Designer Roberto Cavalli Aus der Mode

Der italienische Modedesigner Roberto Cavalli ist inzwischen 74 Jahre alt - höchste Zeit, auch mal etwas Verantwortung abzugeben.

(Foto: AP)
  • Modedesigner Roberto Cavalli gibt im Alter von 74 Jahren - offenbar schweren Herzens - seine Position als Kreativdirektor auf.
  • An seine Stelle tritt Peter Dundas, ein Designer, der in der Vergangenheit bereits für die Marke Cavalli gearbeitet hat und auch sonst gute Voraussetzungen zu haben scheint.
Von Dennis Braatz

Durch ein Meer von schwarzen Limousinen und aufgeregten Moderedakteuren spaziert ein Mann mit Stock und seinem Schäferhund. Er trägt ausgewaschene Jeans, ein schwarzes Polohemd und eine verspiegelte Sonnenbrille überm frisch geglätteten Gesicht. Niemand erkennt ihn.

Es sind genau diese Momente einer Fashion Week, die Roberto Cavalli liebt - wenn alles auch mal wieder still um ihn wird, am Tag nach seiner Show. Jede Saison hat er hier auf der Piazza Sempione sein neue Kollektion präsentiert, das größte Zelt von allen für mehrere Tausend Gäste aufgebaut.

Und er hat sich jedes Mal so lang wie kein anderer Designer feiern lassen, manchmal minutenlang. Warum aber auch nicht? Aus der 1965 entstandenen Idee, bemalte T-Shirts zu verkaufen, ist ein Mode-Imperium geworden.

Hippie-Look, Celebrity-Dressing, Jeans im Used-Look

Cavallis Stil (Fransen, Animalprints und Flatterkleider) hat in den Siebzigerjahren den Hippie-Look zum Trend erhoben. Er entdeckte als einer der Ersten die Marktlücke des Celebrity-Dressings und war der Erste, der eine sandbestrahlte Jeans auf den Laufsteg schickte.

Bis heute hat ihm das sechs Unterlinien eingebracht, für Kinder, Frauen, junge Frauen, Männer, plus Taschen und Parfums. Verständlich, dass man da in einem Alter von nun 74 Jahren irgendwann auch mal etwas Verantwortung abgeben will.

Vor einem Jahr ließ er deshalb schon seinen Sohn Daniele an die Herrenlinie. Auch Yvan Mispelaere, die ehemalige rechte Hand von Diane von Furstenberg, durfte es davor mal bei den Damen versuchen. Vergeblich. Roberto Cavalli konnte es sich nicht mal nehmen lassen, am Ende der Show als Kopf des großen Ganzen auf die Bühne zu gehen.

Der neue Kreativdirektor Peter Dundas

Das Hin und Her brachte die beiden CEOs zur Kündigung. Die Marke geriet stilistisch wie wirtschaftlich ins Straucheln. Am Donnerstag gab das Unternehmen nun bekannt, dass Peter Dundas der neue Kreativdirektor der Marke Roberto Cavalli wird.

Peter Dundas wird der neue Kreativdirektor der nach Roberto Cavalli benannten Marke.

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Dundas, 46, kommt von Emilio Pucci. Einem italienischen Label, in dessen Design-DNA genügend Hippie-Ästhetik vorkommt, um die besten Voraussetzungen für Cavalli mitzubringen. Hinzu kommt aber, dass der Mann mit den goldenen Engelslöckchen schon mal von 2002 bis 2005 im Unternehmen gearbeitet hat, er kennt sich also bestens aus.

Und glaubt man den Job-Beschreibungen der Modebranche, hätte er auch erstmals mehr Rechte als seine beiden Vorgänger. Ein Kreativdirektor hat die Hoheit über eine Kollektion, Accessoires, Parfums und Anzeigenmotive - eben den gesamten Look des Labels.

Glamour, Tradition, Innovation

Im Pressetext über seinen Neuzugang verspricht der Altmeister jedenfalls einiges. "Ich habe Peter Dundas gewählt, um unseren Stil mit Glamour, Tradition und Innovation voranzubringen", steht da.

Ob Cavalli das wirklich zulässt, ist eine andere Frage. Schon auf der jüngsten Modewoche im Februar erzählte man sich in der Branche, dass die Verhandlungen zwischen ihm und Dundas nur so lange dauerten, weil sie sich beide nicht einigen könnten, wer am Ende auf die Bühne darf.