Kochnische zum perfekten Frühstücksei Harte Schale, wachsweicher Kern

Nach Gefühl kochen? Hat schon bei Loriot nicht funktioniert.

(Foto: SZ.de / Christina Metallinos)

Ob hart- oder weichgekocht: Zum klassischen Sonntagsfrühstück gehört ein Ei. Ein britischer Koch hat eine ungewöhnliche Methode entwickelt, den optimalen Garpunkt zu treffen. Ein Test.

Von Christina Metallinos

Gerade Klassiker sind im Grunde nicht sehr aufwändig herzustellen. Und doch gibt es eine immerwährende Debatte über die einzig wahre Form der Zubereitung. Das gilt für das Steak (unbedingt zuerst scharf anbraten! Nein, besser sachte angedünstet und dann nochmal ins Rohr! Lieber von außen nach innen. Oder umgekehrt gegart?) und ebenso für das perfekte Frühstücksei.

Dieses sollte, darin immerhin sind sich die Frühstücker durchwegs einig, ein Eiweiß aufweisen, das weder glibberig noch schnittfest ist. Sondern von gestockter Konsistenz. Darin ein wachsweiches Eigelb, das man gegebenenfalls zum Schluss mit etwas Brot auftunken kann.

Um dies zu erreichen, haben Menschen weltweit bereits alles mögliche versucht: Eier in sprudelndes, in siedendes oder in kaltes Wasser gelegt. Den Herd nach drei, nach vier oder nach fünf Minuten abgedreht. Das Ei lange, kurz oder gar nicht abgeschreckt. Es mit "Kochen nach Gefühl" versucht. Schließlich die Herausforderung an den elektrischen Eierkocher deligiert - der nach einigen Versuchen im Regal, noch hinter der Orangenpresse und der Nudelmaschine, landete.

Nie mehr Streit ums Ei

Selbst der unvergessene Loriot hat sich des Themas angenommen und ließ sich von der Frühstücksei-Problematik zu einem seiner grandiosesten Werke inspirieren. Genutzt hat es wenig: Das Frühstücksei, es macht immer noch, was es will. Mal ist es zu weich, mal zu hart - als hätte es ein Eigenleben.

Der britische Koch Heston Blumenthal hat eine Methode vorgestellt, die - diesmal aber wirklich, ganz bestimmt! - dafür sorgen soll, dass sich Paare am Frühstückstisch nicht mehr wegen eines Hühnereis in die Haare kriegen. Das Ei wird dabei nicht bis zum Ende gekocht, sondern zieht im heißen Wasser nur durch. Das soll, so Blumenthal, die perfekte Konsistenz gewährleisten und verhindern, dass das Eiweiß gummiartig wird.

Kochen, wegziehen, ziehen lassen

Für meinen Versuch verwende ich Bio-Eier aus Kräuterfütterung, die besonders würzig schmecken. Und so funktioniert's: Das Ei in einen kleinen Saucentopf legen, und so viel Wasser einfüllen, dass es gerade bedeckt ist. Deckel auflegen und auf höchster Stufe erhitzen. Sobald das Wasser kocht, Topf vom Herd nehmen und sechs Minuten lang ziehen lassen.

Doch wann genau kocht das Wasser laut Blumenthal? Wie schnell muss das Ei verzehrt werden? Und: Sollte man es abschrecken? Hier einige Erkenntnisse aus diversen Versuchen:

  • Den Topf sollte man von der heißen Herdplatte ziehen, sobald die ersten, kleinen Luftbläschen nach oben steigen. Das Wasser darf auf gar keinen Fall sprudeln - sonst wird das Ei zu hart. Deshalb möglichst einen Glasdeckel verwenden, in der Nähe des Topfes bleiben und ab und zu einen Kontrollblick wagen.
  • Dafür verzeiht das fertige Ei problemlos fünf Minuten Wartezeit auf die frischen Semmeln. Abschrecken braucht man es nicht, das würde zu viel von der Resthitze nehmen.
  • Eier der Größe L funktionieren am besten. Kleine werden zu schnell hart, XL-Eier bleiben innen manchmal labberig.

Nach dem fünften Mal Ei zum Frühstück zeigt sich: Blumenthal hat Recht. Das perfekte Frühstücksei muss nicht kochen, sondern gar ziehen.

Jetzt lässt sich nur noch über eine Sache streiten: Ob man sein Ei lieber köpft oder bedächtig die Schale abklopft.

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