Ehestreit bei Mode-Label "Tory Burch" Irrationale Rache eines geschiedenen Ehemannes?

Außerdem trägt die Mode bei Tory Burch Frauenvornamen - Auden, Gia, Adrianna; das kennt man sonst eigentlich auch nur aus dem Homeshopping-Fernsehen, aber das baut eben Barrieren ab; die eisigen Welten von Prada und Lanvin können auch abschreckend wirken, und das sollen sie ja auch. Wer aber, nur zum Beispiel, letzten Winter das schöne Tweedkleid von Lanvin erschüttert von dem Preis (waren es 1500 Dollar? Waren es 2500?) wieder auf den Boutiquenbügel zurückgehängt hat, wird sich womöglich gefreut haben, bei Tory Burch das Tweed-Jäckchen Daniela für 500 Dollar zu entdecken - und jetzt im Sale kostet es selbst davon nur noch die Hälfte.

Dass Mode für deutlich niedrigere Preise immer noch den Luxusnimbus von Mode behält und außerdem sehr profitabel sein kann, das ist, nachdem inzwischen fast jeder Großdesigner seine Kollektion bei H&M untergebracht hat, nichts Neues. Vor zehn Jahren aber galt das noch als unabsehbares Geschäftsrisiko. Chris Burch gilt inzwischen auf diesem Feld geradezu als Extremist.

"Lass uns Freunde bleiben"

Nicht zu unterschätzen waren deshalb die Überraschung und der Ärger im Vorstand der Modefirma Tory Burch, als Chris Burch, der in diesem Vorstand selbst mit drin sitzt, plötzlich seine neue Firma C Wonder präsentierte, bei der es Sachen, die denen von Tory Burch nicht ganz unähnlich sind, noch einmal wesentlich günstiger gibt. Der schlichte ökonomische Grund liegt darin, dass Chris Burch seine ganze berufliche Leidenschaft daran setzt, die Herstellungspreise zu drücken und in Asien Fabriken zu finden, die es ihm noch günstiger machen als der Konkurrenz. Die Gerichte haben jetzt zu entscheiden, ob Tory Burch ihren Herstellern in Asien untersagen darf, auch für Chris Burchs Label zu nähen. Die Gerichte werden auch feststellen müssen, ob Chris Burch der Firma seiner Frau überhaupt Konkurrenz macht. Er selbst bestreitet das.

Aber die Existenz von C Wonder dürfte es Tory Burch auf absehbare Zeit zumindest unmöglich machen, günstigere Sublabels auszugründen - wie das große Vorbild Michael Kors, der inzwischen auf so vielen Preisebenen seine Sachen verkauft, dass er so gut wie alle Geldbeutel quer durch das soziale Spektrum erreicht. Vielleicht werden die Gerichte sogar entscheiden müssen, ob das alles nur die etwas irrationale Rache eines geschiedenen Ehemanns ist.

Ganz sicher ist im Moment nur das: Aus dem "Lass uns Freunde bleiben" wird bei den beiden nichts mehr.