Flitzer bei Mailänder Fashion Week Von Nackten und Bloggern

Das große Finale bei Dolce&Gabbana: ein deutscher Flitzer in Italien

(Foto: dpa)

Bilder von Modeschauen sind oft recht eintönig. Das dachten sich wohl auch zwei deutsche Blogger und beschlossen, das Defilee von D&G zu sprengen. Mithilfe eines Flitzers - und eines italienischen Fußballkommentators.

Bilder von Modeschauen ähneln sich in der Regel sehr: Große dünne Menschen in der Vertikale. Zwar tragen sie mitunter Bizarres, Verrücktes oder zumindest, wie die Herren jetzt in Mailand, sehr Buntes. Aber am Ende zeigen die Fotos alle menschliche, laufende Kleiderständer. Alle Fotos? Nein! Bei der Dolce&Gabbana-Schau am Sonntag kaperte ein Mann aus Deutschland die Ikonographie - als Flitzer.

Mitten hinein in den Final-Applaus platzt der Nackte aus dem Zuschauerraum, rennt den Laufsteg hinunter, als ginge es um sein Leben oder zumindest um den Sieg seines Fußballvereins. Ist das Kunst? Kritik vielleicht an den Modeschöpfern, denen es nach dem Urteil zu Steuerhinterziehung an die Wäsche gehen könnte?

"Das war reiner Zufall", sagt Jakob Haupt zu Süddeutsche.de. Der Anarcho-Blogger und Mitbegründer von Dandy Diary hat die Aktion mit ersonnen. "Das Urteil kam uns aber gelegen, weil wir so keine großen juristischen Folgen zu befürchten haben. Die sind gerade anderweitig beschäftigt."

Tatsächlich ging es bei der Aktion nicht um Steuerbetrug, sondern um Sport. Darum, den Zusammenhang zwischen Mode und Sport ("Der ist doch ominpräsent: Schuhe, Kappen, Shirts") auf die Spitze zu treiben, den "subversiven" Moment zu betonen, in dem "der Fan sich rausnimmt, mitzumischen", wie Haupt sagt. Übersetzt wird diese Botschaft von einem italienischen Sportkommentator, der die Videobilder der Aktion kommentiert wie ein Fußballmatch.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Jungs von Dandy Diary für Tumult sorgen: Vergangenes Jahr präsentierten sie zur Berliner Fashion Week ihren Fashion-Porno "Será el Comienzo". "Nacktheit ist immer was, das provoziert", sagt Haupt. Er wolle gar nicht herausstechen aus der glattgebügelten - er sagt "sehr langweiligen" - Modeblogosphäre. "Das passiert aus Versehen. Ich fände es auch besser, wenn die anderen verrückter wären."

Der Flitzer selbst will sich nicht zu Erkennen geben, er hat eine Freundin (die vorab ihr Einverständnis erklärte) und einen Bürojob (mit Anzug und Krawatte).