Nonsens-Wellness Man nehme den Kot einer Nachtigall

Fische als Kosmetiker und Vogelkot als Gesichtsmaske - so geht Schönheit heute.

(Foto: iStockphoto)

Rindersperma im Haar, Plazenta im Gesicht und Fische an den Füßen - klingt nicht gerade nach Schönheit und Wohlbefinden. Doch was bei den meisten Menschen Abscheu hervorruft, wird in einigen Wellnesscentern als Geheimtipp für die Schönheit verkauft. Die skurrilsten Behandlungen im Überblick.

Von Antonia Hilpert

Stellen Sie sich vor, Sie haben in einem Spa in Talmey El'Azar im Norden Israels eine Entspannungsmassage gebucht und liegen in freudiger Erwartung auf einer vorgewärmten Liege. Statt eines geschulten Händedrucks des Masseurs spüren Sie plötzlich sechs Nattern über Ihren nackten Rücken gleiten.

Nein, das ist kein Albtraum, sondern Wellness: Die Physiotherapeutin Ada Barak bietet in ihrem Spa Schlangenmassagen an. Für 300 Schekel (circa 60 Euro) sollen die Reptilien bei stressgeplagten Kunden Verspannungen und Muskelschmerzen lindern - vorausgesetzt, sie überwinden ihre Scheu vor den Tieren.

Doch fördern derart außergewöhnliche Behandlungsmethoden tatsächlich das Wohlbefinden? Diplom-Psychologe Lutz Hertel vom Deutschen Wellnessverband ist da skeptisch: "Einen entspannenden Effekt dürfte so ein Erlebnis kaum haben, wenn man mit den Tieren nicht vertraut ist". Eine gewisse physiologische Wirkung sei höchstens durch große, schwere Schlangen denkbar, die aufgrund ihres Körpergewichts Druck auf den menschlichen Körper ausüben. Hertel hält dennoch staatlich anerkannte Masseure, die mit einer gezielten Massagengriff-Technik ans Werk gehen, für die bessere Alternative.

Solche "Nonsens-Wellness"-Angebote, wie Hertel sie nennt, gibt es nur vereinzelt in Deutschland, vornehmlich stammen derartige Behandlungen aus dem Ausland. So findet die Idee, getrockneten Kot einer Nachtigall im Gesicht aufzutragen, seinen Ursprung in Japan. Immerhin werden die Exkremente zuvor sterilisiert und mit Reiskleie vermischt. Eine solche Gesichtsmaske, mittlerweile auch in London und in einem New Yorker Spa unter dem Namen "Geisha-Facial" bekannt, gilt als Geheimtipp japanischer Geishas und soll der Gesichtshaut zu jugendlicher Ausstrahlung verhelfen.

Martin Ruppmann, Geschäftsführer vom VKE (Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse e. V.), ist der Ansicht, dass solche Anwendungen mit Vorsicht zu bewerten sind: "Die Wirksamkeit solcher Treatments bewegt sich in einer Grauzone." Ob der gewünschte Effekt erzielt wird, hänge sehr von der eigenen Einstellung zum Verfahren ab: "Hier in Deutschland sind die Verbraucher eher zurückhaltend, in fernen Ländern sind sie da innovativer."

Viagra für die Haare

Bei einigen Anwendungen sollte man in der Tat offen für Neues sein - wenn nicht gar ausgesprochen experimentierfreudig. In dem Londoner Friseursalon "Hari's" kann man sein Haupt mit einer Haarkur pflegen, die hauptsächlich aus dem Sperma von Angus-Rindern gewonnen wird. Gänzlich Unerschrockene, die sich darüber hinaus noch ein verbessertes Hautbild samt Zellerneuerung wünschen, können sich in Singapur einer Gesichtsbehandlung mit menschlicher Plazenta unterziehen. Eine solche Anwendung hat natürlich ihren Preis - ansonsten tut es auch die Plazenta eines Schafes.

Doch wie, um alles in der Welt, kommt man überhaupt darauf, sich Exkremente und andere Körperflüssigkeiten in Gesicht und Haare zu schmieren? Um das Schönheitsgeschäft mit Neuheiten zu versorgen, holen sich Experten Anregungen aus fernen Ländern: "Speziell in der Wellness-Branche wird gerne nach traditionellen Behandlungen oder Ritualen in exotischen Kulturen geforscht", sagt Lutz Hertel. Aber auch konventionelle Anwendungen würden häufig durch vermeintliche Luxus-Attribute aufgewertet.

Daher stammt wohl die Idee einer Blattgold-Gesichtsmaske. Im Nidah Spa in New Mexico kann man sich eine Behandlung mit 24-karätigem Blattgold gönnen. Die Maske soll die Haut optisch verjüngen und durch die Förderung der Zellerneuerung frischer aussehen lassen. Wer nicht genug bekommen kann von dem edlen Stoff, der kann darin auch ein Bad nehmen: Ein Badeöl mit 23 Karat Blattgold verspricht samtweiche Haut.

Ebenfalls abtauchen kann man in flüssigen Leckereien wie Schokolade, Kaffee oder Milch. Schon Kleopatra soll ihre Schönheit mit einem Bad in Stutenmilch gefördert haben. Japaner entspannen in Weinbädern, die beispielsweise im Yunessun Spa Resort an der Ostküste angeboten werden. Die Trauben sind bekannt für ihre Anti-Aging-Wirkung. Zur Wahl steht auch ein Bad in grünem Tee, was das Immunsystem stärken und gegen Krebs schützen soll.

Der Trend zu bizarren Schönheitsbehandlungen ist alles andere als neu: "Es hat schon immer außergewöhnliche Methoden gegeben", sagt Hertel, der Experte vom Wellness-Verband. "Damit versucht dieser Markt, Aufmerksamkeit zu erlangen."

"Das hat mit Wellness nichts zu tun"

So hat es in den vergangenen Jahren auch die aus Asien stammende Fisch-Pediküre nach Deutschland geschafft. Zum Beispiel ins Doctor Fish Spa in der Nähe von Berlin. Der Kunde taucht seine Füße in ein Aquarium, wo die kleinen Kosmetiker an den abgestorbenen Hautschuppen knabbern. Ein bisschen kitzelt diese tierische Behandlung zwar, jedoch soll sie die Durchblutung fördern und zu samtweicher Haut verhelfen. Dazu werden Garra rufa, Rötliche Saugbarben, eingesetzt, welche keine Scheu vor dem Menschen zeigen und sich außerdem von den Hautschuppen ernähren.

Richtig unangenehme Assoziationen dürfte hingegen eine Kaktusmassage hervorrufen. Doch Stiche muss der Kunde keine fürchten: Die von Stacheln befreiten Blätter eines Feigenkaktus (Opuntien) werden im Apuane Spa in Mexiko bei der sogenannten "Hakali Massage" auf dem nackten Rücken platziert. So wird die Haut entgiftet und mit Feuchtigkeit versorgt.

Klingt so weit ja ganz schön, aber sind diese Behandlungen auch effektiv? Lutz Hertel ist der Meinung, dass das alles mit Wellness im eigentlichen Sinn nichts zu tun hat: "Im besten Fall schadet es nicht und ist unterhaltsam." Immerhin.