Von Markus Schäflein

"Wir sind über den Tisch gezogen worden": Die Vertreter von 1860 München beklagen, der große FC Bayern habe 2006 ihre finanzielle Notlage ausgenutzt.

Am Rande des Prozesses um die Cateringzahlungen in der Fröttmaninger Arena ist am Mittwoch bekannt geworden, dass nun der TSV 1860 ein Verfahren gegen den FC Bayern angestrengt hat. "Das haben wir vor der Jahreswende eingereicht", bestätigte Anwalt Michael Priebe. Bekanntlich standen die Löwen 2006, als sie ihre Anteile am Stadion an die Bayern übertrugen und den Mietvertrag eingingen, kurz vor der Insolvenz und dem Lizenzentzug. "Die Frage ist, ob der Verein aufgrund seiner wirtschaftlichen Notlage gezwungen wurde, diesen Vertrag einzugehen", sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Waitzinger. Sie ist zwar nur für die Cateringklage des FC Bayern zuständig und nicht für dieses zweite Verfahren, die Argumentation ist jedoch ähnlich.

Bild vergrößern

Rund um die Allianz Arena gibt es nun schon zwei Verfahren. (© Foto: dpa)

Anzeige

Jene Notlage, argumentieren die Anwälte der Löwen, habe der FC Bayern im Jahr 2006 ausgenutzt. "Wir sind über den Tisch gezogen worden. Ein normaler Mieter hätte sich nicht so verhalten", sagte Priebe. "Der Vertrag ist der schleichende Tod für die Löwen. Wir haben überhaupt keine andere Chance, als ihn noch einmal anzufassen. Auch Verträge müssen sich an Recht und Gesetz halten." In erster Linie geht es für Priebe und seinen Kollegen Marc Weßling darum, "an Einnahmen zu partizipieren, zu denen wir beitragen". Der völlige Verzicht auf einen Anteil der Logeneinnahmen von jährlich 14 Millionen Euro sei nicht hinnehmbar. Der damalige Geschäftsführer Stefan Ziffzer habe die Regelung eine "Kröte, die wir schlucken mussten", genannt.

Denkbar sei sogar, sagte Weßling, dass der Verkauf der Arena-Anteile nichtig war: "Der Kaufpreis ist vollkommen unangemessen gewesen. Das muss ein Sachverständiger klären, da gibt es klare objektive Kriterien." Die Anteile seien damals rund 20 Millionen Euro wert gewesen; der FC Bayern zahlte nur rund die Hälfte. Ob die Bayern mit dem Vertrag die Not des Lokalrivalen unangemessen ausgenutzt haben, will Richterin Waitzinger im Catering-Prozess prüfen, indem sie Mietverträge anderer Vereine mit Betreibern ähnlicher Stadien begutachtet.

Ein Problem in der Argumentation könnten die 1860-Anwälte dadurch bekommen, dass ihr Verein den 2006 geschlossenen Vertrag 2008 noch einmal modifizierte - als zumindest die unmittelbare Insolvenz kein Thema mehr war. "Seitdem zahlen sie sowieso schon zwei Millionen Euro Miete weniger pro Jahr", argumentierte Bayern-Anwalt Gerhard Riedl. Die Bayern unterstellen den Löwen, denen sie durch den Kauf der Anteile die Existenz sicherten, Undankbarkeit. Aber auch Hilfe kann rechtswidrig sein.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 05.02.2010)