Neues Produkt Eiswürfel, die die Welt nicht braucht

Gletscher schmelzen seit kurzem nicht nur in der Realität, sondern auch im Glas: als Eiswürfel.

(Foto: dpa)

Ein norwegisches Unternehmen lässt Eis von Gletschern abkratzen und hält das für ein geniales Geschäftsmodell. Eine perfekte Schnapsidee.

Von Violetta Simon

Die Frage "Welches Eis?" ist für Barkeeper eine ernste. Weil es eben nicht egal ist, ob das Eis rund oder eckig, trüb oder klar, einfach oder doppelt gefrostet ist, in Schichten gefriert oder einen Hohlraum besitzt. Ob das Wasser zuvor destilliert, abgekocht oder mit Kohlensäure versetzt wurde. Bei Mojito und Julep mag es erwünscht sein, dass Crushed Ice die Zutaten baldmöglichst kühlt und verwässert. Hingegen hat Eis, das schneller schmilzt als die Polkappen, in einem Gin Old Fashioned nichts zu suchen. Der Profi zieht die Eiskugel vor.

Was hingegen niemand braucht, sind Eiswürfel von einem Gletscher. Nun will Geir Olsen das aber nicht einsehen. Der norwegische Unternehmer hält Gletscher-Eiswürfel für ein geniales Geschäftsmodell, da sie seiner Ansicht nach den Coolnessfaktor schicker Bars ins Unermessliche steigern - die perfekte Schnapsidee sozusagen. Klar und rein sei das Eis, von guter Qualität und darüber hinaus geschmacksneutral. Was zwar stimmt, aber trotzdem Quatsch ist. Das Besondere an dem Eis ist natürlich, dass Olsen es vom Svartisen-Gletscher in Norwegen abkratzen und per Heli abtransportieren lässt.

Das ist nicht nur deshalb problematisch, weil das fliegende Eistaxi täglich Einwohner und Rentiere verschreckt, die in der Einflugschneise leben. Das Luxus-Eis muss auch noch auf seinem langen Weg vom norwegischen Svartisen-Gletscher ins urbane Cocktailglas in seinem Aggregatzustand erhalten werden, ohne dass die Kühlkette durchbrochen wird. Ein Manhattan on the Rocks dürfte in Sachen CO₂-Bilanz selbst das japanische Kobe-Rind schlagen, das dem Gast im Anschluss an seinen Aperitiv serviert wird.

Und während mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, lassen sich Gäste in London, New York und Dubai die Gletscher-Eiswürfel von Geir Olsen auf der Zunge zergehen. Es hat schon etwas Meditatives, wenn man seinem kleinen Privatgletscher im Glas beim Schmelzen zusehen kann. Während das große Original dasselbe tut. Aber das ist so was von weit weg. Wo war das noch mal? Ach, egal. Cheers!

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