Dirndltrends 2015 Fesch auf der Bierbank

Die Wiesn-Saison 2015 steht ganz im Zeichen von Werteverbundenheit und Tradition.

(Foto: Julia Trentini/ Daniel Hofer/ Collage SZ.de)

In drei Tagen beginnen 16 Tage Wahnsinn in München. Sobald das Bier auf dem 182. Oktoberfest läuft, startet auch das Schaulaufen auf der Theresienwiese.

Welche Bluse, welche Schürze, welche Farbe liegt im Trend? Um die Suche nach dem perfekten Outfit zu erleichtern: acht Tipps für die Wiesn-Saison 2015.

Von Jana Stegemann

Servus, Tradition!

Die Dirndl werden wieder traditioneller. Strass, Rüschen und sonstiger Bling-Bling hat ausgedient. Die stilbewusste Dirndl-Trägerin setzt in dieser Saison auf optisches Understatement, hochwertige Stoffe und solide Verarbeitung. "Ingesamt wird es reduzierter", sagt die Münchener Designerin Julia Trentini, die seit 2006 ihr eigenes Label im Glockenbachviertel besitzt und Dirndl in die ganze Welt verkauft. Die Tracht nähert sich damit wieder ihrem Ursprung. Schließlich war das Dirndl nicht immer weltoffenes Partyoutfit, sondern im 19. Jahrhundert praktisches Arbeitskleid junger Mägde. Und die sind ganz sicher nicht mit Glitzer und Tüll in den Stall gegangen, um Kühe zu melken.

In Samt und Leder

Die Rückbesinnung auf Traditionen zeigt sich auch in der Stoffauswahl der Kleider. Dirndl sind in dieser Saison vor allem aus Baumwolle und Leinen. Das ist praktisch, weil diese Materialien unempfindlich sind, viel mitmachen - und teilweise sogar in der Waschmaschine gereinigt werden können. Wem ein schlichtes Baumwoll-Leinen-Dirndl zu langweilig ist, der kombiniert eine Schürze aus (Wild-) Seide dazu.

Wer es ein bisschen extravaganter mag und auch mehr Geld ausgeben will, entscheidet sich für einen besonderen Materialmix: ein Dirndl mit einem Oberteil aus Leder und einem Rock aus Baumwolle. Derzeit wird diese Kombination verstärkt nachgefragt, sagt Gabriele Hammerschick, Designerin und Leiterin der Trachtenabteilung des Münchner Traditionshauses Lodenfrey. Ebenso wie die Kombination aus Samt und Baumwolle. "Die Nachfrage nach Glitzerschürzen geht zurück, die Kundinnen entscheiden sich jetzt eher für Samtborten, Oberteile aus Samt und Seidenschürzen", so Hammerschick. Der Ausschnitt des Kleides wird häufig mit Borten aus dem gleichen Stoff, Samt oder Satin verziert. Oft sind die Zierränder gekräuselt und gleichen offenen Froschmäulern ("Froschgoscherl") oder Herzchen.

Aprikosen in Vanille

Vor 50 Jahren waren Dirndl vor allem hellblau und rosa kariert, was damit zu tun hatte, dass sie häufig aus Bettwäsche, Vorhängen und Tischtüchern gefertigt waren. Mittlerweile gibt es Dirndl in allen Farben der Pantone-Palette. Designerin Julia Trentini hat dieses Jahr dennoch einen Farbtrend ausgemacht: "In dieser Saison gibt es zwei große Farbthemen. Auf der einen Seite die klassischen Trachtenfarben Dunkelgrün, Marine und Bordeaux, auf der anderen Seite Pastelltöne wie Apricot und Vanille." Vor Einflüssen aus der Modeindustrie können sich auch die Dirndl-Designer nicht verschließen. "Die Dirndl-Trägerinnen werden immer jünger und wünschen sich, dass ihr Dirndl traditionell und zeitgemäß zugleich ist. Sie tragen es auf Firmen- und Familienfeiern. Es geht immer mehr darum, Mode und Tracht zu kombinieren. Den Kundinnen ist wichtig, dass ihr Dirndl hochwertig ist und etwas Besonderes", hat Gabriele Hammerschick beobachtet. Und darum gibt es auch Kleider in angesagten Nudetönen, in Platingrau, Taupe oder Kirschrot. "Das Dirndl soll keine Uniform sein, sondern ganz individuell der Trägerin schmeicheln", sagt die Expertin und rät zu weißen Baumwollblusen: "Das schaut frisch aus."

