Nicolas Ghesquière verlässt das Label Balenciaga Hyperventilierende Kritiker

Für seine erste Kollektion im Frühjahr 1998 hatte er weniger Zeit als vier Monate; sie war düster und ging auf der Paris Fashion Week unter. Bei seiner zweiten Präsentation hyperventilierten die Kritiker, und das taten sie fortan immer. Ghesquière hatte schon damals etwas, was andere ihr Leben lang nicht finden - einen Stil. Er verstand es, in seinen Entwürfen Welten zusammenzubringen, die nicht zusammenpassen. Vergangenheit und Zukunft, Architektur der Sechzigerjahre und Science-Fiction-Helden. Balenciaga wurde wieder ein Label, das auf sich selbst verweist. Und auf das alle anderen Modemacher ununterbrochen verweisen.

Ghesquière hat die Prêt-à-Porter-Mode von Anfang an behandelt wie Couture. Sein Atelier nannte er sein "verrücktes Labor", in dem er mit Schnitten, Stoffen, Stickereien experimentierte. Viele Versuche glückten, wie die Ethno-Kollektion 2007. Oder seine Eggshape-Mäntel im Jahr zuvor. Und seltsamerweise auch die kniehohe Gladiatorensandale und Roboterleggings.

Man will sich gar nicht vorstellen, wie viele Wetten in diesen Tagen abgeschlossen werden über die Frage, für wen er das Modehaus eigentlich verlässt. Manche vermuten: zu Schiaparelli. Vielleicht ist für ihn jedoch auch die Zeit gekommen, sein eigenes Label zu gründen.

Frauen wie Prinzessinen einer Sternenflotte

Jeder Designer versucht fieberhaft, die moderne Frau auszustatten, aber keinem gelang es so wie Ghesquière. Er war besessen, und er arbeitete nonstop. Man könnte auch sagen, er nahm sich die Zeit: Er brauchte einmal 18 Monate, um den richtigen Grünton zu finden. Und 25 Fittings für ein bestimmtes Mantelkleid.

Privat liebte er Männer, Frauen aber himmelte er an. Er ließ sie aussehen wie Prinzessinnen einer Sternenflotte, stark, sexy, irgendwie entrückt - aber trotzdem großstädtisch. Charlotte Gainsbourg, der er seinen ersten Duft widmete, verkörperte diese Balenciaga-Frau perfekt. Genau wie die junge Schauspielerin Kristen Stewart, die immer wirkt, als wäre sie einfach viel zu cool für diese Welt.

Der 41-Jährige sei frustriert gewesen, sagen Insider. Wenn er am 30. November aus seinem Studio auszieht, wird vor allem ein Teil in Erinnerung bleiben, das derzeit in Modeblogs umher schwirrt: sein fast prophetischer Science-Fiction-Pullover mit dem Spruch "Join A Weird Trip". In diesem Sinne: Salut, Superboy. Wir hoffen, du landest weich.