bekommen sie im Staat New York die bestmögliche Betreuung. Die Gesetze sind streng, oft wacht ein ganzer Pulk an Menschen über die kleinen Stars und ein Teil ihres Lohnes wird angelegt. Im Modelbusiness war das bisher anders. Zwar gibt es massig Minderjährige, die für große Printkampagnen vor Fotokameras stehen und über Laufstege stolzieren. Doch einen besonderen Schutz sah das Arbeitsrecht für sie nicht vor.

Das ändert sich nun. Am Mittwoch haben Parlament und Senat des US-Bundesstaats einstimmig eine Gesetzesänderung beschlossen, die Models unter 18 dieselben Rechte garantiert wie ihren minderjährigen Künstlerkollegen. Was von vielen Medien zurecht als lange überfälliges Vorhaben gelobt wird, könnte das Erscheinungsbild der Modeindustrie in New York zumindest ein Stück weit verändern.

Weil Fotoshootings mit minderjährigen Models von nun an gesetzlich strenger geregelt sind, werden sie für die Organisatoren aufwändiger und teurer. Der Trend könnte daher zum volljährigen Mannequin gehen. "Der umstrittene sehr junge und sehr dünne Look, für den die Industrie bekannt ist, könnte sich endlich ändern - ganz zu Schweigen von der Ausbeutung, der diese jungen Frauen in der Regel ausgesetzt sind", schreibt Autorin Amy Odell auf der Seite Buzzfeed.com.

Zwar gab es in New York auch schon zuvor Gesetze, die minderjährige Models vor zu langen Arbeitszeiten schützen sollen. Diese seien jedoch kaum durchgesetzt worden, da sie nicht als arbeitsrechtliche Regeln angesehen, sondern dem Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums zugerechnet worden seien, heißt es auf Buzzfeed.

Etwa 165.000 Menschen sind in der New Yorker Modeindustrie tätig. In einem Beitrag für die US-Seite fashionista.com schildert Sara Ziff, Chefin der Organisation Model Alliance, die sich seit mehreren Jahren für die Rechte von Models einsetzt, die Situation der jüngsten unter ihnen:

"For example, a 14-year-old model, though she is able to legally work without supervision from a parent or guardian, is not protected by otherwise universal standards of workplace sexual harassment, and is not subject to minimum wage laws. She may be actively dissuaded from finishing high school or placed in situations that are sexually compromising."

Model Coco Rocha - seit sieben Jahren im Geschäft und mit 24 quasi kurz vor der Rente - hatte sich gemeinsam mit der Organisation Model Alliance für die Gesetzesänderung eingesetzt. Für die Model-Vereinigung ist der Beschluss ein großer Erfolg. Auf ihrer Webseite heißt es, man sei "begeistert von der Unterstützung", die das Gesetz erhalten habe.

"This legislation is vital to ensuring these young workers are protected under the law. We are thrilled by the support this legislation has received and we look forward to continuing our efforts to improve the industry as a whole."

Auch anderswo sind die Regeln der Modeindustrie im Umbruch: In Großbritannien sorgte kürzlich das Modemagazin Vogue für Aufsehen, als es einen Kodex einführte, der besonders junge Models schützen soll. Mädchen unter 16 dürfen demnach keine Fotostrecken mehr mitmachen, in denen sie als Erwachsene dargestellt werden. Alle Models dürfen nicht länger als zehn Stunden am Stück arbeiten und nur dann halbnackt oder nackt fotografiert werden, wenn sie dem vor dem Shooting ausdrücklich zugestimmt haben.

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