Beauty Deo ex machina

Endlich mal eine Sache richtig durchziehen: Für die Berliner Yogalehrerin Judith Springer bedeutete das, ein neues Deodorant zu entwickeln.

Interview von Max Scharnigg

SZ: Ihr Onlineshop ist übersichtlich, es gibt nur ein einziges Produkt. Schade, dass es immer ausverkauft ist.

Judith Springer: Ja, aber jetzt ist gerade die neue Lieferung gekommen, ab morgen gibt's also wieder Nachschub. Ich habe das Deo erst im Mai auf den Markt gebracht und hatte die erste Ladung wohl zu knapp kalkuliert. Aber ich konnte ja auch nicht wissen, ob es überhaupt jemand kauft.

Offenbar hat es einen Nerv getroffen?

Ja, Deodorants stehen im Laden oft zwischen Billigkosmetik und Intimpflege, etwas gegen Schweißgeruch zu tun, ist immer noch schamhaft. Das schlägt sich auch im vernachlässigten Design nieder.

War das marktwirtschaftliches Kalkül - es gibt kein schönes Deo, also erfinde ich eines?

Überhaupt nicht. Es war nur meine Erfahrung, dass es kein Deo ohne Aluminiumsalze gibt, das gut funktioniert. Die es gab, haben mir entweder vom Geruch nicht gepasst, oder sie taten nicht, was sie sollten. Ich bin ziemlich geruchsempfindlich und als Yogalehrerin viel in Bewegung, es war also mein eigenes Bedürfnis, etwas zu finden. Ich hatte eine Freundin, die sich ein bisschen mit Naturkosmetik auskannte, und ich habe Selbermach-Rezepte im Netz gefunden. Damit habe ich in der Küche probiert, wie man so was herstellen könnte.

Made in Berlin: Ein Deo mit stolzem Preis (28 Euro), dafür ohne Aluminium und mit Unisex-Duftnote.

(Foto: Fine)

Hatten Sie Erfahrung mit der Kosmetikproduktion?

Nein, ich bin eher so ein typisches Großstadt-Multitalent, eigentlich bin ich Juristin, habe aber auch Kultur- und Medienmanagement studiert, zehn Jahre als Kuratorin gearbeitet und beim Goldsmith Institut, habe nebenbei eine Kita aufgezogen und bin eben auch Yogalehrerin und Mutter von zwei Kindern. Ein richtiges Sammelsurium, aber es hatte doch auch etwas gemeinsam: Ausgewogenheit und Schönheit sind mir in meiner Arbeit und im Leben immer sehr wichtig. Als ich die Idee mit dem Deo hatte, dachte ich: Das wird jetzt etwas, hinter dem ich richtig stehe. Diese Sache mache ich jetzt perfekt.

Wie kompliziert ist es, ein Kosmetikprodukt in den Handel zu bringen?

Na ja, es waren vor allem die Berliner Ämter, die das kompliziert gemacht haben. Man braucht erst mal eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Behörde, dass man die Richtlinien bei der Herstellung einhält. Dafür musste ich beim Veterinäramt vorstellig werden, wo sich aber niemand mit der Sache beschäftigen wollte, Tenor war immer: Hä, Sie wollen ein Deodorant herstellen? Kennen wir nicht, wollen wir nicht, machense mal lieber was anderes. Eine hat mich gefragt, ob ich Chemikerin sei. Bin ich nicht. Nach einigen Wochen Wartezeit schlug sie mir vor, doch lieber erst mal eine Fortbildung zu machen. Da hat es mir gereicht - jetzt produziere ich eben nicht selbst, sondern habe das Rezept einem Lohnlabor in München gegeben, die das Deo für mich herstellen.

Wie wird Kosmetik noch geprüft?

Es gibt noch ein europäisches Notationssystem, bei dem geschaut wird, was sich auf Dauer in der Petrischale so entwickelt und wie verträglich alles ist. Da hatte ich aber gar keine Bedenken, ich habe ja keine neuen chemischen Wirkstoffe benutzt, mein Deo könnte man zur Not auch essen, da ist nichts drin, was ich nicht drinhaben wollte. Es sollte ein gesundes Produkt sein, auf das man sich verlassen kann.

Wie haben Sie Ihr Deo denn getestet?

Ich habe es an Freunde verteilt. Mein Mann ist mein härtester Dauertester. Der ist Musiker, radelt jeden Tag viele Kilometer durch die Stadt und hat abends Auftritte - ziemliche Belastung für ein Deo, aber es hält, davon kann ich mich jeden Abend überzeugen.

Wie kam es zu der Apotheken-Optik?

Ich hatte eine Grafikerin gebeten, mir im Austausch gegen Yogastunden ein Logo zu entwerfen. Sie hat das Ganze dann richtig professionell aufgezogen - bis hin zu Homepage und Visitenkarte. Und da war wieder dieses Gefühl - okay, das ziehst du jetzt durch. Von der ersten Idee bis zum fertigen Glas hat es ein Jahr gedauert.

Wie kam es dann, dass die erste Charge gleich ausverkauft war?

Ich habe einfach alle Leute, die ich interessant fand, angeschrieben und gesagt: Hier ist mein Produkt, es wäre toll, wenn ihr das testen würdet. Klar, das passt gut in eine Zeit, in der alle nach authentischen Sachen suchen. Richtig spürbar wurde der Absatz, als eine Redakteurin von der Brigitte schrieb, das Deo hätte sie so richtig begeistert. Da wurde meine Seite dann gestürmt.