Von Fabian Heckenberger

Nach ihrem zweiten Olympia-Gold ärgert sich Magdalena Neuner über den Umgang mit den Sportlern - und verzichtet auf einen Einsatz in der Staffel.

Magdalena Neuner lächelte, und sie hatte allen Grund dazu. Die Biathletin hatte im Massenstart gerade als Erste das Ziel passiert und ihr zweites Gold gewonnen, ihre dritte Medaille bei den Spielen in Vancouver. "Ich habe vorher überhaupt nicht damit gerechnet, und schwupps habe ich meine zweite Goldmedaille", sagte die 23-Jährige bestens gelaunt und ergänzte: "Ich habe auch für die Staffel ein sehr gutes Gefühl."

neuner, ddp

Mit Mütze und Medaille Nummer drei: Magdalena Neuner. (© Foto: ddp)

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Dann kam der Hindernislauf nach dem Rennen.

Wenig später lächelte Magdalen Neuner zwar noch immer, doch ihre Botschaft war jetzt eine andere: "Für mich war das heute mein letztes Rennen. Ich bin mit den Olympischen Spielen fertig." Sie verzichtet auf einen Start in der Biathlon-Staffel und damit auf die historische Chance, als erste Biathletin in der Geschichte dreimal Gold bei Olympia zu gewinnen. "Für mich geht es nicht mehr toller", sagte Neuner, die nach einem Gespräch mit Bundestrainer Uwe Müßiggang ihren Platz für Simone Hauswald, die Bronzemedaillengewinnerin im Massenstart, räumte. Doch es war nicht allein die Sympathie für ihre Teamkollegin, die sie zu diesem Schritt bewog.

Bereits nach den ersten beiden Medaillen hatte Neuner zwar mit äußerlicher Ruhe, aber wachsendem Unmut die Hektik hinter dem Zielstrich durchgestanden. Sonntagnacht, als sie die Prozedur das dritte Mal hinter sich gebracht hatte, platzte ihr der Kragen: es sei "unmöglich", wie man nach dem Rennen behandelt werde, sagte die Siegerin über das Auftreten der kanadischen Helfer in den blauen Jacken, die für perfekte Fotos, schnelle Interviews und das pünktliche Antreten zur Dopingkontrolle sorgen - teilweise mit rüden Methoden. "Man wird von denen nach dem Zieleinlauf noch schlimmer behandelt als Schafe, die zur Schlachtbank gehen. Da wird richtig gezerrt und Gewalt angewendet." Simone Hauswald stimmte zu: "Man wird hier nicht mehr als Mensch behandelt."

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich Neuner nicht nur die Belastung eines Rennens, sondern auch die Anstrengung danach nicht noch einmal antun wollte. Man kann das Jammern auf goldenem Niveau nennen, wenn eine Olympiasiegerin auf diese Art die Notbremse zieht; man kann es auch als vernünftigen Versuch bezeichnen, sich in all der Euphorie ein Stück Normalität zu bewahren, eine Normalität, die zur Basis für den Erfolg von Magdalena Neuner geworden ist.

Genau mit dieser Art des rechtzeitigen Runterkommens hat Neuner vor den Spielen den Grundstein gelegt für ihre beeindruckenden Auftritte, die sie zumindest bis zum Staffelrennen am Dienstag zur erfolgreichsten Winter-Olympionikin dieser Spiele machen. Die Wallgauerin hat vor Olympia nicht die Fehler aus den vergangenen Jahren wiederholt, etwa als sie nach ihren drei Weltmeistertiteln 2007 den Trubel und die Termine genoss und in der Folge immer wieder kränkelte und ihre Form verlor. Sie will diese Fehler auch während und nach den Spielen in Vancouver nicht wiederholen.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Neuner die Schrotflinte mit dem Präzisonsgewehr getauscht hat.

Im Video: Es war ein medaillenreicher Tag für die deutsche Olympiamannschaft. Perfekt auch ihre Leistung, Magdalena Neuner. Sie gewann die Goldmedaille im Massenstart-Wettbewerb über 12,5 Kilometer.

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