Fashionspießer: Leggins als Hosen-Ersatz Bedeckt eure Popos

Eine Leggins ist keine Schande, aber: Sie ist auch keine Hose. Trotzdem scheint die Kombination von hautengem Stoffhöschen und kurzem Oberteil immer mehr Anhängerinnen zu finden. Das muss schnellstens wieder aufhören. Eine Stilkolumne.

Von Matthias Kohlmaier

Wie wohlgeformt ein weibliches Hinterteil auch sein mag - eine Leggins ist trotzdem kein adäquater Hosen-Ersatz.

(Foto: REUTERS)

Sie sind überall: in Fußgängerzonen, Diskotheken, Restaurants, Universitäten, sogar Schulen. Junge Frauen, manchmal noch jüngere Mädchen, deren Beine in strumpfhosenartigen Röhren stecken. Leggins nennen sie das dann. Wie eine Wurst in der Pelle sehen sie damit aus - jedenfalls die Mehrheit, die nicht die Topmodel-Maße von Bar Refaeli hat.

Grundsätzlich ist nichts gegen eine attraktive Dame im hautengen Beinkleid zu sagen. Wenn es seinen eigentlichen Zweck erfüllt. Es gibt nämlich einen guten Grund, Leggins zu tragen: Weil sie - im Gegensatz zu einer Jeans - weder Bündchen noch Knopf oder Reißverschlüsse besitzen, die sich als undefinierbare Knubbel und Wülste unter einem enganliegenden Oberteil abzeichnen und die Figur versauen. Das setzt aber voraus, dass die Trägerin auch ein ausreichend langes Oberteil dazu trägt.

Im Klartext: Liebe Frauen, bedeckt in der Öffentlichkeit euer Hinterteil, egal, wie hübsch es geformt sein mag. Und völlig egal, wer euch wie oft gesagt hat, ein kurzes Top zur Leggins sei doch sehr süß und sexy. Das ist eine Lüge. Eine Leggins, die den Hintern präsentiert, wirkt niemals süß. Höchstens sexy - wenn man auf pinken Nagellack und Daniela Katzenberger steht. Ansonsten sieht ein freier Hintern in Leggins aus, als hätte man vergessen, einen Rock anzuziehen und wäre in Strumpfhose und bauchfreiem Shirt auf die Straße gejagt worden.

Eine Leggins ist nämlich keine Hose - und wird auch niemals eine sein. Eine hübsche Tunika, ein mittellanges Kleid oder ein wallendes Longshirt - das kann zur Leggins alles sehr toll aussehen und den Betrachter, unabhängig von Geschlecht und sexueller Präferenz, in Verzückung oder Neid versetzen. Nur leider hat sich in den vergangenen Jahren in Fragen der Leggins-Kombinatorik ein gewisser Schlendrian eingeschlichen. Und der scheint sich unglücklicherweise umgekehrt proportional zum Alter der Trägerin zu verstärken.

Denn es sind meist jüngere Damen zwischen Pubertät und Endzwanzigertum, die ihre Kehrseite gerne in hautenger Leggins zur Schau stellen. Und zwar ganz ohne weitere bedeckende Stoffschicht. Dieses öffentliche Quasi-Entblößen gewährt dann bei recht alltäglichen Bewegungen (Aufheben eines beliebigen Gegenstandes vom Boden oder Binden der Schnürsenkel) unbeabsichtigt höchst intime Einblicke.