Accessoires für Fahrradfahrer Schick im Sattel

Wie gern wären wir auf dem Rad stets anmutig und elegant! Leider geht es im Stadtverkehr häufiger um Schweiß, Staub und Scherben. Ein paar Accessoires, die eine Prise Chic in den Radalltag bringen.

Von Lena Jakat

Im Daumen ein Krampf vom Dauerklingeln, in den Adern noch das Adrenalin von der Beinahe-Kollision mit quatschenden Schülerinnen, in den Ohren das Geschimpfe der überbesorgten Mutter. Und dann das: Kaum hat man sich vom Hauptfeld der Radel-Pendler abgesetzt, springt die nächste Ampel auf Rot. Und binnen Zehntelsekunden hat sich das leidige Hauptfeld wieder um einen herum versammelt. Samt Schülerinnen und Gluckenmutter und etlichen Radlern, die doch auch nur ins Büro wollen. Resignation, Frustration. Morgen wieder U-Bahn-Fahren. Doch halt, was ist das?

Ein Rahmen so formvollendet wie aus dem Bauhaus-Museum, daran: neongrüne Felgen wie aus dem Hipster-Malbuch, darauf: ein Stadtmensch, so sportlich-elegant und dabei so unangestrengt, dass er alle anderen Fahrradfahrer an der Ampel schäbig aussehen lässt. Solche Momente ästhetischer Erleuchtung gibt es. Allerdings sind sie selten. Denn meist hat Fahrradfahren in der Stadt mehr mit Staub, Scherben und Schweiß zu tun als mit Anmut und Eleganz. Weil es aber für uns alle für die kleine tägliche Portion Ästhetik auf und unter dem Sattel reichen sollte: eine kleine Auswahl hübscher Rad-Accessoires.

Pelz oder Pelle

An der ein oder anderen Ampel drängt sich der Eindruck auf: Die Frage nach der Kleidung ist nicht nur eine praktische, sondern auch eine ideologische. Fürchterliche Funktionskleidung für den Weg, während die Bürogarderobe im Rucksack zerknittert? Oder schick aufs Rad und verschwitzt im Büro? Die Designerin Ann DeOtte will mit ihrem Label Iva Jean aushelfen und hat zum Beispiel einen Rock erfunden, der sich vom Bleistift- in ein radelbares Modell verwandeln lässt. Oder eine Bluse, die extra viel Bewegungsspielraum am Lenker lässt. Klassik-Freunde, die schon alles haben, könnten sich indes über eine maßgefertigte Knickerbocker freuen.

Bei schönem Wetter gut aussehen, ist das eine. Für den anderen, häufigeren Fall, hat das Londoner Label Otto den guten alten Poncho - der auch hier so aussieht wie der gute alte Poncho - wieder salonfähig gemacht und vertreibt den Regenschutz in stylischen Leuchtfarben. Für noch zu bedeckende Zentimeter oberschenkelabwärts hat "Georgia in Dublin" eine Alternative zur gummierten Überhose vorgelegt: den regenfesten Überrock. Eignet sich auch als Unterlage für ein spontanes Picknick, wenn der Himmel aufreißt.

Trocken Radfahren mit dem Regenrock.

(Foto: Georgia in Dublin)

Sehen und gesehen werden

Wer für den Hipster-Dutt zu kurzes Haar beziehungsweise für einen Hipster-Vollbart zu unzuverlässigen Bartwuchs hat und dennoch seine Zugehörigkeit zu dieser Gruppe bekunden will, für den sind reflektierende Moustache-Aufkleber unverzichtbar. Für alle anderen hat dieses Kickstarter-finanzierten Projekt aus New York auch weniger eindeutige Alternativen im Angebot. Für Mädchen mit Hollandrädern gibt es Warnwesten, die gar nicht aussehen wie Warnwesten. Wirklich.

Wer auch aktiv leuchten will, dem mangelt es nicht an Auswahl (hochpreisig, hell und für sein Design preisgekrönt zum Beispiel: Supernova). Ausgesprochen praktisch und dabei nett anzusehen sind die Leuchten des australischen Anbieters Knog. Sie lassen sich per USB-Schnittstelle laden und an jedem Rad befestigen.

