Fashionspießer: Fußbekleidung Ruckedigu, barfuß im Schuh

Viel Schuh, keine Socke: Ein Fehler

(Foto: Süddeutsche.de)

Mit den ersten Sommerblumen sprießen bei Männern gelegentlich modische Unsitten. Womöglich sind sie aufgrund zu vieler Anweisungen verwirrt. Fest steht: Keine Socke ist auch keine Lösung. Eine Modekolumne.

Von Felicitas Kock

Du darfst keine Tennissocken in deinen Straßenschuhen tragen, vor allem nicht in Sandalen. Dieses Gebot versuchen modebewusste Frauen ihren männlichen Freunden und Verwandten seit Jahrzehnten einzubläuen. Weil so eine Tennissocke entweder weiß strahlt und sich damit allzu deutlich vom meist in dunklen Farben gehaltenen Schuhwerk absetzt. Oder weil sie eben nicht mehr weiß strahlt, stattdessen einen schmutzigen Grauschleier angesetzt hat, fuselt und auch sonst wenig appetitlich aussieht.

Die Tennissocke trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Es handelt sich um Fußbekleidung, die beim Tennis - gut, wir wollen mal nicht so engstirnig sein - beim Sport allgemein getragen werden darf. Außerhalb dessen ist sie dagegen zu meiden. Sieht eben nicht aus, so ein Baumwoll-Elasthan-Strumpf, auf halbe Schienbeinhöhe hochgezogen und mit rot-grünen Ringeln unterm Bündchen.

Auch bunte Socken an ausgewachsenen Männerfüßen gefallen nicht jedem. Im Winter ist das Thema kaum der Rede wert, da der Abstand zwischen Hosenbeinende und Schneeschuhanfang mit sinkenden Temperaturen ebenfalls gegen Null geht. Doch mit wärmerem Wetter und kürzeren Hosen steigt das Diskussionspotential, wenn die italienische Tricolore aus dem Lederschuh hervorblitzt oder ein verschmitzt dreinblickender Bart Simpson über die Wade des jung gebliebenen Mittvierzigers skatet.

So klein eine Socke sein mag, so groß ist bisweilen das Aufhebens, das um sie gemacht wird. Doch auch der scheinbar einfachste Weg aus dem Dilemma - gar keine Socken mehr zu tragen - ist nicht immer der beste. Im Sommer, bei Tageslicht und an der frischen Luft, auf Almwiesen und an Stadtstränden, ist barfüßiges und sandalenbewehrtes Umherschlendern zwar erlaubt. Jedoch nur, wenn zwei wichtige Anforderungen erfüllt sind.

Verboten: Der klassische Hobbit

Zunächst das Naheliegende: Jemand, der seine Füße nackend oder nur mit zartem Schuhwerk bekleidet ins Sonnenlicht reckt, sollte schon einmal das Wort Pediküre gehört haben. Und im besten Fall sollte er das, was er da gehört hat, auch anwenden. Gedächtnisstütze an alle, die jetzt die Füße sinken lassen und stattdessen fragend die Augenbrauen gen Himmel ziehen: Alles, was an Bilbo den Hobbit nach seiner Reise durch Mittelerde erinnert, muss weg. Schmutz, allzu zottige Haarbüschel, überstehende Nägel.

Während in Sachen Pediküre mittlerweile die meisten Bescheid wissen, ist ein anderer Aspekt der sommerlichen Fußfreiheit offenbar noch immer nicht zu allen durchgedrungen: die "Bare Füße brauchen offene Schuhe"-Regel. In Reimform: Hast du keine Strümpfe an, mach, dass dein Fuß atmen kann. Denn Luft an die untersten Körperregionen zu lassen, ist ja der Sinn der ganzen Barfuß-Sache. Wenn ein Männerfuß aber nackt in Sneakers oder Lederschuhen verschwindet, kann man sich gut vorstellen, wo da noch Luftzirkulation stattfindet. Nämlich nirgends.

Stattdessen schuppert die Haut am Leder entlang. Die Fußsohle klebt an der Schuhsohle fest. Gelegentlich löst sie sich mit einem unangenehm quatschenden Geräusch. Es bilden sich Schweiß, Schwielen und sicher noch eine Vielzahl anderer Dinge, die mit "Schw" beginnen, von denen der Nicht-Mediziner aber dankenswerterweise keine Kenntnis hat.

Warum manche Männer es dennoch schick finden, ihre unteren Enden nackt in geschlossene Lederschuhe zu stecken, bleibt ein Rätsel. Weil das den Schnösellook - sorgsam zurückgegeltes Haar, Hemd, "lässig" um die Schultern gelegter Tommy-Hilfiger-Pullover - komplettiert? Wohl möglich, jedoch nicht erstrebenswert.

Denn blickt die modebewusste Frau auf so ein schwerwiegend schweißelndes Barfuß-Vergehen, wünscht sie sich insgeheim, nie ein Wort über angegraute Tennissocken und Bart-Simpson-Strümpfe verloren zu haben. Doch würde sie das niemals laut sagen, um nicht noch größere Verwirrung an der Fuß-Front zu stiften. Nicht dass der durch modische Anweisungen überforderte Mann am Ende nur noch mit einem Paar Tennissocken bekleidet über Stadtstrand und Almwiese läuft.