Päpstlicher Schneider Der Papst trägt kein Prada

Seine Kreationen sind in diesen Tagen überaus gefragt: Wenn der neue Papst bei seinem ersten Auftritt in einer weißen Soutane erscheint, dann wird diese aus der Schneiderei von Lorenzo Gammarelli stammen.

Von Andrea Bachstein, Rom

Wie er sich fühlt in diesen Tagen? "Erwartungsvoll", sagt Lorenzo Gammarelli, und "stolz". Im Schaufenster seines Ladens in Rom hat er Kleidung ausgestellt, die ziemlich altmodisch ist, in manchen Kreisen aber doch mehr Aufsehen erregt, als alles, was bei der Pariser Modewoche präsentiert wurde.

Es sei "absolut sicher", sagt Gammarelli, dass der neue Papst bei seinem ersten Auftritt nach der Wahl im Konklave eine dieser weißen Soutanen tragen wird. Gleich in drei Größen haben sie das Gewand in Gammarellis "Schneiderei für Geistliche" angefertigt - groß, mittel und klein, was darauf hinweist, dass man auch in dem Traditionsgeschäft unweit des Pantheon keine Hinweise hat, wer der nächste Pontifex sein wird.

Wer immer es ist, seine Kleider sind schon fertig. Bei Gammarelli sind sie in aller Pracht ausgestellt, die Soutane samt dem Zingulum mit Goldfransen und der Mozzetta, dem Schulterumhang. Sogar eine rotsamtene Winter-Mozzetta mit Hermelinbesatz hat Gammarelli angefertigt, im Schaufenster liegt ein Paar rote Loafers.

Den Papst einzukleiden, bedeutet Ehre, aber derzeit natürlich auch etwas Stress für Gammarelli und seine Mitarbeiter. Vor dem Geschäft, das er mit zwei Cousins leitet, stehen jetzt immer Schaulustige, ab und zu auch Fernsehkameras. Dass er nun mit so vielen Menschen sprechen muss, macht den hochgewachsenen bärtigen Lorenzo Gammarelli nervös. Und so läuft der 40-Jährige unruhig vor seinem Laden auf und ab, einen auffälligen, lilafarbenen Pullover unter dem Glencheck-Sakko.

Er redet nicht so gern, schließlich ist in seiner Branche die Diskretion ein wesentlicher Teil des Geschäftskapitals. Und über sich selbst mag Lorenzo Gammarelli schon gar nichts erzählen, was irgendwie persönlich wäre. Was er studiert hat, verrät er nicht, ebenso wenig, was er nach Arbeitsende tut. Frau und Kinder, das zumindest lässt er durchblicken, hat er nicht. Immerhin verrät er, dass er selbst das Schneiderhandwerk nicht gelernt hat, sondern nur für den betriebswirtschaftlichen Teil des Geschäfts zuständig ist. 2004 hat er angefangen, und es gefällt ihm, hier zu arbeiten, weil es immer Abwechslungen gebe.

Rund um das Pantheon und natürlich in der Umgebung des Vatikans gibt es zahlreiche Läden für Priesterkleidung und geistliches Zubehör, einige mit weit größeren Schaufenstern als Gammarelli. Aber die Firma Annibale Gammarelli, wie sie nach ihrem Gründer heißt, kann auf mehr als 200 Jahre Geschichte zurückblicken. In sechster Generation, seit 1798, betreibt die Familie dieses besondere Textilgeschäft. Der kommende wird der siebte Papst sein, der ihre Kleider trägt.

Die Soutanen im Schaufenster, erzählt Lorenzo Gammarelli, werden nicht mehr lange ausgestellt werden. Er oder ein Angestellter werden sie zum Vatikan bringen - sie müssen ja vor Beginn des Konklaves dort sein. Später teilt er dann per Twitter noch mit: "Der Teufel trägt Prada, der Papst nicht."