Fashionspießer: Lack-Daunenjacken Hört auf zu glänzen!

Es ist nicht alles gut, was glänzt: Lack-Daunenjacken würden wir gerne aus den Kleiderschränken dieser Welt verbannen.

Wer sich bei arktischen Temperaturen in das Wärmste hüllt, was greifbar ist, hat modisch vielleicht nicht viel zu bieten. Doch der Versuch, in winterlichen Extremsituationen eine gute Figur zu machen, kann nach hinten losgehen. Zumal, wenn eine glänzende Daunenjacke im Spiel ist.

Von Felicitas Kock

Überdimensionale Schals, idiotische Mützen, Ugg-Boots: Es ist nicht leicht, sich im Winter warm und gleichzeitig stilvoll zu kleiden. Jeden Herbst wandert die coole Lederjacke mit dem hübschen Sommerkleid in den hinteren, dunklen Teil des Schranks, in dem sonst nur die Geister alter, ausgedienter Kleiderleichen hausen. Ihre mehrmonatige Auferstehung feiert stattdessen eine Reihe unförmiger, schwerer Riesenklamotten, die vor allem anfangs noch ein wenig fremd und staubig riechen.

Je kälter die Temperaturen, desto unförmiger und riesiger wird es - und das ist auch gut so, wer will schon frieren, wenn er sich stattdessen in den wärmsten Wintermantel aller Zeiten hüllen kann?

Schlimm wird es erst, wenn Menschen zwanghaft versuchen, in ihrer Winterkluft eine gute Figur abzugeben. Bisweilen funktioniert das, dann sollte die Bewunderung umso größer ausfallen. Wenn es nicht klappt, ist nicht selten eine Lack-Daunenjacke involviert. Die Rede ist von den mal schwarzen, mal quietschbunten Jacken, die aussehen, als hätte jemand einen Müllbeutel abgesteppt. Daunen in Plastik. Glänzend wie ein Ölfilm.

Nun wäre das Recycling alter Müllsäcke prinzipiell natürlich zu begrüßen. Hut ab vor allen, die ihre Flaschen zum Altglascontainer bringen und Papiermüll trennen, die alte T-Shirts zu Putzlappen und Bananenkisten zu Umzugskartons umfunktionieren. Aber die Winterjacke als Hommage an den Wiederverwertungsgedanken? Wohl kaum.

Beim Müllsack-Look geht es den Trägern allein um das Aussehen. Was auch dadurch bestätigt wird, dass hier gerne mit Accessoires "gespielt" wird. Ein Gürtelchen, das den Kältepanzer in der Mitte zusammenschnürt und der Trägerin auf diese Art eine Wespentaille verleiht. Glitzersteinchen für alle, denen der Plastik-Glanz alleine noch nicht genug ist. Und dann natürlich die Krönung für St.-Moritz-Fans und solche, die es werden wollen: Pelzbesatz an der Kapuze.

Egal mit welcher Ausstattung, die Plastikjacke gibt es in sehr billig bis sehr teuer. Wer sich also kleiden will wie Ölkatastrophen-Rettungs-Barbie, der kann sich das auch leisten. In jüngster Zeit hat der Trend jedoch noch eine weitere interessante Ausprägung erfahren: Die Jacke ist auch für Ölkatastrophen-Rettungs-Ken erhältlich und wird tatsächlich getragen.

Mode als Mutprobe

Zwar finden sich unter dem Stichwort "Lack-Daunenjacke" einige Foren-Einträge, in denen Männer die Internetgemeinde befragen, ob sie sich ein derartiges modisches Wagnis zutrauen sollen. Ganz geheuer scheint ihnen die Sache also nicht. Doch trotzdem - und obwohl die Antwort der Internetgemeinde ein entschiedenes "Nein" ist - gibt es immer wieder risikofreudige Männer, die den Mut zum Lackfummel ganz offen ausleben. Gerne auch auf der Skipiste und im Partnerlook mit der Herzensdame.

Vielleicht handelt es sich dabei um ein ähnliches Phänomen wie beim rosa T-Shirt. Da bildet sich ja auch so mancher ein, das könnte nur ein echter Mann tragen. Eine Art Mutprobe also, nur dass niemand mehr gegen einen Drachen kämpfen oder nachts ins Schwimmbad einbrechen muss. Extravagante Oberbekleidung reicht.

Gut, dass es bald wärmer wird und die Zeit der Winterklamotte ihrem Ende entgegen eilt. Denn wer weiß, vielleicht wird die Lack-Jacke dann ja lieber recycelt, während all die unförmigen, großen Mäntel wieder an ihren angestammten Platz ganz hinten im Schrank zurückkehren. Dahin, wo es dunkel und mottenkugelig ist.