Designprodukte für den Alltag Aluminiumstreuer aus der Frittenbude

Das Supernormale ist das Gegenmodell zur gegenwärtigen Designauffassung des Spektakulären, Effekthascherischen und Flamboyanten. Und zu einer Welt, in der andauernd alles immer wieder neu erfunden werden muss. Das Ideal ist die reine Form, die sich wie von selbst aus der Funktion ergibt, befreit auch noch von den Designernamen, mit denen die Dinge sonst üblicherweise aufgeladen werden. "Auch in einem Kaffeelöffel spiegelt sich die Sonne", hat Sigfried Giedion einmal den Reiz anonymer Gegenstände beschrieben. Vergleichbar ist zum Beispiel das Konzept der japanischen Warenhauskette Muji, die versucht, auf Designernamen und Logos ganz zu verzichten. Und damit durchaus erfolgreich ist.

Doch abgesehen davon - wo kann man das scheinbar Ungestaltete heute überhaupt noch finden? Die Kölner Designerin Anna Lederer sucht danach auf speziellen Industriemessen, in italienischen und französischen Baumärkten und bei Großhändlern für den Gastronomie- und Laborbedarf. Ihre Auswahl an Industrieprodukten, die sich ebenso gut im privaten Haushalt nutzen lassen, bietet sie in dem Kölner Laden Utensil an, einer ehemaligen schwarz-weiß gefliesten Metzgerei: Werkzeugtaschen aus gelbem Leder, unbedruckte Quetschflaschen und einen Aluminiumstreuer, die man sonst nur von der Frittenbude kennt. Oder darf es vielleicht die Saustallleuchte ("sehr schön über dem Esstisch") sein? All diese Sachen erzählen, ähnlich wie bei Manufactum, eine Geschichte darüber, wo sie normalerweise verwendet werden. Nur wird die Story hier nicht so blumig ausgeschmückt.

"Das sind alles langlebige, über Jahrzehnte erprobte Dinge", erklärt Lederer. Und warum sollte man sein Teewasser nicht auch in einem Erlenmeyerkolben erhitzen, dessen aufgedruckte Skalen ein durchaus dekoratives Element sind? Den Hang zu derartigen Kontextverschiebungen kennt man schon länger, im Design spätestens seit der legendären Ausstellung "Machine Art" 1934 im New Yorker MoMA, als Metallspiralen, Haushaltswaren und Kugellager wie Kultobjekte auf weißen Sockeln präsentiert wurden. Man feierte die Perfektion und Schönheit industriell produzierter Objekte, eine Industrieästhetik, der sich noch heute viele Designer und Wohnungseinrichter nicht entziehen können.

Das perfekte Wasserglas

Auch die Macher der Zürcher Edition Populaire sind auf der Suche nach dem perfekten Gebrauchsgegenstand, wobei sie eine ganz andere Vorstellung davon haben, was ihn auszeichnet. "Wir finden, man sollte wieder zurückkehren zu Produkten, die man nur einmal im Leben kauft", sagt Kaspar Fenkart, einer der Gründer. Die wenigen Produkte, die hier angeboten werden, stammen von kleinen Manufakturen in Europa. Und sie sollten stabil sein, aus hochwertigen Materialien, von besonderer handwerklicher Qualität, klar und einfach gestaltet - und dennoch nicht teuer. So wie jenes Wasserglas für weniger als zehn Franken, das sie irgendwann bei der Glasmanufaktur Luigi Bormioli in Parma entdeckten: ein mundgeblasenes, wohlproportioniertes Glas, das so einfach aussieht, als hätte es jemand auf ein Blatt Papier gezeichnet.

"Das perfekte Glas", wie Fenkart sagt, gehörte 2010 zur ersten Edition, die der Zürcher Laden herausgab, zusammen mit einem Schuhputzset, einer Nagelbürste und einem Wecker. Seitdem erscheint alle drei Monate eine neue Kollektion mit drei bis sechs Produkten, die so lange verkauft werden, bis die nächste Edition erscheint; nur ein paar Dinge wie das Wasserglas haben sie stets im Sortiment. Ein extremes Konzentrat aus dem Überangebot der Konsumgesellschaft.

Für Dezember ist bereits die 16. Edition geplant, nach und nach soll auf diese Weise eine Sammlung schöner, funktionaler Gegenstände für das tägliche Leben entstehen. Manufactum für Minimalisten, könnte man sagen. Mit dem Unterschied, dass die Edition Populaire fast ohne Nostalgie auskommt.