Fashionspießer: Hündchen in der Tasche Beutelratte ohne Bodenhaftung

Und während seine Artgenossen bei Fuß gehen, hat die trendige Beutelratte jede Bodenhaftung verloren. Hechelnd glotzt der Mikrohund aus Brusthöhe in die Welt und lässt sich widerstandslos durch Boutiquen, Nagelstudios und Fastfood-Restaurants schleppen. Damit ist der Achselhund in Zeiten erzwungener Mobilität und Gehälterstagnation der ideale Begleiter in der Krise: so nomadenhaft wie seine Besitzerin und dabei extrem sparsam im Unterhalt.

Weil das mit der Krise noch ein Weilchen dauern wird, ist auch nicht damit zu rechnen, dass uns der Anblick von Achselhunden so bald erspart bleibt. Immerhin überdauerte er Golden Retriever ebenso wie Labrador, Mops und französische Bulldogge, saß sogar experimentelle Kreuzungen wie Schnoodle und Labradoodle aus. Selbst wenn sich mit dem Langhaardackel (der vorwiegend auf Ludwig oder Maximilian hört) bereits ein neuer Trend anbahnt: Der Chihuahua verteidigt weiter seinen Rang als It-Hund, weil man ihn sich so lässig über die Schulter werfen kann.

Muss man also künftig die Tasche dem Hund anpassen oder den Hund der Tasche? Wenn es uns gelungen ist, den Labrador mit einem Pudel zu einem Labradoodle zu kreuzen - warum nicht auch einen taschenkompatiblen, kastenförmigen Chihuahua ohne Beine? Ein süßes Gesicht mit Fledermausohren genügt schließlich. Abends holt man ihn dann raus und setzt ihn aufs Nachtkästchen oder positioniert ihn als Buchstütze neben die Sex-and-the-City-DVDs.

Unpraktisch ist so ein beinloser Achselhund nur, wenn man ihn irgendwo vergisst. Jetzt nur mal angenommen, seine Besitzerin lässt ihn versehentlich im Regen stehen. Tja, da bliebe er dann, der Chihuahua, verdammt zur Regungslosigkeit. Und würde sich vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben wie ein richtiger Hund, nämlich wie ein begossener Pudel, fühlen.