Diese Lampen lassen sich am PC laden.

(Foto: Hugo Davidson; Knog Australia)

Gut behütet

Die größte, die allergrößte Herausforderung an Designer von Fahrradchic: der Kopf, beziehungsweise das, was draufkommt. Denn auch die Helmfrage spaltet den täglichen Pulk an der roten Ampel in Schönheits- und Sicherheitsbewusste. Ein aufblasbarer Kopf-Airbag als Alternative sorgte kürzlich für Furore, wird sich aber kaum durchsetzen. Wenn es einen Trend zu schicken Helmen gibt, so geht der wohl eher zur runden Form. Die erinnert mal an einen Skaterhelm, mal mit Schirm an das goldene Vespa-Zeitalter. Solche Helme kommen erstaunlicherweise aus einem Land, das nicht unbedingt als Radfahrnation bekannt ist: aus den USA. Etwa von Bern aus Massachusetts oder von Sawako Furuno und - handbemalt - von Belle Helmets aus New York City.

Wer sich untenrum im Wortsinne und auch stilmäßig absichern möchte, greift entweder zur klassischen Hosenspange oder zu den bunten Lederriemen der englischen Traditionsmarke Brooks.

Unbeschwerter Transport

Da nicht jeder ausreichend Geld, Platz und transportbedürftige Ware für ein niederländisches Transportrad hat, so viele Fahrradrucksäcke aber so hässlich sind, und klassische Satteltaschen ja prinzipiell auszuschließen sind, müsste es für modisches Radgepäck eigentlich genauso viele Interessenten geben wie Radfahrer. Das Angebot ist vergleichsweise gering. Ebenso schicke wie praktische Lenkertaschen bieten zum Beispiel Pocampo oder das Wiener Label Eva Blut. Und unter der Marke Choirbox vertreibt Erin Pezdek aus San Diego auf Etsy ethnogemusterte Ledertornister, die sich unter den Sattel schnallen lassen.

Hübsche Umhänge- und Satteltaschen aus Wien.

(Foto: Stephan Doleschal; Eva Blut)

Am Ziel

Gute Fahrradschlösser sind groß und solide. Das Gegenteil also von unbeschwertem Sommerradgefühl. Wenigstens für Bügelschlösser wurde jetzt eine Lösung gefunden: Der Schlosscolt. Damit kann der urbane Hipster zur Not auch sein Beil transportieren - auf dem Weg zum nächsten Forsthege-Workshop.

Der Colt fürs Bügelschloss.

(Foto: Mission Bicycle)

Wer sein Fahrrad trotz Bügelschloss nicht auf dem letzten Teerstück vor dem Wald zurücklassen will, findet bei Walnut den vielleicht schicksten Fahrradtrageriemen der Welt. Und allen, die ihr Fahrrad nicht nur so sehr lieben, dass sie es schieben, sondern so sehr, dass sie es nicht einmal nachts allein lassen wollen, sei das Bike Shelf empfohlen. Voraussetzung sind Platz im Schlafzimmer - und ein ansehnliches Rad.

Eignet sich zur Aufbewahrung von Büchern und Fahrrädern: das Bike Shelf.

(Foto: Knife & Saw)

Unnützes Haben

Wer sich bei Nieselregen fragt "Auto oder Rad?", sollte sich dieses Poster der Kopenhagener Fahrrad-Bewegung an die Wand hängen. Allen, die sich bis der Regen endlich nachlässt, gerne mit Handarbeit beschäftigen, sei zur Inspiration dieser wunderhübsche gehäkelte Speichenschutz empfohlen. Und wenn die Sonne dann wieder rauskommt und die Blumen am Wegesrand sprießen, machen sie sich besonders gut in einer Lenkervase namens Frieda.

Zu verspielt, zu albern? Bei der tollen dänischen Fahrradmanufaktur Cykelmageren lassen sich unter anderem handgefertigte Radnaben aus Mahagoni bestellen. Für den todernsten Preis von umgerechnet 334.91 Euro.

Eine Vase namens Frieda.

(Foto: Artefaktur)