Wenn Festzelte zu Kathedralen werden

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Passt scho?!

Am wichtigsten bei einem Dirndl ist die Passform. Es sollte nicht zu kurz sein. Midi ist die ideale Länge für jede Trägerin. Beachten: Knöchellange Dirndl stauchen und eignen sich eher für Frauen ab einer Größe von 1,75 Meter. Das Mieder, rät die Expertin, sollte möglichst eng anliegen und keine Falten werfen. Wichtig ist ein perfekt sitzender BH, der das Dekolleté formt. Ingesamt sollte man das Dirndl besser knackig sitzend kaufen, da es, wie eine Jeans, durch Körperwärme nachgibt.

Zefix, ist das kalt!

Die Wiesn ist traditionell im Herbst. Nicht im Sommer. Damit sich niemand eine Wiesn-Grippe zuzieht, ist es ratsam, eine Jacke mitzunehmen. "Damit die Silhouette vom Dirndl nicht verloren geht, sollte diese Jacke eng, knapp und mit schmaler Schulter und Arm sein", sagt Julia Trentini. Vor frischem Herbstwind schützen die modische Trägerin in dieser Wiesnsaison auch gehäkelte Strumpfhosen in Schwarz und Weiß sowie große Dreieckstücher, zum Beispiel aus Kaschmir.

Je speckiger, desto besser

Trägt man die Krachlederne nun kurz oder lang? Welches Hemd passt dazu? Und müssen es immer Haferlschuhe sein? Wichtigen Lederhosenentscheidungen sollte eine Phase selbstkritischer Reflexion vorausgehen. Fünf Regeln für die Herrentracht. Von Lena Jakat mehr... Stilblog

Alte Zöpfe

Damit selbst beim wildesten Tanz und nach der Achterbahnfahrt das Haar perfekt sitzt, sind Flechtfrisuren perfekt für die Wiesn. Aber bitte auf überdimensionale Blumenkränze verzichten. "Die Zeit der großen Kränze ist vorbei", sagt Gabriele Hammerschick. Filigraner Blumenschmuck ist erlaubt. Immerhin ist Herbst und einzelne Blüten in geflochtenen Haaren sind sowieso schöner - und auch traditioneller.

Granatsteine von Oma

Ursprünglich kam das traditionelle Kleid zwar ganz ohne schmückendes Beiwerk aus, doch heute dürfen Accessoires hinzugefügt werden. Um nicht mit einem Weihnachtsbaum verwechselt zu werden, sollte Schmuck nur dosiert eingesetzt werden. Florschnalle, Kropfband oder Kropfkette, Samtbänder (ob schlicht oder in der opulenten Version mit Brokat) und mehrreihige Ketten aus Perlen und Edelmetall mit Zierverschlüssen sind die Klassiker. "Schön ist, wenn nicht moderner Schmuck kombiniert wird, sondern der von Oma. Silberne Kropfbänder mit Granatsteinen finde ich besonders passend", sagt Julia Trentini.

Auf der Wiesn gibt's koa Sünd?

Doch. Neonfarbene Mini-Dirndl aus Polysonstwas mit Glitzerschürzen sind nur etwas für Karneval. Im Rheinland. Das Gleiche gilt für Carmen-Blusen, die den Blick auf die Schultern freigeben, Plateau-High-Heels und Peeptoes. Es sei denn, Sie planen, der Sanitätsstation sowieso einen Besuch abzustatten.

Heiliger Rupfensack!

Blusen aus Tüll, Hütchen mit Fasanenfedern, Schürzen mit Glitzerkram: Das traditionelle Dirndl stirbt offenbar aus, halbprominente Tischtänzerinnen laufen zuhauf in karnevalesker Fantasiekleidung herum. Kein Zweifel, diese Frauen brauchen Hilfe. Ein Appell an den guten Geschmack. Von Violetta Simon mehr...