Grill-Reinigung Wenn das letzte Steak gegrillt ist

Es ist nicht mehr zu verleugnen: mit dem nasskalten Herbstwetter ist die Grillsaison endgültig beendet. Jetzt müssen Rost und Zange geschrubbt werden - mit Tipps von Profis. Die schrecken auch nicht davor zurück, emsige Krabbeltiere die ganze Arbeit machen zu lassen.

Von Merle Sievers

Alle waren zur großen Grillparty gekommen, jeder hatte etwas anderes mitgebracht. Der Hausherr legte seine marinierten Nackensteaks auf den Rost, der Nachbar seine selbst geangelte Forelle, die Vegetarier quetschten noch ihre gefüllten Paprikaschoten daneben und dazwischen röstete das mit Käse gefüllte Fladenbrot der Kinder seiner Bräunung entgegen. Natürlich hatte nach der Party niemand mehr Lust aufzuräumen. Und so stand der Grillmeister am nächsten Tag leicht verzweifelt vor einem schwarz-verbrannten Etwas mit verkrusteten Essensresten und fettigen Gitterstäben.

Tagelang stand der Grill herum wie ein verkohlter Hausgeist. Alle Familienmitglieder schlichen um ihn herum, immer in der Hoffnung, dass sich irgendjemand schon erbarmen oder der Dreck sich mit der Zeit in Luft auflösen würde. Das passierte natürlich nicht.

Bei aller Liebe zum Grillen: Den Grill zu putzen ist eine nervige Angelegenheit. Dennoch haben wir ein paar Tipps, wie das Schrubben ein bisschen einfacher von der Hand geht.

Druckerschwärze gegen Schwarz

Zeitung ist ein Multifunktionsprodukt. Man kann sich über das Weltgeschehen informieren, Fisch damit einwickeln, Malerhüte falten oder den Kamin anheizen. Und tatsächlich kann man damit auch einen dreckigen Grillrost reinigen. Einfach den Rost nach dem Grillen in Zeitungspapier einwickeln und mit der Gieskanne bewässern oder über Nacht im feuchten Gras liegen lassen. Am nächsten Morgen ist die schwarze Kruste so weit aufgeweicht, dass sich der Schmutz einfach mit einem Lappen entfernen lässt.

Im Knopfumdrehen

Ach wie schön wäre es, wenn man sich nach dem Grillen einfach zurücklehnen könnte und sich das Saubermachen von selbst erledigen würde - wie im Märchen. Für die Besitzer eines Gasgrills ist das tatsächlich möglich. Wenn das letzte Steak gegrillt ist, einfach den Hitzeknopf noch mal voll aufdrehen. Bei 350 Grad brennen auch die klebrigsten Reste vom Rost runter. Die Methode funktioniert ähnlich wie die eines selbstreinigenden Backofens. Da Knöpfe, Hebel und Feuer eine besondere Anziehungskraft auf Kinder ausüben, sollte beim finalen Einheitzen besonders darauf geachtet werden, dass sich diese nicht in der unmittelbaren Nähe des Grills aufhalten.

Braune, graue und krabbelnde Helfer

Begibt man sich in diversen Grill- und Haushaltsforen auf die Suche nach Tipps zum Saubermachen von Grillutensilien, stolpert man über kuriose, aber nützliche Ratschläge. Einer davon lautet, dass man den Grillrost mit kaltem Kaffeesatz abreiben soll. Der wirke dabei wie ein Schmiergelpapier, das alle Reste, auch zwischen den Streben, entfernt. Ein anderer Ratschlag ist, einen feuchten Schwamm in die Asche der verbrannten Holzkohle zu tunken und damit den Grill zu putzen. Klingt plausibel, schließlich wurde früher aus Grillasche noch Seife hergestellt. Und dann gibt es da noch eine gemütliche Methode, bei der man andere die Arbeit erledigen lässt. Wer am Rande eines Waldes wohnt, kann den dreckigen Rost einfach in die Nähe eines Ameisenhaufens legen. Über Nacht bedienen sich die kleinen Krabbeltiere dann ausgiebig an den verkohlten Essensresten, sodass das Gitter am nächsten Morgen vom gröbsten Dreck befreit ist. Allerdings sollte der Ameisenhaufen nicht allzu groß sein - nicht, dass die Kolonie noch den ganzen Rost abtransportiert.

Fette Vorsorge

Es ist wie beim Arzt: Gute Vorsorge erspart aufwendige Nachbehandlung. Auch beim Grillen kann man im Vorhinein dafür sorgen, dass der Rost nicht so sehr verkrustet. "Dafür sollte man das Gitter vor dem Grillen mit etwas Speiseöl einreiben, egal ob Raps-, Sonnenblumen- oder Olivenöl. Damit pappt das Fleisch nicht so stark an und lässt sich leichter wenden", sagt Grill- und Barbecuemeister Michael Hoffmann.

Wer also das nächste Mal beim Losen ums Saubermachen den Kürzeren zieht, braucht nicht direkt zu verzweifeln. Lieber den Finger in die Asche tauchen, sich schwarze Kriegsbemalung ins Gesicht malen und dem Dreck den Kampf ansagen.

Das rät der Profi: Gelassener Griff zum Putzlappen
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"Auch bei uns im Grill-Team ist das Putzen die lästigste Arbeit. Deswegen putzen wir meistens nicht direkt nach dem Grillen, sondern erst kurz vor dem nächsten Mal. Manchmal fahren wir mit unseren Grills in die Waschanlage, wo dann mit einem Dampfdruckstrahler der ganze Dreck weggepustet wird. Wem das zu aufwändig ist, dem empfehle ich das einfache Schrubben mit einem Stahlschwamm, Wasser und Spülmittel. Man sollte seinen Grill schon gut pflegen, aber regelmäßiges Abbürsten und Reinigen reicht vollkommen. Das Gerät muss nicht jedes Mal glänzen wie neu."

Michael Hoffmann, amtierender Grillkönig Deutschlands