Männliche Plus-Size-Models Gesucht: dicke schöne Männer

Plus-Size-Männermodel Thomas Gläßer wird zwei- bis dreimal im Monat für ein Fotoshooting gebucht.

(Foto: Trigema)

Männliche Plus-Size-Models - es gibt sie tatsächlich. Noch sind sie eine Randgruppe der Modebranche, doch das könnte sich ändern.

Von Viktoria Bolmer

Weibliche Plus-Size-Models haben sich ihren Platz in der Modebranche in den vergangenen Jahren hart erkämpft. Nach heftiger Kritik an Size Zero und Magerwahn stolzieren auch Frauen mit Kleidergröße 42 oder 44 über die Laufstege namenhafter Modelabels. Ein männliches Äquivalent zu dieser Entwicklung lässt bislang auf sich warten. Dass es überhaupt männliche Models für große Größen gibt, ist bisher eher unbekannt.

Ingrid Martin ist Geschäftsführerin der Agentur "MOS" und vertritt auch männliche Plus-Size-Models. "Es ist vergleichsweise schwierig, gute Plus-Size-Männer zu finden", sagt Martin. Die kämen von allein meist gar nicht auf die Idee, zu modeln. Die Initialzündung dafür müsse von außen kommen - zum Beispiel durch Bekannte.

Auch Thomas Gläßer hatte eigentlich keine Modelkarriere im Sinn. 2008 suchte ein großes deutsches Versandhaus "coole XXL-Typen für den Katalog", erzählt der 43-Jährige. Seine Mutter habe ihn darauf aufmerksam gemacht, seine Freundin die Unterlagen für die Bewerbung angefertigt. Als sie ihn fragte, ob sie die Bewerbung wegschicken dürfe, habe der Nürnberger sich gedacht: Klar, warum nicht?

Die Kunden sind Versandhäuser oder Textildiscounter

Gegen 900 Bewerber setzte Gläßer sich durch und flog für ein Fotoshooting nach Miami. Fast zwei Jahre modelte er für das Versandhaus, bis es Insolvenz anmeldete. Gläßer nutzte die Kontakte, die er in der Branche geknüpft hat. Und machte weiter.

Katalogfotos - ein klassischer Auftrag in der Plus-Size-Modelbranche. Die Männer aus ihrer Agentur würden vorwiegend für Versandhäuser oder Textildiscounter mit Mode für große Größen arbeiten. Aber auch aus der Pharmaindustrie gebe es Anfragen. "Erstaunlich oft werden sie auch für Diabetikerprodukte gebucht", sagt die Geschäftsführerin der Modelagentur.

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Fashionblogs geben Stylingtipps für XL-Männer

Es gibt sie also, die Plus-Size-Typen in der deutschen Modebranche. Neu im Geschäft ist Claus Fleissner. Auf seinem Blog "Extra Inches" präsentiert der 37-Jährige Lieblingsteile, gibt Einkaufstipps und stellt modeinteressierte XL-Männer und deren Stil aus ganz Deutschland vor.

In den USA wirbelt derzeit der korpulente Josh Ostrovsky die Blogger- und Fashionwelt auf. Unter dem Künstlernamen "The Fat Jew" folgen ihm bei Instagram Millionen User. Sein Stil: Hauptsache bequem. Über die Präsentation seiner Modelinie berichtete vergangenen September auch die Vogue.

Dennoch haben die fülligen Herren es bisher nicht auf die omnipräsenten Werbeflächen der Städte geschafft. Und das, obwohl die Zielgruppe sogar größer ist als die der Frauen: 2013 waren in Deutschland 62 Prozent der Männer übergewichtig, bei den Frauen waren es 43 Prozent.

Gut verteilte Kilos

Der Markt für männliche Plus-Size-Models sei insgesamt eben noch viel unbedeutender als der für Plus-Size Frauen, sagt Martin. Dem stimmt auch Männermodel Gläßer zu: "Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Jobs in diesem Bereich." Zwei- bis dreimal im Monat wird er für ein Fotoshooting in Hamburg oder Düsseldorf gebucht. Für ihn ist das Modeln eher ein Hobby, hauptberuflich arbeitet er als Qualitätsmanager. "Ich bezweifle, dass es überhaupt ein Männermodel für große Größen gibt, das davon leben kann."

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Auch wenn zusätzliche Pfunde erlaubt und sogar erwünscht sind: Ansonsten gelten bei männlichen Plus-Size-Models dieselben Schönheitsideale wie im Rest der Modebranche. "Er muss mindestens 1,80, maximal 1,90 Meter groß sein und schöne Haare haben. Gute Zähne und Fotogenität sind ebenfalls wichtig. Die Pfunde sollten gut verteilt sein, fest und nicht wabbelig", so Martin. Gut verteilt bedeutet: nicht nur am Bauch. Denn auch das erschwert die Suche - bei den meisten fülligeren Männern sitzen die Pfunde nunmal in der Körpermitte.