Netzwerk "Kitchen Gardeners International" Wenn aus Gartenbesitzern Gemüsegärtner werden

Wie verhilft man seiner Gartenbau-Initiative zu medialer und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit? Roger Doiron drückte der First Lady einen Spaten in die Hand. Der Amerikaner will mit seinem Netzwerk "Kitchen Gardeners International" aus Gartenbesitzern Gemüsegärtner machen. Ein Besuch.

Von Harald Hordych

Kürbis aus eigenem Anbau (Symbolbild): Der Amerikaner Roger Doiron setzt sich mit seinem Netzwerk Kitchen Gardeners International für eine Renaissance der Gartenbau-Kultur ein.

(Foto: lkn)

Roger Doiron steht in seinem Garten wie ein Mann, der dort nicht hingehört. Er steht dünn wie ein Stück Papier zwischen Gemüsestauden, die ihm glatt über den Kopf wachsen. Solche Naturgewalt verlangt sonst nach Mannsbildern, die aussehen wie die Burschen aus der Baumarktwerbung: Wetterfeste Multifunktionsmänner.

Roger Doiron lächelt dagegen feinsinnig aus seinem Gemüsewald. Und sein Lächeln sagt: Auch ein Mann, der aussieht wie ich, ist hier am richtigen Platz. Wenn es nach Doiron geht, dann sollte jeder, der über Grund und Boden verfügt, seinen eigenen Nutzgarten haben. Jeder Garteninhaber wäre dann nicht nur Rasenpfleger, sondern das, was man früher ganz selbstverständlich auch war: ein Gemüsegärtner, der ganz nebenbei sich und seine Familie mit Nahrung versorgte.

Deshalb hat Roger Doiron, 45, Kitchen Gardeners International (kgi.org) gegründet. "Think global, eat local", sagt Doiron, während er seinen Garten in der gepflegten Kleinstadt Scarborough südlich von Portland/Maine vorführt, in dem 50 verschiedene Obst- und Gemüsearten angepflanzt sind.

Wie früher bei Oma sieht das nicht aus

Auch wenn sich schon 25.000 Menschen aus mehr als 100 Ländern dem Netzwerk angeschlossen haben - Doiron genügt ein Blick über den Zaun, um daran erinnert zu werden, dass die Gartenrevolution noch nicht überall angekommen ist: In den nachbarlichen Miniaturparks stehen große Bäume, hingetupft auf leeren Rasenfächen; Geleitschutz geben Sträucherreihen. Platz wäre genug da, aber wie früher bei Oma auf dem Land sieht das nicht aus.

Doiron ist schon froh, dass sich keiner über seinen Öko-Dschungel beschwert und dass die Nachbarn gern zugreifen, wenn seine beiden Söhne vor dem Haus selbstgezogenes Gemüse und Obst feilbieten.

Hinter dieser privaten Idylle steht eine Initiative, die es seit fast zehn Jahren gibt. Anfang 2003 gründete Roger Doiron hier in Scarborough, wo er nur ein paar hundert Meter entfernt aufgewachsen war, eine Organisation, die eine einfache Idee populär machen sollte. Doiron wusste genau, worauf er sich einlässt, auch wenn er die Sache zunächst "mehr als Hobby denn als Beruf vorantrieb". In den Neunzigern hatte er in Brüssel das Europa-Büro von "Friends of the Earth" geleitet. Für Umweltorganisationen arbeitet er auch nach seiner Rückkehr nach Amerika als Mitarbeiter weiter, und irgendwann fielen ihm die vielen großen ungenutzten Rasenflächen auf. Er begann zu überlegen, "wie man Leute dazu bewegen kann, ihr eigenes Gemüse anzubauen und so zum Teil einer großen Bewegung zu werden und sie zusammenzubringen, damit sie erkennen, dass sie gemeinsam eine bedeutende Ressource darstellen".

Als Umwelt-Lobbyist kann Doiron die Gründe dafür runterrasseln, zum Beispiel, dass jedes einzelne Nahrungsmittel in den USA im Durchschnitt 1500 Meilen bewegt wird, bevor es auf dem Teller des Konsumenten landet. Doiron betont, dass es Sinn macht, wenn frisches Obst in Kalifornien produziert wird und Getreide im mittleren Westen - "aber warum muss grüner Salat von der Westküste hergeschafft werden?" Doiron redet schnell, mit Biss und mit Charme. Und der Erfolg von KGI macht ihm das Reden offenbar noch leichter.