Kulturelles Engagement von Modemachern Mit Fendi gegen den Verfall

Stars oder Kulturdenkmäler: Die italienischen Modeunternehmen verleihen vielem einen neuen Glanz.

(Foto: REUTERS)

Der Trevi-Brunnen bröckelt, das Kolosseum zerfällt - wer könnte besser helfen, die kaputten Fassaden wiederherzustellen, als die Mode? In Italien spendieren Modeunternehmer Millionensummen, um Kulturdenkmäler zu restaurieren. Nicht ganz uneigennützig, versteht sich.

Von Andrea Bachstein, Rom

Diesen Trend können nicht mal die verschmocktesten Modeexperten kritisieren: Immerhin dient er der Wiederherstellung gefährdeter Schönheiten. Gesetzt haben ihn drei italienische Designhäuser, die sonst einen sehr unterschiedlichen Stil pflegen. Den letzten Scoop hat das Luxuslabel Fendi gerade während der römischen Modewoche gelandet: 2,5 Millionen Euro will es stiften, damit Roms größter Brunnen restauriert werden kann - die weltberühmte, aber leider bröckelnde Fontana di Trevi.

Und nicht nur diese Attraktion wird mit dem Geld hergerichtet, "Fendi for Fountains" finanziert auch die Instandsetzung der Quattro Fontane aus dem 16. Jahrhundert, vier kleine Brunnen an einer Kreuzung auf dem Quirinalshügel.

Roms Bürgermeister Gianni Alemanno wirkte hinreichend beglückt, als Silvia Venturini Fendi das Engagement ihrer Firma präsentiert hatte. Dies geschah natürlich im angemessenen Ambiente: in der Sala Esedra der Kapitolinischen Museen; die antike Reiterstatue Marc Aurels hatte Signora Fendi dabei hinter sich und den Fendi-Designer Karl Lagerfeld neben sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Bürgermeister über die Großzügigkeit eines Modeunternehmers freuen darf. Anfang 2011 wurde der derzeit wohl spektakulärste Fall von Mäzenatentum bekannt: die Restaurierung des Kolosseums. Dafür blättert Diego Della Valle, Chef der Luxusgruppe Tod's, 25 Millionen Euro hin. Ein dritter Modeunternehmer hat erst vor wenigen Wochen verkündet, dass auch er viel Geld für alte Bausubstanz stiften will: Renzo Rosso, Gründer des Labels Diesel. Seine Holding OTB gibt fünf Millionen Euro, damit sich die Rialto-Brücke in Venedig weiter in voller Schönheit über den Canal Grande spannen kann.

Investitionen mit Symbolkraft

Die privaten Geldgeber sind ein Geschenk des Himmels für Kommunen und Denkmalbehörden: "Ohne solche Initiativen könnten wir das Kulturerbe unseres Landes nicht erhalten", räumte das römische Stadtoberhaupt ein. Öffentliches Geld ist, vorsichtig formuliert, knapp in Italien. Auf der anderen Seite gibt es so viele Kunst- und Kulturschätze zu unterhalten wie sonst nirgendwo. Nun erfüllt sich offenbar allmählich Della Valles Hoffnung, dass andere, die wie er in der Welt für "Made in Italy" stehen, seinem Vorbild folgen und Italien etwas zurückgeben.

"Zu meiner Verantwortung gehört es auch, das Kulturerbe meines Landes zu erhalten" sagt etwa der aus dem Veneto stam-mende Diesel-Gründer Rosso: "Die Rialto-Brücke ist eine italienische Ikone in der ganzen Welt, und sie gehört der ganzen Welt genau wie meine Marken." Bei Silvia Venturini Fendi klingt das ähnlich. Ihr Unternehmen will an seinen römischen Ursprung erinnern, aber der Trevi- Brunnen, so die Signora, sei eben auch ein wichtiges Symbol für das Land.

Nun stecken alle drei Sponsoren ihr Geld natürlich nicht in unbekannte Kunstjuwelen, sondern in Bauwerke, die zu den berühmtesten überhaupt gehören. Das garantiert weltweite Aufmerksamkeit und ist nie verkehrt fürs Image. Wenn der Nimbus von Kunst und Geschichte auf die Marke abfärbt, haben die Unternehmer ganz gewiss nichts dagegen. Sie wollen sich nach eigenem Bekunden allerdings mit Produktwerbung bei den Restaurierungsprojekten zurückhalten.

Am elegantesten tut das Fendi - nur eine 30 mal 40 Zentimeter große Metallplatte neben der Fontana die Trevi wird daran erinnern, wer ihren neuen Glanz spendiert hat. Renzo Rosso verspricht, dass sein Label während der 18-monatigen Arbeiten an der Rialto-Brücke "so wenig wie möglich störend" im Stadtbild Venedigs präsent sein werde. Und Diego Della Valle wird auch - anders als befürchtet - keine Schuhwerbung ans Kolosseum hängen. Er hat sich nur ausbedungen, dass der Firmenname künftig auf den Eintrittskarten auftaucht.

Della Valle hat einiges wegstecken müssen seit seiner Zusage über die 25 Millionen Euro. Im Sommer 2011 präsentierte er im Kolosseum noch stolz Details des Projektes, die Abendsonne tauchte das 2000-jährige Gemäuer in magisches Licht, alle freuten sich. Was sollte jetzt noch schiefgehen? Ein halbes Jahr später stand der Spender kurz davor, alles hinzuschmeißen. Es gab nicht nur zahlreiche bürokratische Hürden, Della Valle standen sogar Klagen ins Haus. Verbraucherschützern fanden, seine Firma profitiere unangemessen von dem Sponsoring. Die Sache kam nicht vor Gericht, und Della Valle hat auch nicht aufgegeben.

Begonnen allerdings hat die Restaurierung immer noch nicht. Bis jetzt streiten zwei Baufirmen vor Gericht, wem der Auftrag zusteht. Voraussichtlich nächste Woche fällt die Entscheidung. Dann soll es endlich losgehen - "zumindest kann man das hoffen", sagt Cristiano Brughitta vom Ministerium für Kulturgüter mit leiser Skepsis. Roms Bürgermeister hofft derweil auf weitere Spender: Vier Millionen fehlten dringend, um das Grabmal des Augustus in Stand setzen zu können! Das Mausoleum, ein mächtiger Zylinderbau aus dem Jahr 29 vor Christus, steht mitten Rom - dennoch, im Vergleich zu Trevi-Brunnen und Kolosseum ist es B-Prominenz. Ob die Mode da anbeißt?