Ein Anruf bei ... Barney Smith, Klodeckelsammler

(Foto: Cade Martin Photography)

Klodeckel waren seine Leinwand. Aber jetzt möchte Smith seine Sammlung von 1324 verzierten Klodeckeln loswerden. Allerdings hat der 96 Jahre alte Texaner eine Bedingung an mögliche Interessenten.

Interview von Stefan Wagner

Er war Hafenarbeiter, Prediger, Elektriker, Klempner. Barney Smiths Leben aber, das sind Klodeckel. Er bemalt sie, er verziert sie, 1992 hat er in San Antonio, Texas, ein Museum für sie erschaffen. Nun sucht der 96-Jährige verzweifelt einen Käufer für seine Sammlung. Einen Käufer, der alle 1324 Klodeckel haben will.

Ein Anruf bei - Barney Smith

Der 96-Jährige sucht nach einem Käufer für seine Sammlung von 1324 verzierten Klodeckeln.

SZ: Herr Smith, warum gehen Sie erst jetzt in Rente?

Barney Smith: Ich gehe nicht in Rente. Ich habe erst letzte Woche einen Klodeckel fertiggestellt, Nummer 1324. Leider muss ich aber meine Sammlung verkaufen, denn ich schaffe es körperlich nicht mehr, das Museum zu betreiben. Und ich will nicht, dass sich meine Töchter nach meinem Tod mit der Sammlung herumschlagen müssen. Und ich will auch nicht, dass alles im Müll landet, wenn sich kein Käufer findet.

Sie haben eine Bedingung für den Verkauf.

Ich will, dass alle 1324 Stück zusammenbleiben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Viele Leute wollen zwei oder drei Klodeckel haben. Aber bisher habe ich noch keinen gefunden, der alle will.

Sie suchen also nach jemandem, der Klodeckelmuseumsbesitzer werden möchte.

Genau, das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Ich möchte 15 000 bis 20 000 Dollar haben, das finde ich nicht zu viel.

Welche Exponate sind besonders beliebt?

Tausende Menschen kommen jedes Jahr zu meiner alten Garage, und fast jeder mag etwas anderes. Ich habe einen Toilettensitz mit den Tragegriffen von Särgen gestaltet, einen anderen mit Knöpfen aus dem Nähkästchen meiner Mutter. Außerdem gibt es einen Toilettensitz aus dem Privatflugzeug von Aristoteles Onassis, andere mit Teilen der 1986 explodierten Challenger-Raumfähre oder der Berliner Mauer. Vor zehn Jahren hat mir mal ein Soldat einen Klodeckel aus einem Palast von Saddam Hussein zukommen lassen. Der ist schon etwas ganz Besonderes.

Wie kamen Sie zur Klo-Kunst?

Das war vor mehr als 70 Jahren. Ich brauchte einfach etwas, auf das ich das Geweih eines Rehs, das ich erlegt hatte, montieren konnte. Ich war Klempner, da lag ein Klodeckel nahe. Gut sah es auch noch aus. Dann schraubte ich Hundemarken auf Klodeckel, bemalte sie, dekorierte sie mit halbierten Billardkugeln und Dichtungsringen. "Mixed materials" sagen wir Künstler dazu. Die Dinger sind meine Leinwand.

Verstehe.

Vor Jahrzehnten habe ich meiner Frau versprochen, dass ich mit dem Sammeln und Bemalen aufhöre, wenn ich 500 Stück habe. Ich habe mein Versprechen gebrochen. Seither habe ich für sie zu jedem Hochzeitstag einen Klodeckel gestaltet. Wir waren 74 Jahre verheiratet, vor drei Jahren ist sie gestorben.

Mein Beileid. Vor 25 Jahren eröffneten Sie Ihr Museum, die Medien nennen Sie "Klodeckel-König". Fühlen Sie sich reduziert?

Ich bin ein Kind der Depressionsjahre. Damals haben wir gelernt, alles, aber auch wirklich alles, irgendwie zu benutzen und wieder zu benutzen und nochmals zu benutzen. Heute würde man das wohl Recycling nennen. Ich bin ein bescheidener Mann, war Hafenarbeiter, Prediger, Elektriker, Klempner. Was mich am "Klodeckel-König" stört, ist das "König" und nicht der "Klodeckel".