Verzicht als Ritual Fasten und Mund halten

Detoxtee - ein Trendprodukt.

(Foto: Dominik Martin/Unsplash)

Moralische Überhebung und Unterscheidungsrhetorik sind das Schwierigste am Fasten. Selbstoptimierung ist gut, darüber zu schweigen ist besser.

Kommentar von Matthias Drobinski

Und - was fastest du? Wer jetzt keine gute Antwort hat, ist ein armer Tropf. Kein Alkohol oder keine Süßigkeiten bis Ostern wäre das Mindeste; besser klingt natürlich: "Wir haben da ein wunderbares kleines Hotel, da sind wir eine Woche und trinken nur Saft und fühlen uns wie neu geboren!" Am besten so laut gesagt, dass es jeder mitbekommt. Verzicht ist der neue Wohlstand. Wer fastet, hat sich im Griff; wer es vierzig Tage durchhält, zeigt die nötige Disziplin, anders als diese dumpfen Konsumbürger. Je mehr es darauf ankommt, singulär zu sein oder zu scheinen, desto mehr ist das ein schönes Unterscheidungsmerkmal.

Kurz und schlecht: Das um sich greifende Selbstoptimierungsgewese, ansteckend wie die Influenza B, bemächtigt sich zunehmend des Fastens. Und wer bleiben will, wie er ist, kriegt den Entschlackungsdruck zu spüren: Wie, du willst dein Leben nicht ändern? Schau nur, wie gut mir das Kasteien tut! Wenn ihr fastet, macht das gleiche Gesicht wie immer, hat dieser Jesus einmal gesagt.

Das glaubt der doch selber nicht. Liebe Faster: Verzichtet fleißig und aus vollem Herzen! Entsagt dem Alkohol, Zucker, Nikotin; besser: Starrt mal einen Tag nicht ständig aufs Smartphone oder versucht, nicht alles besser zu wissen! Aber haltet den Mund. Verzichtet auf die moralische Überhebung und auf die Unterscheidungsrhetorik - auch wenn es das Schwierigste am Fasten ist. Und macht den disziplinlosen Hedonisten das Leben nicht noch schwerer.

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