Aufregung um afrikanisches Rezept Jamie Oliver verdirbt heiligen Eintopf

Wird für sein "Jollof Rice"-Rezept kritisiert: Jamie Oliver.

(Foto: dpa)

Der britische Starkoch Jamie Oliver sorgt mit seiner Version der westafrikanischen Leibspeise "Jollof Rice" für Aufregung. Das Problem: Oliver ist vielleicht einfach zu berühmt.

Für Jamie Oliver könnte es derzeit besser laufen: Vor einigen Monaten haben Lebensmittelkontrolleure Mäusekot in seiner Londoner Edel-Metzgerei gefunden, sie musste vorübergehend schließen. Kritik riefen auch seine Äußerungen über Armut und Essen hervor: Oliver hatte angezweifelt, dass Armut in westlichen Gesellschaften dazu führe, dass Menschen nicht mehr gesund äßen und erklärt, dass das Essen in Afrikas Slums besser sei als in Großbritannien. Nun hat der britische Fernsehkoch selbst ein afrikanisches Rezept veröffentlicht - und mit seinem "Jollof Rice"-Rezept viele verärgert.

Der 39-Jährige vereinfacht gerne Rezepte, gibt ihnen eine eigene Note. Diesmal hat er es damit aber nach Meinung seiner Kritiker übertrieben: Für seinen Jollof Rice, auch Benachin genannt, benutzt er Koriander und Petersilie - Zutaten, die Traditionalisten zufolge definitiv nicht zu dem Gericht gehören. Als echte Provokation wurden allerdings die 600 Gramm Kirschtomaten auf der Zutatenliste verstanden. Jollof Rice, eine Art Eintopf, besteht normalerweise aus einem Mix aus verschiedenen Tomaten, manchmal auch Tomatenmark, Zwiebeln und Paprikaschoten. "Das ist die Basis", zitiert der britische Sender BBC eine nigerianische Food-Bloggerin. Aber Jamies Rezept verlange ganzes Gemüse.

Die Bloggerin ist nicht die Einzige, die mit Olivers Version des in Westafika sehr beliebten Gerichts nicht einverstanden ist: Auf der Website des Kochs finden sich zahlreiche hämische Kommentare. Das sei kein Jollof Rice, schreibt einer. Ein Multimillionär verfälsche hier ein Rezept. "Er braucht einen nigerianischen Koch, der ihm das beibringt", schreibt ein anderer. Auch in sozialen Netzwerken wird eifrig geschimpft. Die meisten Beiträge stammen von Afrikanern und sind nicht gerade freundlich. Sogar einen ziemlich bezeichnenden Hashtag auf Twitter gibt es nun: #Jollofgate.

Für Menschen in Gambia, Senegal, Ghana und Nigeria sei der Jollof Rice, das, was für Spanier die Paella ist oder für die Briten Fish and Chips, versucht BBC die Aufregung zu erklären - und zitiert die Autorin des nigerianischen Blogs MotleyMusings: "Die Menschen sind verwundert, dass das Rezept sich so sehr vom Original unterscheidet", sagt sie. Jollof Rice sei eines der sieben Wunder von Afrika, in Nigeria sei das Essen sogar heilig - und nun präsentiere Oliver einen Jollof Rice, der aussehe wie Paella. Sie fragt sich, wer davon profitiert und befürchtet: nicht unbedingt die Afrikaner.

Natürlich sei es keine Absicht gewesen, irgendwen zu verletzten, erklärt ein Sprecher des Kochs auf BBC. Deshalb werde das Gericht ja auch als Jollof Rice nach Jamie-Art beschrieben. Doch vielleicht liegt genau hier das Problem: Jamie Oliver zählt nun mal zu den bekanntesten Köchen der Welt. Indem er seine Version eines afrikanischen Nationalgerichts veröffentlicht hat, trägt er zur Bekanntheit des Gerichts bei. Eine Journalistin von BBC-Afrika sagt: "Die Gefahr ist, dass in fünf Jahren seine Version die offizielle ist."